1. Lokales
  2. Jülich

Nähen für den guten Zweck: Über 1000 Behelfsmasken in Jülicher Haushalten entstanden

Nähen für den guten Zweck : Über 1000 Behelfsmasken in Jülicher Haushalten entstanden

Über Facebook haben sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Menschen vernetzt, die nach dem Essener Modell Masken herstellen. Die Näherinnen waren in Jülich fleißig und haben schon eine ganze Menge produziert. Die Masken sind mittlerweile auch für Privatleute erhältlich.

Sandra Stein und Susanne Bergrath freuen sich riesig. Seit sie vor etwa drei Wochen die Initiative starteten, ist viel passiert. Sandra Stein aus Merzenhausen und die Jülicherin Susanne Bergrath haben Ende März die Facebookgruppe „Nähen für den guten Zweck Jülich“ gegründet, in der sich derzeit rund 25 Menschen engagieren, die ehrenamtlich Behelfsmasken für Arztpraxen, Physiotherapeuten, Kranken- und Pflegeeinrichtungen, Hebammen sowie Privatpersonen herstellen – mittlerweile bereits mehr als 1000 Stück.

„Angefangen hat alles mit einer Anfrage der St. Joseph Klinik Düsseldorf“, erinnert sich Sandra Stein. Die Klinik benötigte zur Bewältigung ihrer Aufgaben in der Corona-Krise Behelfsmasken. Hinzu kamen Anfragen eines Dialysezentrums in Kaarst und einer weiteren Einrichtung in Geldern. Die Aufgabe war klar: So schnell wie möglich jede Menge Masken nach Essener Modell nähen und an die Einrichtungen versenden.

Für einen allein ist das eine Mammutaufgabe, die wohl kaum zu stemmen ist. Also kam der Merzenhausenerin die Idee, in der Facebookgruppe „Corona-Hilfe-Jülich“ einfach mal anzufragen, ob sich jemand an der Aktion beteiligen möchte. Aus dem Administratorenkreis stellte sich Susanne Bergrath sofort zur Verfügung, und gemeinsam kümmern sich die zwei Frauen seither um die Organisation.

„Das ist eine ganz schöne Arbeit und eine aufwändige logistische Herausforderung“, berichtet Susanne Stein. Denn neben dem Rekrutieren von Freiwilligen, die die Masken nähen, gibt es zahlreiche weitere Aufgaben „Wir müssen alles koordinieren, damit alle Näherinnen und Näher mit genügend Material versorgt sind. Die Masken müssen abgeholt und an die jeweiligen Praxen geliefert werden.“ Das sei besonders schwierig, da sich die Teilnehmer der Aktion alle nicht persönlich kennen. „Alles wird ohne persönlichen Kontakt über die sozialen Netzwerke organisiert.“

Ende März erfolgte der erste Aufruf an Näherinnen und Näher in den Gruppen „Corona-Hilfe-Jülich“ und „Wir sind Jülich“. Schnell hatten sich Freiwillige gefunden, die die Aufgabe gemeinsam in Angriff nahmen. Zügig wurden die Masken für Düsseldorf, Kaarst und Geldern gefertigt. Es folgten Anfragen des Altenzentrums St. Hildegard in Jülich und weiterer medizinischer Einrichtungen.

„Auch der Gesundheitsverband Jülicher Land und die Stadt Jülich sind auf unsere Aktion aufmerksam geworden und unterstützen unser Projekt. Der Gesundheitsverband hat alle niedergelassenen Ärzte und Physiotherapeuten im Jülicher Land angeschrieben und sie über unsere Aktion informiert“, freuen sich die Organisatorinnen. Auch die daraus resultierenden Anfragen hat die Gruppe bereits bearbeitet, so dass die von den Nähenden gefertigten „Feel-Good-Masken“ nun auch kostenlos oder gegen eine freiwillige Spende zum Materialkauf an Privatleute abgegeben werden.

„All unsere Gruppenmitglieder leisten jeden Tag großartige Arbeit, sie waschen, bügeln, schneiden zu, nähen, waschen erneut, bügeln erneut, verpacken, fahren Material oder fertige Masken zum nächsten Arbeitskreis und verschicken die Masken“, berichtet Susanne Bergrath. Die Masken seien zwar kein Selbstschutz vor Corona, dennoch verhinderten sie die externe Tröpfchenübertragung über Mund und Nase. Alle Masken könnten mehrfach verwendet, bei 95 Grad gewaschen und zur Sterilisation gebügelt werden.

Erhältlich sind die Masken in der Praxis Dr. Yihune, Kreisbahnstraße 35, in Koslar, montags und donnerstags, 13 bis 15 Uhr, nach Absprachen unter Tel. 02461/2774, beim Physioteam Rückenzentrum Neumann/Jansen, Poststraße 3, in Jülich, montags, mittwochs und freitags, von 9 bis 12 Uhr und bei Physio Titz, Bungstraße 7, nach Absprache unter Tel. 02463/993727. Das Physioteam Hufmann, Antoniusstraße 21, in Jülich gibt die Masken kostenlos an seine Patienten ab.