Von einem Schlachtfeld bei Linnich ins bayrische Königshaus

Die Geschichte des Hubertusordens : Von einem Schlachtfeld bei Linnich ins bayerische Königshaus

1444 gründet der Jülicher Herzog Gerhard II. nach der überraschend gewonnenen Schlacht bei Linnich den Hubertusorden. Über sehr verworrene Verästelungen im Stammbaum gelangt der Orden bis ins bayrische Königshaus.

Am 3. November 1444 war der Heilige Hubertus schon über 700 Jahre lang tot. Trotzdem fiel Herzog Gerhard II. von Jülich an jenem denkwürdigen Tag bei Linnich auf die Knie, gründete den Hubertusorden und schrieb ein Stück Jülicher Geschichte. Irgendetwas musste ein Adliger seiner Zeit wohl tun, um seine Gottesfurcht zu zeigen – und den Anspruch des aufstrebenden Hauses Jülich-Berg, so mächtig zu sein, dass man einen Orden gründen kann.

Im Sport-Jargon würde man heute vom Sieg des krassen Außenseiters sprechen. Als solcher war Gerhard II. an jenem 3. November 1444 bei Linnich in eine Schlacht gezogen gegen den militärisch stärkeren Herzog von Geldern und hatte überraschend gewonnen. Also an dem Tag, an dem bis heute dem Heiligen Hubertus gedacht wird. Von Linnich über Nideggen und Jülich gelangte der Orden durch die Wirren von vier Jahrhunderten nach Bayern und blieb bis 1918 der Hausorden der bayerischen Könige aus dem Hause der Wittelsbacher.

Gerhard legte fest, dass nur Adlige dem Orden angehören durften und dass der Sitz in Nideggen sein sollte, dem bevorzugten Sitz früher Jülicher Herrscher. „Meistens handelte es sich um den Landadel aus dem Herzogtum. Der Orden hatte da keine große überregionale Strahlkraft, aber durchaus eine regionale“, berichtet der Jülicher Historiker Guido von Büren. Dass der Orden nicht so groß wurde wie die Malteser oder Johanniter beispielsweise, die zur Zeit der Kreuzzüge gegründet wurden, liegt an der Zeit.

Die Hochphase der ritterlichen Orden war am Übergang vom Spätmittelalter in die frühe Neuzeit vorbei. Weil Jülich mit dem Bau der Zitadelle unter Herzog Wilhelm V. an Bedeutung gewann, verlor Nideggen an Gewicht. Der Ordenssitz wurde 1569 nach Jülich verlegt. „Die Erinnerung an den Orden plätschert so langsam aus. Aus der Zeit des mächtigen Herzogs Wilhelm V. (1516-1592), der ein begeisterter Jäger war, gibt es keinen Hinweis darauf, dass er dem Hubertusorden eine größere Bedeutung zugemessen hat“, schildert von Büren.

1609 starb das Haus Jülich-Kleve-Berg mit Wilhelms V. Sohn Johann Wilhelm im Mannesstamm aus. Das Herzogtum wurde aufgeteilt, Jülich-Berg fiel an das Haus Pfalz-Neuburg, einer Nebenlinie des Hauses Wittelsbach, in das Anna, die Tochter Wilhelms V., eingeheiratet hatte. Ihr Urenkel Herzog Johann Wilhelm II. (1658-1716) hob den Hubertusorden im Jahr 1708 ein zweites Mal aus der Taufe. Anlass war der Umstand, dass dem Haus Pfalz die zu Beginn des 30-jährigen Krieges aberkannte ursprüngliche Kurwürde zurück verliehen wurde.

Die Kurwürde gestand den wichtigsten Fürsten des Reichs das Recht zu, den römisch-deutschen Kaiser zu wählen. Innerhalb der Kurfürsten gab es zudem eine Rangordnung, ursprünglich mit dem Kurpfälzer an der Spitze. Diese Stellung verlor das Haus 1648 aber an die bayerische Linie der Wittelsbacher. Für die Pfalz wurde im Westfälischen Frieden 1648 eine neue Kurwürde geschaffen, die in Ansehen und Rang aber geringer war.

Aus Dankbarkeit für die Treue im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) stattete der deutsche Kaiser Joseph I. (gestorben 1711) die Pfalz wieder mit der Kurwürde aus. Weggenommen wurde sie den bayerischen Wittelsbachern, die auf gegnerischer, französischer Seite kämpften. 1714 allerdings wurde die bayerische Linie zu Lasten der Pfalz wieder rehabilitiert, nachdem im Frieden von Rastatt festgelegt worden war, dass von nun an kein von den Pfälzern unterstützter Habsburger auf dem spanischen Thron sitzt, sondern ein Franzose.

Aussterbende Linien

Johann Wilhelm II. starb zwei Jahre später ohne Erbe, das Herzogtum Jülich-Berg und die Kurpfalz gingen auf seinen Bruder Carl Philipp über. So begann im übertragenen Sinne die Wanderschaft des Hubertusordens. Denn Carl Philipp verlegte den Herrschaftssitz nach Mannheim. Der Hubertusorden sollte in der Folge drei aussterbende Linien überdauern: 1742 starb auch Carl Philipp ohne männlichen Erben, die Kurpfalz fiel an die Wittelsbacher Nebenlinie Pfalz-Sulzbach und an Carl Theodor (1724-1799). 1777 starben die bayerischen Wittelsbacher aus, beerbt wurden sie von der Wittelsbacher Linie Pfalz-Sulzbach.

Carl Theodor war jetzt Herzog von Jülich-Berg und Kurfürst von der Pfalz und Bayern, hinterließ aber bei seinem Tod 1799 ebenfalls keinen Thronfolger. Seine Titel gingen über auf eine andere Wittelsbacher-Nebenlinie, nämlich Pfalz-Zweibrücken. Carl Theodor war übrigens der letzte Jülicher Herzog. 1801 hörte das schon seit 1794 von den Franzosen besetzte Herzogtum Jülich auf zu existieren, weil es an Frankreich abgetreten wurde.

Der von Gerhard II. 357 Jahre zuvor gegründete Hubertusorden gewann dagegen an Bedeutung. Aus Maximilian IV. aus dem Haus Pfalz-Zweibrücken wurde Maximilian I. Joseph, der erste König des Königsreichs Bayern. Er machte den Hubertusorden zum höchsten bayerischen Hausorden, der bis 1918 über 540 Mal verliehen wurde. Noch heute kann man in der Schatzkammer der Residenz München die Ordensinsignien bewundern.

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