Linnich: Vereinigte Schützengesellschaften prägen das Bild in Linnich

Linnich : Vereinigte Schützengesellschaften prägen das Bild in Linnich

Zur Königsparade der Linnicher Bronk, dem größten Schützenfest in der Region, herrschte wahrhaft majestätisches Treiben auf dem Kreisel und der beflaggten Rurdorfer Straße. Eine Vorparade am Krankenhaus diente den Vereinigten Schützengesellschaften gewissermaßen als Generalprobe.

Die Vorhut des großen Aufmarsches bildete das Reiterquartett der St. Sebastianer, gefolgt vom ersten der beiden Brachelener Musikcorps und zwei St. Hubertus Schützen mit Blumenhörnern in Händen, die mit roten Rosen gefüllt waren. Beim Vorbeimarsch der beiden katholischen Schützenbruderschaften St. Sebastianus und St. Hubertus fiel einmal mehr die unterschiedliche Armierung ins Auge. Die Offiziere der grünen Hubertusschützen trugen hölzerne Gewehre, die schwarzen St. Sebastianer Schwerter. Dritte Gesellschaft im Bunde ist die konfes- sionsungebunde Schützengilde mit grüner Uniformjacke und weißer Hose, die bei ihrer Gründung 1880 vielen protestantischen und jüdischen Mitgliedern die Möglichkeit bot, sich in einem Schützenverein zu organisieren.

Präsentation vor dem Rathaus: Das Königshaus der Vereinigten Schützengesellschaften nimmt mit seinen Damen vor dem Rathaus Aufstellung, während der übrige Festzug „das Gewehr präsentiert“. Foto: Jagodzinska

Die Vereinigten Schützengesellschaften feiern seit 123 Jahren gemeinsam und friedlich die Bronk. Höhepunkt des Umzuges war die Königsparade vor dem Hause Oidtmann. Würdevoll marschierte der Sebastianer Willi Kuhl als Schützenkönig der „Vereinigten“ durch die dichte Gasse der vielen Gäste auf seiner rechten und der Schützenbrüder auf seiner linken, die „das Gewehr präsentierten“. Ihm folgten seine Adjutanten Wilfried Jansen und Björn Fitting, die führenden Köpfe der „Vereinigten“ sowie die Ehrengäste, darunter die Linnicher Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker neben dem Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Rachel und kirchlichen Vertretern, etwa die evangelische Pfarrerin Wiebke Harbeck. Vom Balkon der Familie Oidtmann grüßten die Damen des Königshauses und prosteten der Menge mit einem Glas Sekt zu.

Die Menschen in Linnich feierten bei schönstem Sonnenschein, aber die Bronk hat auch eine soziale Komponente. So wurde beim morgendlichen ökumenischen Gottesdienst mit Pfarrerin Harbek von evangelischer und Pastoralreferentin Marion Lahey von katholischer Seite für Neele aus Gevenich und ihre Leidensgenossen gesammelt, die an der seltenen komplementbedingten Erkrankung „aHus“ leiden. Eine Selbsthilfegruppe klärt auf und setzt die Spendengelder unter anderem für den Bau einer Kinderdialyse in Bonn ein.

Festzug am Sonntagnachmittag

Das aktuelle „Königshaus“ der Vereinigten Schützengesellschaften Linnich stand mit seinen Damen traditionell im Mittelpunkt des Festzuges am Sonntagnachmittag im Rahmen der Linnicher Bronk. Außer den Majestätengattinnen, weiblichen Ehrengästen und Instrumentalistinnen in den Musikcorps sind bei den vier Festzügen der Bronk im Städtchen an der Rur nur Männer zu sehen. Männliche Schützen gibt es indes in Linnich genug, so erübrigt sich die Einladung von Gastbruderschaften durch die gastgebenden Vereinigten Schützengesellschaften, zudem möchte man „eigenständig bleiben“.

Die Vereinigten Schützengesellschaften „präsentierten das Gewehr“ vor dem Rathaus, während das Königshaus und die führenden Köpfe der „Vereinigten“ traditionell vor dem Rathaus in einer langen Reihe Aufstellung nahmen. Zwei prächtige, von Kaltblütern gezogene offene Kutschen fuhren vor. Die erste Drotschke bestiegen Schützenkönig Willi Kuhl mit Gattin Marlies, Linnichs Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker und Uli Chowanetz, Präsident der „Vereinigten“.

Das sind über 500 Grün- und Schwarzröcke der St. Sebastianus- und St. Hubertus-Schützengesellschaften und der Schützengilde. In der zweiten Kutsche nahmen die königlichen Adjutanten Wilfried Jansen und Björn Fitting mit ihren Gattinnen Beate und Simone Platz. Die Damen trugen das gleiche edle Dirndl in dominierendem Taubenblau, abgestimmt auf das glänzend hellgrau/weiße Dirndl der Königsgattin Marlies Kuhl.

Eine schöne Überraschung für die Majestäten und die vielen feiernden Linnicher und auswärtigen Gäste in den Straßen, auf dem Kirmesplatz und im Zelt war das Ausbleiben des sich androhenden Gewitters in Linnich. So stand dem rauschenden abendlichen Königsball nichts mehr im Wege.

(ptj)