Linnich/Siersdorf: Training unter schwerem Feuerwehrmantel und Atemschutz

Linnich/Siersdorf: Training unter schwerem Feuerwehrmantel und Atemschutz

Dana Tews (27) und Leonie Etzel (20) gehören einer sehr seltenen Spezies an. Das hat zum Teil damit zu tun, dass die beiden jungen Frauen mit viel Leidenschaft in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind. Das ist aber nur ein Teil der Geschichte und reicht nicht, um zu erklären, warum die beiden häufiger verwunderte Blicke auf sich ziehen.

„Einige fragen sich bestimmt, ob wir noch alle Tassen im Schrank haben“, sagt Tews, die in Siersdorf lebt und da auch der Löschgruppe angehört. Das passiere meistens, wenn die zwei Feuerwehrfrauen ihr Lauftraining absolvieren. Nicht im T-Shirt und kurzen Hosen, sondern mit schwerem Feuerwehrmantel und unter Atemschutz. „Das hilft ja nichts. Wie sollen wir denn sonst trainieren“, fragt Etzel, die der Löschgruppe in ihrer Heimatstadt Linnich angehört.

Trainieren müssen die beiden, weil sie einer höchst seltenen Unterart des Ausdauersports frönen. Sie nehmen an Treppenläufen teil. Menschen sprinten durch die Treppenhäuser in hohen Gebäuden nach oben. Tews und Etzel machen das in voller Feueruniform und unter Atemschutz. Extremsport hoch drei also. „Die Ausrüstung wiegt 15 Kilogramm. Und innen drin ist Sauna“, schildert Tews die zusätzliche Herausforderung. „Aber wir machen das ja freiwillig.“

Einstieg in die Werksfeuerwehr

Beispielsweise beim Essener Treppenlauf am vorvergangenen Wochenende. Da sind 102 Menschen auf Zeit 269 Stufen in 13 Etagen nach oben gelaufen. Darunter sechs Feuerwehrfrauen, auch Dana Tews und Leonie Etzel. Angefangen hat die Feuerwehr-Leidenschaft der beiden jungen Frauen mit dem Beginn ihrer Ausbildung bei SIG Combibloc in Linnich.

Beide sind in die Werksfeuerwehr eingetreten. „Und seitdem haben wir alles an Lehrgängen abgerissen, was möglich war“, berichtet Tews. Gerade macht sie eine ABC-Fortbildung, lernt also, was zu tun ist, wenn atomar, biologisch oder chemisch belastete Gefahrenstoffe einen Einsatz erschweren. Das Thema Atemschutz hat die beiden Freundinnen irgendwie nicht mehr losgelassen. Irgendwann haben sie angefangen, damit zu laufen.

Und als sie Bilder davon ins Internet gestellt haben, kam der Kontakt zum Firefighter Team Phoenix zustande. Das ist ein loser Zusammenschluss von mittlerweile 46 Feuerwehrleuten aus Deutschland, die an Ausdauersportveranstaltungen teilnehmen.

Ziel ist es dabei weniger, sich selbst zu quälen und zu beweisen, wie stark man ist. „Es geht darum, dass wir Aufmerksamkeit für das Ehrenamt Feuerwehr erregen. Es wäre schön, wenn sich noch ein paar Mädels mehr finden würden“, sagt Etzel. Die Aufmerksamkeit ist ihnen gewiss. Nicht nur, wenn sie unter Atemschutz den Ruruferradweg entlanglaufen. „Der Einsatz bei der Feuerwehr gibt einem so viel zurück. Zwar ist die Feuerwehrfamilie groß. Aber trotzdem kennt jeder jeden, und jeder hilft jedem“, formuliert es Tews.

Ziel zwei: Das Team Phoenix läuft für zwei gute Zwecke. Sie sammeln für brandverletzte Kinder und für die Initiative „Laufen gegen den Krebs“. Auch hier sind Feuerwehrleute unter Atemschutz unterwegs, allerdings überwiegend bei Volksläufen. Für Tews und Etzel geht es steil nach oben. Die nächste Herausforderung wartet Anfang August.

Trainieren, trainieren, trainieren

Da geht es 39 Stockwerke nach oben, dreimal so viel wie zuletzt in Essen. „Da hilft nur trainieren, trainieren, trainieren. Und dann ist es eine Frage des Willens“, erklärt Tews, die aber auch klar macht, dass es nicht das unbedingte Ziel sei, alle Etagen laufend unter Atemschutz zu schaffen. Das Gewicht der Ausrüstung und der Hitzestau darunter wiegen schwer. „Andererseits weißt du zu schätzen, wie sehr dich diese Ausrüstung schützt, wenn du mitten in einem 500 Grad heißen Zimmerbrand stehst“, sagen die Feuerwehrfrauen.

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