Jülich: Über den richtigen Umgang mit traumatisierten Menschen

Jülich: Über den richtigen Umgang mit traumatisierten Menschen

Wie gehe ich mit traumatisierten Menschen um? Bürgerkrieg, Verlust von nahen Angehörigen oder lebensbedrohliche Ereignisse können Spuren hinterlassen. Die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ Jülich hat sich diesem Thema gewidmet.

In Workshops informieren die Mitarbeiterinnen über den Umgang mit traumatisierten Menschen.

Zunächst: Nicht jedes schlimme Ereignis führt zu einer Traumatisierung. Traumata entstehen, wenn Menschen einer belastenden Situation ohnmächtig ausgesetzt sind, wenn weder Kampf noch Flucht möglich sind. Maria Brenner, Diplom-Sozialarbeiterin in der Beratungsstelle, beschreibt den Zustand mit einer inneren Erstarrung.

„Alle Eindrücke wie Geruch, Gefühle, Tat zersplittern in der Erinnerung.“ Vergleichbar mit einer Vase, die fallen gelassen wird. „Aus diesen Splittern entstehen die Situationen der Traumastörung.“ Reize, die entfernt mit dem Erlebnis zu tun haben, haben ein Wiedererleben der Situation zur Folge.

Traumatisierte Menschen befinden sich häufig in einem hohen Erregungszustand, sind ständig in Alarmbereitschaft, empfinden Ohnmacht. Auch Schlafstörungen seien typisch. Oft spüren sie sich selbst nicht mehr, haben keinen Kontakt zu ihrem Körper, erzählen die drastischsten Dinge ohne Betroffenheit, berichten über schlimme Geschehnisse mit einem Lächeln. Der Traumatisierte dissoziiert, er spaltet das Erlebte ab; eine Art Überlebensstrategie des Körpers.

Ruhe und ein unterstützendes Umfeld helfen in der Bewältigung, sagen Ahrens und Brenner. Erfährt der traumatisierte Mensch Sicherheit, erkennt, dass sich die Situation nicht wiederholen wird, kann das Trauma heilen. Brenner hält in diesem Zusammenhang die Unterbringung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften für schwierig: „Zu fünft in einem Raum mit Menschen, die man nicht kennt — das ist Gift für traumatisierte Menschen“.

Eine Grundregel für alle, die nicht professionell mit Traumatisierten zu tun haben, lautet: Selbstvorsorge ernst nehmen! Werden dem Helfer Erzählungen über Flucht- oder Gewalterfahrungen zu viel, darf oder sollte er das Gespräch auf höfliche Art stoppen. Fehle ihm die innere Distanz, bestehe die Gefahr der sogenannten sekundären Traumatisierung.

Ebenfalls wichtig: Reagiert der Flüchtling reserviert auf Fragen, sollte der Helfer nicht nachhaken oder in die Tiefe gehen. Ablenkung, gemeinsame Aktivitäten, die Helfer und Flüchtling Spaß machen, setzen positive Energien frei. Diese unterstützen den Heilungsprozess. Menschen, die sich auf eine Flucht begeben, bringen oft viele Kompetenzen mit. Hier kann der Ehrenamtler ansetzen.

Das Thema Trauma steht auch im Jahresbericht 2015 der Frauenberatungsstelle im Vordergrund. Wer Interesse an der Informationsbroschüre oder einem Workshop hat, kann sich direkt an „Frauen helfen Frauen“ Jülich unter der Telefon 02461/58282 wenden.

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