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Jülich: Virtuose Darbietungen beim Neujahrsauftakt

Jülich : Virtuose Darbietungen beim Neujahrsauftakt

Klassik und Jazz - ein Geschwisterpaar, das verschiedener nicht sein könnte. Gemeinsam ist ihm nur der Familienname: Musik.

Einmal im Jahr treffen sich aber Klassik und Jazz zum Feiern, dann nämlich wenn die städtische Musikschule in die Schlosskapelle einlädt.

Auch an diesem Sonntagmorgen konnten die Besucher, die leider nicht allzu zahlreich erschienen waren, wieder einen Eindruck von der hervorragenden Arbeit der Schule gewinnen. Es war ein Neujahrsauftakt nach Maß.

Im ersten Teil boten Renaissance und Barock den festlichen Rahmen. Ein aus Schülern und Lehrern gemischtes Bläserensemble interpretierte zunächst Giovanni Pergolesi und Andrea Gabrieli. Der eine ein Barock-Komponist von großer Lebendigkeit, der andere ein konzertanter Meister der venezianischen Schule.

Das Renaissance-Stück „Courtly Masquing Ayres” von John Adson war ein weiterer Beweis für das handwerkliche Können des Bläserensembles, das kurz vor dem Konzert eine Umbesetzung erfuhr und sich trotz Probenmangels sehr gut behauptete.

Mit Querflöten-Soli von Anton Stamitz brachte Gerda Wirtz einen Ausschnitt ihres Könnens zu Gehör. Natürlichkeit und Schwung sind die Kennzeichen der Mannheimer Schule, der Stamitz angehörte. Beides konnte Gerda Wirtz in ihrem Vortrag vereinen.

Schulleiter Gerold Krings (Klavier) und Elisabeth Zechner (Cello) hatten nach eigenem Bekunden zunächst Bedenken, das 1978 komponierte Stück „Spiegel im Spiegel” des Esten Arvo Pärt vorzutragen. Doch dieses Zögern war völlig unangebracht bei dem minimalistischen Stück, das äußerst stimmungsvoll und nachdenklich daherkam.

Eine tief berührende Musik, die in der Begleitung mit wenigen Dreiklängen auskommt, ergänzt durch die lang anhaltenden Töne des Cellos. Dabei lässt diese sehr einfache Musik vielschichtige Bilder im Kopf des Zuhörers entstehen. Dass die Reize bei dieser Musik von innen kamen, war ein wahrer Genuss in einer Zeit, in der Menschen permanent mit Reizen von außen überflutet werden.

Leicht zugänglich ist auch die Musik des Engländers Gordon Jacob. Fünf Stücke für Klarinette solo hatte Marita Denhoff ausgewählt, handwerklich ausgereift und inspirierend. Und wie die Komposition war auch das Spiel der Musiklehrerin.

Im zweiten Teil kamen die Freunde der Jazzmusik voll auf ihre Kosten. Christoph Fischer (Trompete), Walter Sembritzki (Saxophon), Josef Ritterbeck (Kontrabass), Manfred Rahier (Schlagzeug) und der musikalische Kopf Stefan Michalke (Klavier) boten Jazz der Extraklasse. Spielfreude, musikalisches Können und handwerkliche Perfektion machten das Zuhören zu einem echten Vergnügen.

So boten Walter Sembritzki und Manfred Rahier eine ebenso eigenwillige wie hörenswerte Variante von Cole Porters „Night and Day”. Wunderbar auch der „Blue Monk” der großen Jazz-Legende Thelonious Monk. Natürlich durften auch zwei Kompositionen von Pianist Stefan Michalke nicht fehlen. Er trat den Beweis an, dass die Jülicher Musikschule hervorragende Dozenten beschäftigt, die Ausbildung auf höchstem Niveau garantieren.

Die Besucher waren hingerissen von dem Konzert und belohnten das großartige Engagement der Musiker mit viel Applaus. Damit verbunden ist auch die Hoffnung, dass der Musikschule auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weiterhin Raum bleibt für so viel Kunstsinn und Virtuosität.