Jülich: Verheißungsvolle Neuigkeiten für die Zukunft

Jülich: Verheißungsvolle Neuigkeiten für die Zukunft

Überraschungen gab es an diesem Abend des 7. Jülicher Stadtgesprächs in der Blumenhalle des Brückenkopf-Parks einige. Erfreulich viele Zuschauer hatten den Weg zur Veranstaltung unserer Zeitung und des Vereins Stadtmarketing gefunden, sogar so viele, dass die Anzahl der Stühle langsam knapp wurde.

Ebenso positiv: Die Außenansichten auf die Herzogstadt, die die vier Experten auf dem Podium äußerten, beinhalteten weit mehr Licht als Schatten. Und als Bonbon obendrauf gab es verheißungsvolle Neuigkeiten aus dem Forschungszentrum und vom Solarinstitut.

Moderiert von unserem Redakteur Volker Uerlings und Wirtschaftsgeograph Prof. Michael Gramm gaben Jürgen Drewes (Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen), Harald Lange (Niederlassungsleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs Aachen/BLB), Prof. Bernhard Hoffschmidt (Leiter des Jülicher Solarinstituts) sowie Jürgen Hake vom Forschungszentrum Jülich ihr sachkundiges Urteil über das Mittelzentrum ab.

Alle vier sahen Jülich als Stadt mit Potenzial. Jürgen Drewes: „Es gibt hier einen Überschuss an Arbeitsplätzen, prozentual so hoch wie in der größeren Stadt Düren.” Das Problem bestehe darin, dass das nach außen nicht so bekannt sei. Er sprach in diesem Zusammenhang gar von Jülich als eine Art „hidden Champion”. Eine 3 bis 4 Sterne Hoteleinrichtung oder ein Projekt wie Schloss Kellenberg könnten die Stadt voranbringen, ebenso die Geschäftsstelle der Innovationsregion Aachen-Düren, die sich im Technologiezentrum ansiedeln wird.

Aber die Stadt hat noch andere Pfunde mit denen sie wuchern kann. Es gibt sehr viele kleinteilig geführte Firmen und Familienunternehmen, nicht nur Filialisten. „Das ist ein Pluspunkt für die Stadt”, so Drewes.

Auch über eine Fachhochschule verfügen nicht viele Städte in der Größenordnung von Jülich. „Das ist momentan schon zu zwei Dritteln eine richtige Campus-Uni”, so Harald Lange. Was neben den Bereichen Wohnen und Lehre jetzt noch fehle sei der Sport. „Das ist heute ein echtes Wettbewerbsmerkmal.” Der BLB steht in Verhandlungen mit der Stadt und dem örtlichen Verein Germania Lich-Steinstraß, um hier in Kooperation ein moderns Hochschulsportzentrum einzurichten. Insgesamt steht die vor kurzem runderneuerte FH glänzend da.

Lange: „Tollerweise entwickelt sich die FH exponenziell. Wir hätten allen Grund zu erweitern.” Der BLB ist aber nicht nur für die FH zuständig, sondern auch für die Grundstücke/Gebäude von Finanzamt, Amtsgericht, Studienseminar und Polizei. Eine große Gemeinschaftslösung mit mehreren Einrichtungen unter einem Dach scheint vom Tisch zu sein. Akut sei das Thema Studienseminar, mittelfristig müsse man über den Standort des Amtsgerichts nachdenken, so Lange. Was mit der Polizeistation passiert, werde sich bis zum Sommer klären.

Ein Füllhorn des Lobes schüttete Prof. Hoffschmidt über der Stadt aus: „Die Randbedingungen, um Forschung zu machen, sind in Jülich exzellent.” Ein Projekt wie den Solarturm in so kurzer Zeit umzusetzen, sei an kaum einem anderen Standort möglich gewesen. Hoffschmidt gab einige wegweisende Neuigkeiten zum Solarturm preis. Der wird nämlich höchstwahrscheinlich vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) übernommen, zudem werde das DLR in Jülich einen eigenen Standort im Technologiezentrum mit mittelfristig bis zu 30 Mitarbeitern eröffnen.

Das Forschungszentrum Jülich plane ein Gebäude am Solarturm zu errichten, der insgesamt starkt ausgebaut werden soll. „Das geht richtig voran, was wir hier betreiben”, so Hoffschmidt und verwies auf eine Tatsache. Leider wohnten nur etwa ein Drittel der Institutsmitarbeiter in Jülich und Umgebung, daran müsse die Stadt noch arbeiten. „Der Sog nach Köln und Aachen ist nicht gering.”

Anders sah das Jürgen Hake, der hervorhob, dass immerhin die Hälfte der rund 4600 Mitarbeiter des Forschungszentrums in unmittelbarer Umgebung wohnten. „Das ist eigentlich ein Kompliment für Jülich.” Aufgrund der fortschreitenden Internationalisierung sei es kaum möglich, alle Mitarbeiter langfristig an den Standort Jülich zu binden.

Für die Gastforscher, das hat das FZJ beschlossen, will es nun doch das Gästehaus an der Münchener Straße sanieren. Damit dürften sich sämtliche Pläne, dieses eventuell in eine multifunktionale Stadthalle zu integrieren, zerschlagen haben. Für einen Hotelbetrieb oder das Jugendgästehaus sah Hake keine Probleme. „Das ist kein Ko-Kriterium für andere Projekte.”

Mehr von Aachener Zeitung