1. Lokales
  2. Jülich

Besteht seit 25 Jahren: Verein „Solar Global“ feiert Jubiläum

Besteht seit 25 Jahren : Verein „Solar Global“ feiert Jubiläum

Zu einer Feier anlässlich des 25-jährigen Bestehens lud der gemeinnützige Verein „Solar Global “ alle Freunde und Förderer in den Jülicher Kulturbahnhof ein. Das Ziel des Vereins ist, die Lebensqualität der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern durch angepasste solarthermische Techniken zu verbessern und die Bevölkerung in Deutschland für die Probleme der armen Länder zu sensibilisieren.

In ihrer Begrüßungsrede bedankte sich die 1. Vorsitzende Anette Anthrakidis bei allen Unterstützern für ihr ehrenamtliches Engagement. Ein ganz besonderer Dank galt dem Ideengeber und Mitbegründer Prof. Dr. Klemens Schwarzer. „Sein unermüdlicher Erfindergeist voller Empathie für Menschen und immer nahe an der Praxis hat dazu beigetragen, die Lebensbedingungen von vielen Benachteiligten dauerhaft und umweltschonend zu verbessern.“

Holz, der „Brennstoff der Armen“

Untermalt von vielen Bilddokumenten stellte Klemens Schwarzer einen Erfahrungsbericht aus 25 Jahren Projektarbeit vor. 80 Prozent der Weltbevölkerung leben in den Entwicklungs- und Schwellenländern, die lediglich einen Anteil von 20 Prozent am globalen Energieverbrauch verzeichnen. In vielen Ländern ist Holz als „Brennstoff der Armen“ nach wie vor der Hauptlieferant von Energie.

Das Wachsen der Bevölkerung führt zur Übernutzung der Wälder, zum Kahlschlag, zu Bodenerosion und Wüstenbildung. Allein in Afrika besitzen 40 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zur Elektrizität. Weltweit leben Milliarden Menschen ohne sauberes Wasser und/oder Sanitäranlagen. Durch Umweltverschmutzung werden die Wasserressourcen zusätzlich vermindert.

Durch die Nutzung der Sonnenenergie bei Anwendung von angepasster Solartechnik können die primären Bedürfnisse der Menschen in diesen Ländern gesichert werden. „Solar Global“ unterstützt Solarprojekte durch den Aufbau von Solarwerkstätten, Entwicklung und Bau von Prototypen sowie die Veranstaltung von Ausbildungskursen.

Widmen ihr Engagement dem Verein: (v.l.) Christoph Müller, Prof. Dr. Klemens Schwarzer, Schwester M. Arnoldis Straßfeld und Anette Anthrakidis. Foto: Marzena Vomberg

Gefördert werden vor allem Solarkocher, solare Backöfen, Solartrockner und Solarthermie-Projekte. Zu letzteren gehören solare Luftheizungen in Hochgebirgsregionen sowie der Bau von einfachen solaren Warmwasseranlagen. Anhand zahlreicher Projekte für Schulen, Ernährungszentren oder Dorfgemeinschaften in Indien, Malawi, Burkina Faso und in den argentinischen sowie bolivianischen Anden veranschaulichte Prof. Schwarzer die erhebliche Verbesserung der Lebensqualität der dort lebenden Menschen.

„Wir betrachten die Bedarfsfelder und bringen in diese Regionen nur einfache Technik“, erklärt er. „Wir bauen keine Großkraftwerke“, bekräftigt der Erfinder des weltbekannten „Schwarzer-Kochers“.

Bei solch existenziellen Bedürfnissen wie Kochen und Heizen spiele die solare Kraft in ländlichen Bereichen eine große Rolle. Die Photovoltaik-Technik wird für die Stromproduktion angewendet und ermöglicht damit so elementare Tätigkeiten wie die Möglichkeit für die Kinder, nach Sonnenuntergang zu lernen, die Aufbewahrung von Lebensmitteln oder den Betrieb einer kleinen Werkstatt. „Es ist ein Transfer des Know-hows, nicht nur der Produkte“, erklärt Schwarzer.

Afrikanische Rhythmen

Die Geräte werden über Teilsubventionen und Kleinkredite finanziert. Die Hälfte der Kosten wird von den Menschen in kleinen Raten über Jahre abbezahlt, um in neue Projekte zu fließen.

„Diese Finanzierung muss machbar gemacht werden. Mit einer einfachen Technologie, die vor Ort verstanden wird und mit einem schnellen ökonomischen Nutzen überzeugt“, erläutert er und veranschaulicht mit folgendem Beispiel: „Wenn die Menschen mit Hilfe eines Solartrockners einen Teil ihrer Ernte haltbar machen und verkaufen können, verbessert sich ihre Situation“. Das ganze müsse im Einklang mit der Kultur der Länder erfolgen.

Ein kultureller Austausch fand auch bei der Jubiläumsfeier statt. Von Karim Camara und seiner Band wurden die Gäste zum Mittanzen bei afrikanischen Rhythmen eingeladen.

Globalisierung als Problem

Vor 25 Jahren sei es einfacher gewesen, ein Forschungsprojekt in Afrika, Indien oder Südamerika zu bekommen. Heute wird nur gefragt, wie wirtschaftlich es sei. „Und jetzt stehen die Flüchtlinge vor der Tür, weil man es jahrelang versäumt hat, in diesen Ländern etwas zu verändern“, führt er aus und „die Globalisierung ist der größte Feind der Entwicklungsländer“. In Kenia werden 83 Prozent der EU-Güter zollfrei eingeführt. „Eine Frau dort auf dem Markt kann ihr Huhn nicht mehr verkaufen, denn schon für die Hälfte ihres Preises bekommt jetzt jeder vor Ort eine Ersatzware von uns“, erläutert er.

Die Globalisierung bedeute immer nur einen freien Markt, sie schaffe keine Arbeitsplätze. „Die Menschen aus den Dörfern sind gezwungen, in die Städte auszuwandern, und diese sehen schrecklich aus“, bewertet er, „wenn ich dort leben müsste, würde ich auch zum Flüchtling. Ich würde versuchen, irgendwie nach Europa zu kommen.