Zweite Runde des Integrierten Handlungskonzeptes: Viele Ideen, um Jülich besser zu machen

Zweite Runde des Integrierten Handlungskonzeptes : Viele Ideen, um Jülich besser zu machen

Die Stadt Jülich hat ihre Bürger dazu eingeladen, gemeinsam die Zukunft zu planen. Die Beteiligung an demWorkshop für das Integrierte Handlungskonzept ist diesmal nicht so hoch wie von den Planern erhofft. Trotzdem: Ideen gibt es viele.

Ideenreichtum und kreative Einbindung waren gefragt im Jülicher Rathaus. Mit Mitarbeitern der Verwaltung und einem Stadtplanungsunternehmen sammelten am Samstagnachmittag engagierte Bürger in zwei Workshops Anregungen und Konzepte, um die Innenstadt aufzuwerten. Die Veranstaltung markierte den bisherigen Höhepunkt der Bürgerbeteiligung zum sogenannten Integrierten Handlungskonzept (InHK). Die Bürger trugen hier ihre durch die am 26. Juni durchgeführten Stadtspaziergänge gesammelten Erkenntnisse zusammen.

„Zentren sind die Visitenkarten und gesellschaftliche Kulminationspunkte der Städte und Gemeinden“. So steht es im Leitfaden zum Integrierten Handlungskonzept, der seit 2008 festgelegten verpflichtenden Grundlage für Kommunen durch die Landesregierung zur strategischen Entwicklung der nordrhein-westfälischen Innenstädte. Viele Kommunen, unter anderem Düren, Aachen oder Linnich, sind bereits seit einiger Zeit mit dem Förderprogramm beschäftigt. Nun will auch Jülich an den Geldern für Städtebauförderung partizipieren.

Die Bewilligung ist allerdings an inhaltliche und formale Voraussetzungen geknüpft. Eine davon ist die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Planung. Hierzu hat die Stadt im April und Mai dieses Jahres die Möglichkeit der Online-Beteiligung eingeführt, welche laut Aussage des Aachener Planungsbüros MWM im Vergleich zu anderen Städten überdurchschnittlich rege genutzt wurde. MWM wurde mittels einer Ausschreibung von der Stadt als Partner für Stadtplanungsfragen beauftragt. Der Auftrag beinhaltet auch, mit den Bürgern die inhaltlichen Leitlinien für das InHK zu erarbeiten.

In den Workshops rauchten folglich die Köpfe darüber, wo in der Herzogstadt Verbesserungspotential besteht. Die Bandbreite der Ideen reichte von einer Aufwertung der Radwege über einen Ausbau der Beleuchtung, verstärkte Nutzung des Zitadellenparks bis hin zur Sperrung der Kölnstraße für den motorisierten Verkehr. Auch eine Begegnungsstätte nach dem Vorbild des Speaker‘s Corner im Londoner Hyde-Park oder eine Golfanlage am Stadteingang waren vorgeschlagen worden.

Anregungen zur Stärkung des Tourismus sowie die bessere Einbindung der äußeren Ortsteile fanden ebenso positive Rückmeldung. Ein Wermutstropfen stellte die geringe Zahl der eingetroffenen Jülicher Bürger dar. Neben Ortsvorstehern und Stadtverordneten waren nur wenige aus privatem Antrieb gekommen. Die eher geringe Beteiligung der Jülicher Bürgerschaft schoben die Anwesenden mit einem Lächeln auf das angenehme Septemberwetter und die Bundesliga. Einen Vorteil boten die kleinen Gruppen allerdings: Die intensivere Zusammenarbeit führte zu einer Ideenflut.

Keine Spaßveranstaltung

Dass die in den Workshops von den Bürgern eingebrachten Ideen von der Stadtverwaltung als verbindlich angesehen werden, bekräftigte Petra Dören-Delahaye. „ Wir legen uns gewissermaßen planungsmäßig Handschellen an. Die hier eingereichten Ideen werden im Rahmen des Förderantrags an die Bezirksregierung weitergegeben“, so die stellvertretende Leiterin des Planungsamtes. Bürgermeister Axel Fuchs stellte auf Nachfrage die Bedeutung der Arbeitsgruppen heraus. „Das ist keine Spaßveranstaltung, die Ideen werden im Stadtrat besprochen und verbindlich beschlossen“.

Nach Jahren eines von vielen Jülicher Bürgern wahrgenommenen Stillstandes in der Entwicklung der Innenstadt sei nun eine deutliche Aufbruchstimmung spürbar, meinte die Jülicher Ortvorsteherin Margret Esser-Faber am Rande der Veranstaltung. In seiner Schlussansprache gab Axel Fuchs zu, den Leitlinien des InHK zunächst skeptisch gegenüber gestanden zu haben, das Projekt jetzt jedoch positiv zu sehen. „Viele Menschen beunruhigen große Veränderungen. Aber die Zusammenarbeit und die Resultate der Gruppen waren absolut überzeugend.“

Die gesammelten Ideen wird die MWM übernehmen und in einer Konzeptphase antragsreif überarbeiten. „Im Frühjahr wird es eine weitere Bürgerbeteiligungsaktion geben. Damit wir sichergehen, dass wir alle Anliegen richtig verstanden haben“, erklärte Dören-Delahaye den weiteren Verlauf. Am Donnerstag findet ein Stadtspaziergang für Kinder und Jugendliche statt.

Weitere Workshops zur Stadtentwicklung für Studenten und die Verwaltung sind ebenfalls geplant. Bis September 2020 läuft die Fristsetzung für die Fördergelder. Bis dahin muss die Stadt den fertigen Antrag bei der Bezirksregierung eingereicht haben.