Inden: Unternehmertreff Mobilität in Inden: Mit Gewohnheiten brechen

Inden : Unternehmertreff Mobilität in Inden: Mit Gewohnheiten brechen

Acht Elektroautos, darunter ein Tesla, waren neben E-Rollern und Pedelecs vor dem Indemann aufgereiht und deuteten als „Fahrzeuge der Zukunft“ bereits die Richtung im „Unternehmertreff Mobilität“ im Restaurant auf der Goltsteinkuppe.

Etliche Privatunternehmer waren der Einladung des Amtes für Entwicklung und Wirtschaftsförderung des Kreises Düren gefolgt, um sich über Gestaltungsmöglichkeiten und aktuelle Entwicklungen zu informieren. Nur wenige waren „elektrisch angereist“, hier sah Bürgermeister Jörn Langefeld schon in seinem Grußwort Handlungsbedarf.

Attraktive „Fahrzeuge der Zukunft“ vor dem Indemann deuten die Richtung im „Unternehmertreff Mobilität“. Foto: Jagodzinska

Erneuerbare Energien

Professor Christoph Hebel, geschäftsführender Direktor an der FH Aachen, thematisierte in seinem Vortrag Ausgangslage und betriebliches Mobilitätsmanagement, verbunden mit der Frage: „Was bedeutet das für meinen Betrieb?“ „Erneuerbare Energien und Mobilität hängen eng zusammen“ betonte er und nannte das Leitwort Sektorenkopplung, also die Vernetzung der Sektoren, Strom, Wärme und Verkehr. Wichtig sei auch die „Verquickung von Mobilität mit der Stadt- und Raumplanung“, Stichworte waren hier Carsharing-Plätze und Ladestruktur. Ferner motivierte er zu multimodalem Handeln, will heißen, „für verschiedene Wege auch verschiedene Fahrzeuge zu nutzen und alte Gewohnheitsstrukturen aufzubrechen“.

Hebel, der täglich mit dem Pedelec zur Arbeit fährt, riet seinen Zuhörern: „Gucken Sie mal in ihrem Betrieb nach Optimierungsmöglichkeiten“ und ermutigte zu einer Kombination von „harten und weichen Maßnahmen“. Zu ersteren zählen etwa Angebote wie die Bereitstellung von Parkflächen oder Abstellanlagen für Fahrräder, eine weiche Maßnahme sei die Erstellung eines Mobilitätsplanes. Sein wichtigster Tipp lautete: „Es gibt im Moment sehr, sehr viele Förderlinien (durch das BMVI) auch für Privatunternehmer. Fragen Sie mal nach“.

Mobilitätswochen im Kreis Düren

Benjamin Haag, Verkehrsreferent der IHK Aachen, stellte die „Mobilitätswochen für Betriebe“ des Kreises Düren vor und betonte: „Der größte Feind des Mobilitätsmanagements ist die Gewohnheit. Man soll einfach mal schauen, wie man noch zur Arbeit kommt“. Das sei die Idee hinter den Testwochen für Pedelecs und E-Autos.

„Wie gestalten die Unternehmen im Kreis Düren ihre Mobilität?“ war Thema der anschließenden angeregten Podiumsdiskussion, moderiert von Thorsten Pracht aus dem Medienhaus Aachen. Seine erste Frage richtete er an Bernd Hörchens, Director Human Resources von der Dürener Firma Z&J Technologies, weil dieser „zu den ersten gehörte, der mitmacht“. Als Motivation nannte Hörchens die „Attraktivität eines Arbeitgebers in einem Mischgebiet“ und räumte ein, „gleich zwei Fliegen mit einer Klappe“ schlagen zu wollen, nämlich das Gesundheitsmanagement, sprich Sport, und die Elektromobilität seines Betriebes. Er hat mit seinen „begeisterten Mitarbeitern“ einen Maßnahmenkatalog erarbeitet.

Fragen an die EnergieAgentur NRW, das unabhängige Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz, beantwortete Lars Schulze-Beusingsen. Interessant war die Frage nach E-Mobilität im Schwerlastbereich, in dem ein stetiges Wachstum zu verzeichnen ist: „Wir werden auf flüssige Kraftstoffe aufbauen können, die es jetzt noch nicht kommerziell gibt“, sagte Schulze-Beusingsen. In Hinblick auf die Klimaziele setze er auf „niederschwelligere, effizientere Angebote“, weil Ver- und Gebote in der Akzeptanz nicht zuträglich seien. Benjamin Haags Credo lautet: „Der größte Freund der Unternehmer sind mobile Daten, der größte Feind die Gewohnheit“. Richte man also einen Bus mit mobilem WLAN aus, „arbeiten die Leute schon auf dem Weg zur Arbeit“.

Als weiterer Vorreiter in Sachen nachhaltige Verkehrsmittelwahl entpuppte sich Walter Peters aus dem Publikum, Geschäftsführer von „Tulip training“ in Linnich. Er fahre durch E-Mobilität überschüssigen Strom aus seiner Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ab, besitze eine Bahncard und baue zwei E-Ladestationen für Geschäftspartner.

Alternative zu Benzin

Eine Alternative zum Benzinfahrzeug im Lastenverkehr könnte laut Hebel auch ein Erdgas-Pkw sein. Ferner werde Mercedes bald einen Elektro-Sprinter auf den Markt bringen. „In der Vergangenheit ist sehr viel verschleppt worden, aber jetzt kommt in den Markt eine Dynamik rein. Die Nachfrage wird wachsen und damit auch das Angebot“, fügte er hinzu. Im Hinblick auf die Entsorgung der Elektro-Batterien, die Lithium, Kobalt und Graphit enthalten, versprach Hebel: „Die gesamte Energie wird intelligenter werden. Wir müssen Energie speichern. Erneuerbare Energien sind das Rückgrat der Zukunft.“

Annette Winkler, Wirtschaftsförderin im Kreis Düren, lobte abschließend die erkenntnisreiche Diskussion, bevor sie zum Probefahren einiger Elektromobile einlud.

(ptj)