Jülich: Von pfiffigen Erfindern und rauchenden Köpfen

Jülich: Von pfiffigen Erfindern und rauchenden Köpfen

Bonbon rein ins kleine schwarze Plastiktöpfchen, Maschine per Laptop eingeschaltet und schon geht es los: Die Räder rotieren, und das Laufband setzt sich in Bewegung. Schwups ist der passende Deckel auf dem kleinen Topf. Funktioniert wunderbar diese Bonbonverpackungsmaschine.

Erfunden wurde das kleine technische Wunderwerk unter anderem von Frederike Berghaus und Sudarat Ananarcha. Nein, die beiden sind keine Wissenschaftlerinnen und forschen an der Universität. Das kommt vielleicht irgendwann noch. Frederike aus Kaarst ist gerade mal 13 Jahre alt, Sudarat aus Jülich ist 18.

Beide sind Teilnehmer der „Juniorakademie NRW”. Die besten Schüler des Landes wurden für dieses Förderprogramm ausgesucht. 160 Mädchen und Jungen nehmen in der zweiten Hälfte der Schulferien an den Juniorakademien teil, die vom Ministerium für Schule und Weiterbildung zur Förderung besonders begabter Schüler veranstaltet werden.

Drei Landesakademien laufen derzeit parallel. Eine davon ist im Jülicher Science College Overbach. „Der Anteil der hochbegabten Schüler ist hier sehr hoch. Aber gerade sie haben es später an der Universität oftmals schwer. Dort müssen sie sich ihren Lehrplan selber erstellen und organisieren. Das versuchen wir ihnen an der Junior-Akademie zu vermitteln”, erklärt Michael Funke, Landesbeauftrager für die Juniorakademie NRW.

Drei Kursangebote bietet der Standort Jülich: Nanotechnologie, Kryptologie und Mechatronik. Zwei Lehrer pro Kurs mit je 18 Teilnehmern ermöglichen eine optimale Betreuung. Und da werden dann auch solche Sachen erfunden wie etwa eine Bonbonverpackungsmaschine im Kurs Mechatronik.

„Dabei habe ich nicht mal so viel Ahnung von Mechatronik”, sagt Sudarat und lächelt. Die 18-Jährige ist erst vor vier Jahren mit ihrer Familie aus Thailand nach Deutschland gekommen. „Die Sprache konnte ich gar nicht”, erzählt sie. Aber gelernt hat sie das schnell. Zwei Jahre besuchte Sudarat die Hauptschule, um Deutsch zu lernen. Dann ging es aufs Mädchengymnasium. Nun steht sie vor ihrer ersten eigenen Erfindung.

Sie lernt, während andere Ferien machen - freiwillig. Und mit jeder Menge Spaß, wie man ihr unschwer anhört: „Ich finde es total interessant. Außerdem habe ich viele nette Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen.”

Da kann auch Federike nur zustimmen: „Der Kurs ist doch total lustig”, sprudelt es nur so aus der 13-Jährigen heraus. Und das hat gar nichts mit Streberei zu tun. „Ich lerne eigentlich nie”, erzählt sie.

Dafür hat sie jede Menge anderer Hobbys: Sie spielt Fußball im Verein. Mal steht sie im Tor, mal gibt sie den Libero. Den Spaß merkt man allen Teilnehmern trotz straffem Zeitplan an: morgens um 6 Uhr geht es mit Frühsport los, 7.30 Uhr Frühstück, ab 9 Uhr beginnen die Kurse.

„Aber wir sind keine Schlaumeier, die keine Freunde haben”, sagen Cathi Jeschek (13) und Karina Kowalczyk. Sondern ganz normale Kinder und Jugendliche mit schlauem Köpfchen. Und wer weiß, was der eine oder andere demnächst noch so erfindet.