Jülich: Umjubelte „Cyrano“-Aufführung in Jülich

Jülich : Umjubelte „Cyrano“-Aufführung in Jülich

„Sag, warum spannen wir zwei, um sie zu entflammen, dann deinen Mund und meine Worte nicht zusammen? Für einen Dichter eine lockende Erfahrung! Ergänzt du mich, ergänz ich dich in dieser Paarung!“ Diese Textzeilen aus dem Schauspiel „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostant umfassen sinngebend die Intention des Stückes, das nun im Rahmen der städtischen Theaterreihe in der Jülicher Stadthalle aufgeführt wurde.

Die Uraufführung des Stückes fand 1897 in Paris statt, doch bis heute hat die Thematik des Schauspiels nichts an Reiz verloren. Interessant war auch die Rahmenhandlung, die das von alter, gereimter Sprache geprägte Stück, umgab. Ein junges Ensemble des Grenzlandtheaters Aachen bereitete die Aufführung vor und begegnete den Zuschauern vor Beginn als muntere Schauspieltruppe, die erst später in ihre Rollen schlüpfte. Am Ende legten sie wieder Kostüme und Maske ab, so dass die Zuschauer sogar noch Thomas Ziesch ohne „Nase“ erleben konnten.

Die Handlung erzählt von der hoffnungslosen Liebe Cyranos zu Roxana, die sich in einen anderen verliebt hat. Cyrano, ein begnadeter Dichter und Meister des Wortes liebt Roxane schon lange, glaubt sich jedoch chancenlos, da sein Gesicht von einer überaus großen Nase entstellt ist. Der junge Verehrer von Roxane, Christian de Neuvilette, ist ein schöner Mann, der aber nicht gerade als wortgewandt und poesievoll bezeichnet werden kann.

Selbstlos will Cyrano der jungen Liebe nicht im Wege stehen und verbündet sich mit Christian. Seine Dichtkunst und Poesie und die Schönheit Christians Gestalt verschmelzen für Roxane zu einer Person, die sie liebt. „Auf seinen Lippen küsst sie meine Worte“ ist das doch bittere Resümee, das Cyrano zieht. Erst viel zu spät wird Roxane klar, wer der Verfasser der vielen Briefe und der schönen Worte war und wen sie wirklich liebte.

Das geniale Bühnenbild ermöglichte dank der Vielseitigkeit der vorhandenen Elemente eine flexible Gestaltung des Szenenbildes. Die historischen Kostüme unterstrichen optisch die unterschiedlichen Charaktere des Spiels und boten mit den dunkelroten Vorhängen als gestalterischem Element ein opulentes Gesamtbild. Kleinste Details arbeitete der Regisseur in seiner Inszenierung liebevoll heraus, die Figuren zeichnete er detailliert und mit viel Humor.

Die Rollen waren perfekt besetzt. Thomas Ziesch verkörperte die Gestalt des Cyrano überzeugend. Nicht nur als Mann der Worte glänzte er ebenso bei gewagten Degenkämpfen, die er mit seinen Mitstreitern in atemberaubendem Tempo über die Bühne brachte. Bewundernswert auch seine Textsicherheit bei dem gewaltigen Rollenpensum, aber auch seine schauspielerische Wandlungsfähigkeit vom wagemutigen Degenkämpfer zum feinsinnigen Liebenden. Jan Stapelfeldt spielte den schönen, aber leider nicht mit großem Intellekt gesegneten Christian überzeugend. Als Roxane entwickelte Birthe Gerken die Rolle der feinsinnigen Adeligen zur mutigen Liebenden mit großem Liebreiz und natürlicher Ausstrahlung.

Ein spielfreudiges, quirliges Ensemble rundete das Spiel und sorgte auch für durch aus komische Momente. So wagte Chris Max Nachtigall als Valvert den Zweikampf mit Cyrano und verlor dabei schmählich Ehre und Hosen. Das rasante Tempo des Spiels, die Spielfreude der Schauspieler, die opulente Ausstattung der Kostüme und die amüsante, aber auch tiefgründige Handlung machten den Reiz dieses Theaterabends aus. Die Zuschauer gaben ihrer großen Begeisterung mit langanhaltendem Applaus und lautem Jubel Ausdruck.

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