„Matinee zur Marktzeit“: Virtuoses Konzert von Stefan Palm begeistert in der Propsteikirche

„Matinee zur Marktzeit“ : Virtuoses Konzert von Stefan Palm begeistert in der Propsteikirche

„Am Anfang habe ich mich richtig erschrocken“, kommentiert eine Konzertbesucherin das klangvolle musikalische Entree bei der „Matinee zur Marktzeit“ in der Propsteikirche. Machtvoll und imposant ertönten die ersten Noten des „Introduction Chorals“ aus der „Suite Gothique op. 25“ von Leon Boëllmann.

Ein würdiger Auftakt der ersten nach der Sommerpause und zudem, wie GdG-Kantor Christof Rück in der Begrüßung hervorhob, einer ganz besonderen Matinee. Bereits zum dritten Mal ging das musikalische Fest für die Seele in einen lukullischen Genus über. Anlass dafür war der Rückblick auf die Orgel-Einweihung vor 20 Jahren. 1998 wurde das Instrument von der Firma Vleugels aus Hardheim erbaut und, wie Christof Rückt sagt, „beeindruckt seither sowohl in handwerklicher als auch in künstlerischer Aussagekraft“.

Das kulinarische Finale war für die Besucher ein willkommener Ausklang des glanzvollen Konzerts. Foto: Vomberg

Ein wahrer Orgel-Virtuose verleitete das Instrument beim „Geburtstagskonzert“, seine beste Leistung zu zeigen. Prof. Stefan Palm, heute ein anerkannter und weltweit konzertierender Musiker, erhielt seinen ersten Orgelunterricht in der Propsteikirche. „Es war noch die alte Orgel“, erinnert sich Palm, „mit der heutigen nicht zu vergleichen, obwohl diese hier nicht zu Ende gebaut wurde“.

Er erwähnt dabei die bei der Orgelherstellung ausgelassenen Register. „Der Platz, wo diese fünf wesentlichen Teile hingesetzt werden müssten, wurde damals vorbereitet“, sagt er und „mit diesen Registern würden sich die spielerischen Kombinationsmöglichkeiten multiplizieren“. Doch wie vor 20 Jahren fehlen gegenwärtig die finanziellen Mittel für die Vervollständigung des Instruments.

Förderverein ist aktiv

Der im September gegründete „Verein zur Förderung der Kirchenmusik in der Pfarrei Heilig Geist“ wird langfristig auch diesen Punkt in sein Arbeitsprogramm aufnehmen. Sowohl für die Orgel als auch für den bei zahlreichen internationalen Wettbewerben ausgezeichneten Organist Stefan Palm waren die fehlenden Register kein Hindernis, das Publikum zu begeistern. In perfekter Harmonie zwischen dem Instrument und seinem Meister erklang zunächst die „Suite Gothique op. 25“, komponiert von Leon Boëllmann.

Nach dem mächtigen „Introduction-Choral“ folgte im zweiten Teil „Menuet gothique“. Leicht und freudig phrasiert verleitete dieses beinahe zum Tanzen. Der nächste Satz „Priere a Notre Dame“ war in der Darbietung von Palm ein wahrhaft andächtiges Gebet in einer Kathedrale. Die abschließende „Toccata“ gehört zu den bekanntesten Toccaten in der Musikwelt. Ihre beiden rhythmischen Motive, eines davon im Bass, wurden von Stefan Palm virtuos interpretiert. Die zunächst zurückhaltenden Klänge wurden im Verlauf stets voluminöser und erfüllten den Raum mit einem furiosen Finale.

Eine musikalische Leichtigkeit und fantasievolle Raffinesse prägten dagegen das folgende „Andante F-Dur“ (K.V. 616) von Wolfgang Amadeus Mozart. „Für eine Walze in eine kleine Orgel“ komponiert, erklang dieses Stück ursprünglich in einer Flötenuhr. Diese „Flöte“ war in der Auslegung von Stefan Palm kristallklar herauszuhören und spendete pure Lebensfreude. Ein weiterer französischer Komponist neben Leon Boëllmann und eine zweite Toccata vervollständigten diese außergewöhnliche Matinee.

Der letzte Satz der „5. Orgelsymphonie“ von Charles-Marie Widor ist eines der bekanntesten Werke der Orgelmusik. Die kompositorische Harmonie der sich wiederholenden Motive wurde sowohl in den leisen, fast flüsternden Passagen als auch in den machtvollen Akkorden meisterhaft umgesetzt bis hin zum donnernden, klangvollen Finale.

„Das wichtigste bei einem Orgelkonzert ist, dass man die Orgel musikalisch spielt“, erklärt Stefan Palm, der als Rektor und Professor für Orgelliteraturspiel an der Hochschule für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig ist. „Man muss sie zum Klingen, zum Singen bringen“, sagt er, und „das wesentliche ist, einen Bezug herzustellen zwischen den Tasten am Spieltisch und den Orgelpfeifen die oft zehn oder zwanzig Meter weit entfernt sind“.

„Es war so durchsichtig gespielt, jede Melodie konnte nachverfolgt werden“, lautete einer der durchweg begeisterten Kommentare beim kulinarischen Ausklang. Bei so viel französischer Musik kreierte der Hobby-Orgelspieler und ehrenamtliche Chefkoch der Veranstaltung, Christian Froitzheim, selbstverständlich ein passendes Menü. Das „Boef Bourguignon“ stellte neben dem köstlichen Evergreen „Grünkohl mit Mettwurst“ auch die anspruchsvollsten Gaumen der Gäste zufrieden.

(mavo)
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