Jülich: Und wieder stapeln sich die Säcke für den guten Zweck

Jülich: Und wieder stapeln sich die Säcke für den guten Zweck

„Es läuft gut. Die ersten Säcke lagen schon da, als wir aufgeschlossen haben.“ So beurteilte der evangelische Pfarrer Horst Grothe die Hilfsbereitschaft in Bezug auf die jährliche Bethel-Sammlung am ersten der drei Sammeltage.

Küster Roger Kruse bestätigte den gelungenen Start, betrachtet das zu erwartende Gesamtergebnis aber skeptischer: „Die Sammlung ist noch nicht zu Ende. Es wird wahrscheinlich wegen der Flüchtlinge weniger.“

Seit mehr als 35 Jahren beteiligt sich die Evangelische Gemeinde Jülich an der sogenannten „Brockensammlung“, die auf das Johannesevangelium (6,12) Bezug nimmt: „Sammelt die übrigen Brocken, auf dass nichts umkomme“, dazu ruft der Apostel auf.

In wechselnden Zeitabständen fahren Autos vor, halten am Seiteneingang des Gotteshauses in der Schirmerstraße und entladen etliche, zumeist blaue Säcke. Sie enthalten gut erhaltene Kleidung und Wäsche, gebündelte Schuhe, Handtaschen, Plüschtiere und Federbetten. Hinzu kommen mit Briefmarken gefüllte Zigarrenkisten. Der Verkauf gespendeter Briefmarken ist eine besondere Bestätigung der Arbeit, die von Menschen mit Behinderungen in Bethel geleistet wird. Bedauerlicherweise ist die Briefmarkenspende aber stark rückläufig.

Für die Befüllung der Säcke wurde oft zuvor in der eigenen Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis gesammelt. Wer nicht nicht mobil ist, kann den Abholservice der evangelischen Gemeinde in Jülich und Aldenhoven in Anspruch nehmen.

Die evangelische Gemeinde Jülich ist eine von bundesweit rund 4500 an der Sammlung beteiligten Kirchengemeinden. Jedes Jahr summieren sich dabei rund 10.000 Tonnen Bekleidung, Textilien und Schuhe. Die letzte Gewichtsangabe, die Gemeindesekretärin Sonja Jenker einem Dankesschreiben von Pastor Ulrich Pohl von der „Bodelschwinghschen Stiftung“ Bethel entnimmt, stammt aus dem Jahr 2012. Da wurden in Jülich rund 8100 Kilogramm Kleidung gesammelt und einer sinnvolle Weiterverwertung zugeführt.

In Kirchengemeinden und Sammelstellen abgeholt, werden die Säcke an Fachsortierbetriebe verkauft und dort nach den Kriterien des Dachverbandes FairWertung sortiert.

In den Bodelschwinghschen Stiftungen in Bethel werden Kleiderspenden und Postpakete sortiert, die direkt dort ankommen. Dann gelangen sie in die stiftungseigenen Secondhandläden „Brosa Shop“, „Fundgrube“ oder „Pangilo“ (Kisuaheli für „gerechte Verteilung“), wo sie zu erschwinglichen Preisen verkauft werden. Bedarfsgerecht wird kostenlose Kleidung auch an Bedürftige weitergegeben und Partnerorganisationen für Hilfsprojekte in Osteuropa zur Verfügung gestellt.

Nicht alle Käufer sind aber bedürftig. Auch aus ökologischen Gründen wird gerne gebrauchte Kleidung gekauft, manche Menschen mögen auch den Retro-Look.

Die Sammlung läuft noch am 14. Oktober von 9 bis 18 Uhr.

(ptj)