Viehöven: Vor 140 Jahren der Mutter Gottes geweiht

Viehöven: Vor 140 Jahren der Mutter Gottes geweiht

Mehr als 80 Pilger aus Schophoven, Kirchberg, Selgersdorf und Bourheim machten sich bei starkem Wind und ständig wechselnden Wetterbedingungen auf den Weg zur Kapelle nach Viehöven. Das kleine Gotteshäuschen auf dem ehemaligen Freigut Viehöven wurde nach der Grundsteinlegung vor 140 Jahren der „Mutter Gottes, Königin des Friedens“ geweiht.

Gut die Hälfte der Pilger hatte sich zu Fuß auf eine Sternwallfahrt begeben, Marienlitaneien betend und Marienlieder singend. Mit über 30 Teilnehmern kam der größte Teil der Fußpilger aus Schophoven. „Bei beginnendem Sonnenschein“ eröffnete Pfarrer Dr. Peter Jöcken die Heilige Messe zu Ehren der „Königin des Friedens“, im Neuen Gotteslob auch „Patronin der Familien“ genannt. Dabei zeigte der Priester wahres Gottvertrauen, waren zu diesem Zeitpunkt noch fast alle Köpfe unter Regenschirmen verborgen.

Doch zumindest der Regen ließ nach, der Himmel klarte auf. Jöcken stellte am Muttertag im Marienmonat Mai den Bezug von der eigenen Mutter, mit der man „auch nach ihrem Tod noch verbunden ist“ zur Mutter Gottes her. Auch im biblischen Geschehen „ging es manchmal hart zu“. So wurde Jesus laut dem Evangelium nach Lukas bei seinem ersten öffentlichen Auftreten seit der Darbringung Jesu im Tempel drei Tage lang von Mutter und Vater gesucht.

Sie erhielten schließlich die befremdende Antwort aus dem Mund des 12-jährigen Jesus: „Wusstet ihr nicht, dass ich im Hause meines Vaters sein musste?“ Jesus habe demnach ein völlig anderes Vaterbild als Maria und Josef. Das erzeugte ebenfalls Spannungen, die jedoch „im Glauben überwunden wurden. „Das sollte uns Kraft geben“, ermunterte Jöcken.

So manch fliegender Lied- oder Gebetszettel musste während der Messe von Gottesdienstbesuchern aufgesammelt werden, das Kelchtuch blieb bis zur Wandlung mit einem Stein beschwert, und am Ende spendete Jöcken den Wettersegen.

Doch niemand flüchtete, im Gegenteil, die meisten Pilger blieben noch zum anschließenden Brötchen- und Kuchenessen. „Man darf sich vom Wetter nicht entmutigen lassen“, betonte der Priester abschließend und empfahl, stets die Rahmenbedingungen „mit in die entsprechende Situation hineinzunehmen“.

Die von der Viehövener Küsterin Elfriede Schumacher und vielen Helfern liebevoll vorbereitete Messe umrahmte der Kirchchor Pier/Schophoven mit seinem ansprechenden Gesang. So fand nach längerer Abstinenz im zweiten Frühsommer infolge die Wallfahrt zur „Königin des Friedens“ statt, die sich wieder zu einer festen Tradition etablieren soll.

Den ersten Stein zur Marienkapelle, die aus den Mitteln einer Schenkung gebaut wurde, legte Pfarrer Wirtz 1874. Im Ersten Weltkrieg blieb das kleine Gotteshaus von Schäden verschont, schwere Kriegseinwirkungen zeigten sich jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg. 1974 ergriffen einige Bürger die Initiative, die Kapelle in Eigenleistung zu renovieren.

(ptj)
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