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Unternehmer Heinz-August Schüssler aus Jülich gestorben

Nachruf auf Heinz-August Schüssler : Heimatverbundener Jülicher Unternehmer gestorben

Verändern und gestalten: Das gehörte zur Wesensart von Heinz-August Schüssler. Der Jülicher Unternehmer ist am Sonntag nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben.

Der Jülicher Unternehmer Heinz-August Schüssler ist am Sonntag, 18. September, nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben. Seine Schaffenskraft hatte Schüssler weit über die Stadtgrenzen hinausgeführt. Der Diplom-Ingenieur, der mit 29 Jahren nach dem Tod des Firmengründers Hans Lamers die Geschäftsführung des gleichnamigen Bauunternehmens übernommen hatte, prägte nicht nur durch Bauwerke, sondern gestaltete auch die wirtschaftlichen Diskussionen mit: unter anderem in den Industrieverbänden (Jülich und Düren), der IHK (Vizepräsident) und der Wirtschaftsvereinigung Bauindustrie NRW.

Der ehemalige IHK-Präsident Bert Wirtz nannte Heinz-August Schüssler einst einen „Vollblutunternehmer“, der die Kammer bei vielen großen und kleinen Projekten „als kritischer Helfer mit Herz und Verstand“ unterstützt habe. Schüssler, der zu den wohlhabendsten Menschen in Jülich gehört haben dürfte, gehörte zur bodenständigen Spezies Unternehmer, die früher aus freien Stücken Wohnungen für Arbeiter bauen ließ.

Visionen zu haben und sie auch in Angriff zu nehmen, war ein großes Anliegen des Unternehmers. Das galt insbesondere für seine Heimatstadt Jülich, der er sich stets verbunden und sich im besten Sinne verpflichtet fühlte. Das Bauwesen wurde ihm von seinem Großvater in die Wiege gelegt. 1965 wurde Schüssler Geschäftsführer der Rheinbau GmbH Jülich und 1966 Kopf des Bauunternehmens Hans Lamers, die er im Dreieck Aachen-Köln-Düsseldorf etablierte. Er gehörte 1989 zu den „Vätern“ des Technologiezentrums Jülich. Lamers beteiligte sich als Gesellschafter, und Heinz-August Schüssler wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Er war auch ein Liebhaber von Kunst, Musik und Theater und erkannte früh, dass es eine engere Verzahnung zwischen Stadt und Forschungszentrum Jülich geben müsse. Der von ihm mitgegründete Förderverein Museum Zitadelle vergibt also nicht zufällig den Minervapreis an Persönlichkeiten, die die Grenzen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur überschreiten. Hinzu kam die Unterstützung von Schulprojekten, der Gesellschaft gegen das Vergessen, des Science Colleges sowie vieler Vereine, Initiativen und Bedürftigen über die von ihm gegründete Hans-Lamers-Stiftung. Daneben hielt Heinz-August Schüssler ab 1998 an der Ruhr-Universität Bochum Vorlesungen.

Sein Engagement wurde ausgezeichnet: 1994 erhielt Schüssler den Ehrenring des bauindustriellen Landesverbandes, 2005 das Bundesverdienstkreuz. Zuletzt ehrte seine Heimatstadt ihn 2013 mit dem Ehrenring der Stadt Jülich. Außerdem wurde er als Förderer 2014 mit der Joseph-Kuhl-Medaille ausgezeichnet. Dabei lag ihm fern, sich mit diesen Verdiensten zu schmücken. Privat galt Heinz-August Schüssler als humorvoll und zugewandt. Er war nicht nur ausgesprochen belesen und geistig stets in Bewegung: Sportlichen Ausgleich fand er viele Jahre als Medenspieler für die Tennisvereinigung Blau-Weiß und später auf dem Golfplatz.

Eine Kraftquelle war ihm stets seine Familie und hier vor allem seine Frau Margrit, die seit fast 60 Jahren alle Wege mit ihm gemeinsam ging. Was Heinz-August Schüssler immer wichtig war: den Kompass nicht aus dem Blick zu verlieren, nach dem er sein Leben ausgerichtet hatte.

(red)