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Herzogenrath/Jülich: Über Generationen im Dienst der Gesundheit

Herzogenrath/Jülich : Über Generationen im Dienst der Gesundheit

Für den ärztlichen Dienst am Menschen scheint seine Familie prädestiniert zu sein: Für neun aufeinander folgende Generationen hat Dr. Dieter Welty medizinische Berufe nachgewiesen.

Er selbst war 32 Jahre Sportmediziner in Kohlscheid, dort, wo zuvor sein Vater Franz 42 Jahre als niedergelassener Arzt gewirkt hatte. Sein Bruder Dr. Franz Josef Welty hat 32 Jahre eine Praxis an der Paulusstraße betrieben. Schwester Ingrid Welty ist Säuglingsschwester. Und auch Dieter Weltys Sohn Georg ist Arzt.

Die medizinische Familiengeschichte reicht mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurück. Dieter Weltys aus dem Breisgau eingewanderte Vorfahren waren in Jülich als Feldscherer tätig. Das sind Barbiere, die beim Militär das Friseurhandwerk ausübten und nebenher die chirurgische Wundversorgung.

„Die Familiengeschichte Welty-Weltin - Eine Familie und ihre Mediziner in der Geschichte des Jülicher und Breisgauer Landes” hat Dieter Welty seine Betrachtungen betitelt, die im Shaker Verlag erschienen sind (ISBN 978-3-8322-5869-6). Der Autor schildert auch die Möglichkeiten, an Informationen über die eigenen Vorfahren zu kommen und ist beeindruckt, wie die Welt, in der seine Altvorderen lebten, auch für ihn lebendig wurde.

„Ich hatte immer vor, Teile des Testaments von 1858 des Dr. Anton Welty aus Jülich zu veröffentlichen, in dem er sich ärgerte, dass immer mehr junge Kollegen mit neuen Methoden seine Einkünfte schmälerten”, erzählt Dieter Welty. Letztlich sei aus den vielen Dokumenten eine Familiengeschichte entstanden.

Drei Kategorien

Für den Außenstehenden ist die Passage über Mediziner, Feldscherer und Bader interessant, aus Zeiten als es im Umgang mit schmerzgeplagten Patienten nicht immer zimperlich zuging. So gab es drei Kategorien an Medizinern: Doktoren der Medizin (Medici, Physici), die zwar zur Ausübung der Heilkunde berechtigt waren, für chirurgische Eingriffe in manchen Staaten allerdings Prüfungen ablegen mussten.

Die zweite Gruppe, die Medicini practici, Mediochirurgen oder Chirurgen erster Klasse, waren für innere und äußere Heilkunde ausgebildet. Die dritte Gruppe, die Wundärzte, Chirurgen zweiter Klasse, durften nur bestimmte Krankheiten behandeln.

Von der Aufgabe, beim Militär Haare und Bärte zu scheren, wurden sie erst Mitte des 18. Jahrhunderts befreit. Dieter Weltys Werk ist für die vielen Patienten der Familie sicher ebenso interessant wie für Medizinhistoriker.