Tag des offenen Denkmals: Von der kurfürstlichen Getreidemühle zum Museum

Tag des offenen Denkmals : Von der kurfürstlichen Getreidemühle zum Museum

Gläserne Kunstwerke und eine historische Fotoausstellung gab es zum „Tag des offenen Denkmals“ im Glasmalerei-Museum in Linnich zu sehen. Außerdem wurden Workshops zum Thema Glas angeboten, in denen zum Beispiel Brettspiele oder Collagen gebastelt wurden.

„Es macht sehr viel Spaß, Sachen zu machen, die man sonst nicht machen kann, zum Beispiel mit Spiegeln.“ Das sagte die 12-jährige Katharina Storch, die auf Empfehlung einer befreundeten Familie am Workshop im Glasmalerei-Museum teilnahm – dieser war am „Tag des Offenen Denkmals“ kostenlos. Das ermöglichte die Initiative „Kulturrucksack NRW 2019“, die das Land gemeinsam mit Kommunen und Kultureinrichtungen auf den Weg gebracht hat. Jährlich stellt das Kulturministerium hierfür rund drei Millionen Euro zur Verfügung.

„Wir fertigen Brettspiele und Collagen aus Glas“, sagte Kunsthistorikerin Christina Haße, die freiberuflich im Glasmalerei-Museum tätig ist und den Workshop leitete. Auf Glas gemalt wird mit Glasmalfarben, die als Spielsteine dienenden Collagen werden mit Mosaikkleber geklebt.

Zeitgleich führte Kunsthistorikerin Britta Engelhardt durch die Ausstellung der gläsernen Kunstwerke und abschließend durch die Fotoausstellung von Stefan Johnen. Letztere zeichnet die Entwicklung des Museums von der kurfürstlichen Getreidemühle 1608 zu einem für seine Architektur preisgekrönten Gebäude nach, das am Samstag, 29. November 1997, als Glasmalerei-Museum seine Pforten öffnete. Die Stadt Linnich kaufte die alte Mühle 1983 auf, 1994 begannen die Umbauarbeiten zum Museum.

Auswärtige Besucher lockte aber die Führungen durch die Exponate der Dauerausstellung des landesweit einzigen Museums für Flachglasmalerei, zu denen Engelhardt exemplarisch Stellung nahm. Der Schwerpunkt liegt auf den Glasgemälden des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter übt besonders die Darstellung der klassischen Moderne eine besondere Anziehungskraft aus. Ein Beispiel ist der „Apokalyptische Reiter“ aus dem Glasfensterzyklus von Professor Georg Meistermann. Das Glasgemälde stammt aus dem Rathaus in Wittlich.

Meistermann fasst die Fläche seiner Glasfenster als eine „Art Kraftfeld auf, in dem sich die Darstellung ähnlich dem Netz einer Spinne oder den magnetischen Linien im elektrischen Feld zwischen den Grenzen ausspannt, diese zusammenziehend oder auseinanderpressend“. So beschrieb der Künstler, der wie Johan Thorn Prikker oder Hubert Spierling zu den elf wichtigsten Vertretern deutscher Nachkriegskunst zählt, selbst seine Arbeiten. Prikker orientierte sich wieder an der Ausdrucksstärke des mittelalterlichen Glasmosaiks und ersetzte die historische Malerei „auf Glas“ durch die Malerei „mit Glas“.

Ein zweites Exempel für ein thematisiertes Exponat ist „Roter Keil“ (1984/85) von Hubert Spierling, es handelt sich um eine Dauerleihgabe der NRW-Stiftung. Eindringlich und kraftvoll ist die kontrastreiche Formensprache des Glaskünstlers, er lässt aus differenzierten Farbflächen und freien Lineaturen abstrakte und figürliche Fenster entstehen. Im abstrakten „roten Keil“ setzen sich dickwandige Linien auf einem Bleiriss, verstärkt durch Schwarzlotzeichnung, gegeneinander ab. Mit der Resonanz war man zufrieden: „Der Tag war sehr gut besucht, das hätten wir nicht gedacht“, betonten Helga Bischof und Marlene Boix, Mitarbeiterinnen im Glasmalerei-Museum.

(ptj)