Vierspuriger Ausbau der B56 gestoppt zugunsten der Nordumgehung Düren

Zugunsten der Nordumgehung : Vierspuriger Ausbau der B56 gestoppt

Dabei tauchte das Straßenbauprojekt zwischen Jülich und Düren noch im Februar im Abschlusspapier der Kohlekommission als Beitrag zum Strukturwandel auf. Gewollt war es nie.

Noch im Februar war die Zukunft klar: Ausgerechnet der umstrittene vierspurige Ausbau der B56 zwischen Jülich und Düren fand sich plötzlich als eine von acht vordringlichen Maßnahmen im Abschlusspapier der Kohlekommission wieder. Jetzt soll der geplante Ausbau zugunsten der Nordumgehung in Düren gestoppt werden.

Schon im Dezember 2016 sorgte dieses Projekt für Verwunderung. Im damals vom Bundesverkehrsministerium vorgestellten Verkehrswegeplan wurde der Ausbau mit einem „vordringlichen Bedarf“ eingestuft und in die Liste der Projekte aufgenommen, die bis zum Jahr 2030 zu realisieren seien. Die Begründung: Eine Berechnung für das Jahr 2030 habe gezeigt, dass das Verkehrsaufkommen auf der A4 und der A44 deutlich steigen werde – insbesondere durch erwarteten Güterverkehr aus Belgien.

Deshalb, so die Logik, sollte eine sichere und belastbare Verkehrsspange zwischen diesen beiden Autobahnen her. Rund 52 Millionen Euro hatte man für den Ausbau eingeplant, eine Planung oder Berechnung hatte es allerdings nie gegeben. Dieses Geld soll nun für den Ausbau der B399n, also der Dürener Nordumgehung verwendet werden. In Resolutionen hatten sich zuletzt der Dürener Stadtrat, der Gemeinderat Niederzier und der Kreistag Düren gegen diese Maßnahme ausgesprochen. Deshalb hatte sich auch der Dürener Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel (CDU) hinter die Anliegen der betroffenen Kommunen gestellt.

Rachel hat unmittelbar Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst angeschrieben und dafür geworben, den geplanten Ausbau zwischen Jülich und Huchem-Stammeln nicht weiter zu verfolgen. „Um die Verkehrsentlastung der Dürener Innenstadt zu ermöglichen, ist der Ausbau der B 399n dringend notwendig“, sagte Rachel. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Rachel bis zuletzt der einzige Politiker aus der Region war, der sich stets für den vierspurigen Ausbau eingesetzt hatte.

Harsche Kritik an den Ausbauplänen hatte in der Vergangenheit Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer von den Grünen geäußert. Krischer hatte gerade mit Blick auf den zu erwartenden steigenden Güterverkehr stets den Ausbau des 3. Gleises zwischen Aachen und Köln gefordert, um den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

„Noch viel Unsinn“

So hatte Krischer im Februar, als das Projekt im Abschlusspapier der Kohlekommission auftauchte, unter anderem formuliert: „Dass die NRW-Landesregierung den Ausbau jetzt auch noch als Projekt für den Strukturwandel geadelt hat, ist absurd. Ein Straßenausbau, den niemand gefordert hat und offensichtlich nicht braucht und der auch noch erhebliche Folgen für die betroffenen Ortschaften wie zum Beispiel Selhausen hätte, soll die Folgen des Kohleausstiegs auffangen. Das zeigt, in den Listen findet sich noch viel Unsinn.“

Unsinn, der nach Ansicht von Krischer jetzt weitergeführt wird. „Die jetzige Verknüpfung mit der B399n ergibt keinen Sinn, weil die Planungen da schon sehr weit fortgeschritten sind und die Straße sowieso gebaut wird. Wir brauchen stattdessen eine Stärkung der Gleisinfrastruktur.“ Für Krischer geht es dabei nicht nur um das 3. Gleis für den Güterverkehr, sondern vor allem auch um den Lückenschluss zwischen Linnich und Baal: „Gerade für die vielen Mitarbeiter im Forschungszentrum Jülich macht die Anbindung bis Düsseldorf Sinn.“ Oder auch für die künftigen Mitarbeiter im Brainergy-Park.

In diesem Punkt würde sich Krischer ein stärkeres Engagement wünschen: „Ich habe nicht den Eindruck, dass bei diesen beiden wichtigen Projekten für den Strukturwandel in Berlin irgendwelche Aktivitäten stattfinden. Da müsste Herr Rachel mehr Druck ausüben. Das wäre sinnvoller, als sich für eine Straße in Düren einzusetzen, die sowieso kommt.“

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