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Alte Weberei: Vier kreative Frauen stellen aus

Alte Weberei : Vier kreative Frauen stellen aus

Die Galerie „Alte Weberei“ in Rödingen gilt seit vielen Jahren als ein Refugium spannender Gegenwartskunst. Betritt man das in sich geschlossene Ambiente, spürt man nach wenigen Schritten die besondere Atmosphäre, in der sich Kreativität auf vielfache Weise entfalten darf.

Verstärkt wird dieser Eindruck bei der aktuellen Ausstellung durch eine farbenfrohe schwebende Plastik, die zum Berühren animiert und die Stimmung des Besuchers positiv zu beeinflussen vermag. Gezeigt werden Werke von Helga Hütten, Eva Neugebauer, Ulrike Gerritzen und Maria Gilges, der Schöpferin der Eingangsplastik.

Helga Hüttens minimalistische in Zeichnungen festgehaltene Notizen sollen oftmals dem fremden Betrachter unentschlüsselt bleiben, lesbar scheinbar nur für die Aufzeichnerin. Für sie ist alleine der ästhetische Aspekt als Botschaft wichtig. Reduktion auf die Dualität von oft nur zwei Ebenen führen zu ihrer Intention, den Menschen in Zeit und Raum agieren zu lassen. Manchen Betrachtern gelingt die Entdeckung der in den Bildern verborgenen individuellen Geschichten, anderen entzieht sich der Zugang zum Sujet „Linie trifft Fläche“.

Die Objekte von Eva Neugebauer sind in ihrer Formgebung nah angelehnt an natürliche Gebilde wie an vielen Stränden zu findende Muscheln oder an urzeitliche Versteinerungen. Eine den Objekten innewohnende Zeitlosigkeit ergibt sich demnach von selbst. Die asymmetrischen Gebilde geben der Fragilität des natürlichen Vorbilds Festigkeit oder der versteinerten Härte die Hinwendung zur denkbaren Leichtigkeit. Einzeln betrachtet sind die Objekte je nach Ausprägung nah an der Natur oder durch Umordnung physikalischer Gesetze eine Sichtbarmachung des Möglichen, des in dieser Variante noch nicht Gesehenen. Besonders beeindruckend und dekorativ ist in der Ausstellung die Anordnung einer Vielzahl von Objekten an einer in neutralem Grau gestrichenen Wand. Die Summierung der Unikate verstärkt die Aussage um ein Vielfaches.

„Hülle und Fülle“ nennt Ulrike Gerritzen ihre Installationen, die den Betrachter zur Interaktion einladen. Die beweglichen Raumkörper hängen erstarrt von der Decke, ihre intensive Farbigkeit verleiht den Formen eine magische Anziehungskraft. Eine spielerische Annäherung nimmt die Scheu vor dem Kunstgebilde. Sobald Bewegung entsteht, verändert sich die Hülle, die der Betrachter nun erobern kann. Ulrike Gerritzens Kunst schafft Kommunikation über den einzelnen Raumkörper hinaus.

An das Thema Plastikmüll und die damit einhergehende verheerende Verschmutzung der Weltmeere denkt man beim Betreten des Raums zunächst nicht, der von skurrilen Wesen in einer wahren Explosion aus Farben, scheinbar aus einem anderen Universum kommend, erobert worden ist. Schöpferin ist Maria Gilges, die mit ihrem Einfallsreichtum und ihrer aus den bunten Wesen sprechenden Erzählfreude die Betrachter unweigerlich gefangen nimmt. Verblüfft stellt man fest, dass es tatsächlich zerschnittene Plastiktüten sind, aus denen sie ihre vor Vitalität strotzenden Fabelwesen gehäkelt hat.

„In diesem herrlichen Raum wird man automatisch gut gelaunt“, brachte eine Kunstfreundin den Eindruck auf den Punkt, nicht ohne hinzuzufügen: „Es ist großartig, wie hier Konsumkritik ohne erhobenen Zeigefinger vermittelt und man zur Übernahme von Verantwortung motiviert wird.“

Geöffnet ist die Ausstellung am 22. und 23. September, jeweils von 15 bis 19 Uhr.