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Jülich: Tolle Jonglagen und gewagter Balance-Akt

Jülich : Tolle Jonglagen und gewagter Balance-Akt

Mit einer perfekten Mischung aus Komik, Artistik und Clownerie gewann Dr. Stefan Schneider im Kulturbahnhof die Sparte „Varieté” des vierten Kleinkunst-Festivals „Westspitzen”.

Er tritt am Samstag, 27. November, ab 19.30 Uhr in der von Thomas Bug moderierten Abschlussgala in der Stadthalle Alsdorf um den mit 3500 Euro dotierten Hauptpreis des Wettbewerbs an. Einen Sonderpreis über 1500 Euro loben zusätzlich die Stadtwerke Jülich aus.

Aus den Sparten A Cappella, Comedy, Chanson, Musikkabarett und Kabarett wurde seit Anfang des Monats bei Vorentscheidungen in fünf weiteren Städten die übrigen Finalisten gewählt.

Sport und Theologie

Schneider überzeugte bereits zu Beginn seiner Show mit einer Atem beraubenden Ball-Jonglage und bewies, dass er den Diabolo teuflisch gut beherrscht.

Das begeisterte Publikum dankte mit stürmischem Szenenapplaus. Seine nicht enden wollenden Bandwurm-Wörter und -Sätze sowie die „Arithmetik der Weihnachtsgeschenke” gehörten zu den weiteren Highlights.

Der Spartensieger studierte einst Sport und Theologie. Er promovierte mit einer arbeit über „Sensomotorische Ausnahmephänomene schwereloser Astronauten”.

„Vor 15 Jahren entdeckte ich, das man mit fliegenden Gegenständen seine Umwelt viel besser nerven kann als mit ohne”, gestand der Künstler. Der Balance-Akt auf einem Einrad mit Zuschauerin Nicole Krumbach - einem Jury-Mitglied! - war kaum noch zu toppen.

Eine Mischung aus Tanz, Jonglage, Comedy und Kleinkunst präsentierten Lutz Langhoff und Sebastian Röhl. Wie aus dem Nichts ließ Langhoff beispielsweise eine Bowlingkugel aus einem Zeichenblock fallen.

Röhl sorgte mit 4- bis 16-saitigen Instrumenten bei klassischen Keulen und Fackel-Jonglagen für den richtigen Ton. Für das „Märchen” Ritter Kunibert” requirierte er flugs zwei Damen aus dem Publikum.

Pit Hartling alias „Heinz”, der Titan der Kartenkunst und selbsternannter Partylöwe, Charmeur, Kavalier und Hengst, strapazierte allein durch Kleidung und Gestik die Lachmuskeln. Schließlich ist er nur echt mit Konfirmationsschleife und Brille. Mittels Tarotkarten trat er mit einem Medium aus dem Publikum in Kontakt.

„Tap & bass” alias Thomas Marek und Kurt Holzkämper bestachen mit einem Stepptanz-Jazz-Zwiegespräch vom Feinsten. Energiebündel Marek beeindruckte mit fein differenzierter Dynamik in der Lautstärke seiner Tanzschritte zu Holzkämpers spektrenreichen Bass-Klangwelten.

Die Jury, bestehend aus Manfred Bausch (Regio Aachen), Robert Dickmann (Stadtwerke Jülich), Sigrid Kerinnis (Kulturbüro Würselen), Nicole Krumbach (WDR Studio Aachen) und Karl Stüber (Redaktionsleiter Jülicher Zeitung/Jülicher Nachrichten) entschied zu einem Drittel, das Publikum zu zwei Dritteln über den Spartensieger, der von Marianne Lohmer (Gesellschaft für Kultur und Marketing) und Robert Dickmann ausgezeichnet wurde. Präsentiert wird das Festival von „regiostrom”.

Moderator Franco Melis machte seine Sache ausgezeichnet und gab quasi eine eigene Comedy-Darbietung zum Besten. Mit seiner unnachahmlichen Art hätte er in der Sparte „Moderation” sicherlich die Nase vorn gehabt.