Töchter des Jülicher Landes: Schauspielerin Elke Winkens im Interview

Schauspielerin Elke Winkens im Interview : Ein Auftritt in Linnich wäre was für mich!

Elke Winkens gehört zu den vielseitigsten Bühnen- und Filmkünstlerinnen Deutschlands. 1970 in Linnich als Tochter einer Niederländerin und eines Deutschen geboren, wurde sie dem breiten Fernsehpublikum als Ermittlerin Niki Herzog gemeinsam mit „Kommissar Rex“ bekannt.

In der Rolle der intriganten Xenia Saalfeld trieb sie bis März 2019 ihr Unwesen in der ARD-Erfolgstelenovela „Sturm der Liebe“. Mehrere Kinoproduktionen, in denen Winkens charakterstarke Frauen spielte, stellten sowohl ihr komödiantisches als auch dramatisches Schauspieltalent unter Beweis. In ihrer Wahlheimat Österreich wurde sie zunächst für Fernsehmoderationen und in den letzten Jahren für ihre Kabarett-Bühnenprogramme beliebt.

Fast jedes kleine Mädchen träumt davon, eine berühmte Schauspielerin, ein berühmter Star zu werden. War das auch Ihre erste Wahl?

Elke Winkens: Es gab für mich nie einen anderen Berufswunsch. Meine Mutter war Tänzerin und konnte sehr gut singen. Meinen ersten Ballettunterricht bekam ich mit sechs Jahren, mit acht stand ich auf einer Karnevalsbühne als Tanzmariechen. Heute gibt es aber keine Stars mehr, weil durch die Sozialen Netzwerke jeder irgendwie ein Star ist.

Sie sind nicht die erste Rheinländerin, die eine künstlerische Karriere in Wien bestreitet. Welche persönlichen Umstände haben Sie dazu bewogen, ihren Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen?

Winkens: Mit 18 Jahren ging ich nach London und absolvierte eine Musical-Ausbildung. Die Musical School des Theaters Wien galt jedoch damals als die beste. Dort wollte ich nur ein Jahr bleiben und 28 sind es bis heute geworden. Während der Arbeiten für „Sturm der Liebe“ zog ich für anderthalb Jahre nach München und hatte Heimweh.

Sie sind in Ihrer Kindheit sehr oft umgezogen. Aufgrund des Berufs Ihres Vaters lebten Sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien, den Niederlanden und in vielen afrikanischen Ländern. Inwiefern hat Sie das geprägt?

Winkens: Ich habe es gehasst, denn ich bin eine absolute Heimkröte. Damals hatten meine Schulbücher noch keine Eselsohren und wir sind schon wieder umgezogen. Es ist auch heute wie verhext. Ich würde am liebsten lebenslang an einem Platz bleiben und bin stattdessen ständig auf Achse, beruflich und privat. Auch in Wien, wo wahrscheinlich nur Beethoven öfter umgezogen ist als ich.

„Huren, Leichen oder beides“, so beschrieben Sie einmal Ihre ersten Filmauftritte. Einige Jahre später kamen die Hauptrollen. Wie schafften sie den Durchbruch?

Winkens: Es ist sehr schwer, in dieses Geschäft hineinzukommen. Der Erfolg ist eine Mischung aus Können und „zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein“. Vor allem muss man es zu tausend Prozent wollen. Am Anfang darf man sich für keine Rolle zu schade sein. Ich dachte, dass ich über die Leichen- und Hurenrollen irgendwann weiterkomme. Ich war fleißig, habe mich weiterentwickelt und dann kamen die besseren Angebote. Ich besuche auch heute noch Schauspielseminare und arbeite mit einem Schauspieltrainer zusammen.

Auf der Leinwand und auf der Bühne schlüpfen Sie mal in düstere, mal in komödiantische Rollen. Doch wer ist Elke Winkens?

Winkens: Wenn ich das wüsste… Grundsätzlich bin ich eine Frohnatur. Ich bin ein zufriedener Mensch, obwohl ich in meinem Leben Schicksalsschläge verarbeiten musste, die nicht leicht zu verarbeiten sind. Vor drei Jahren ist mein Vater in Eschweiler umgebracht worden und ich wurde als junges Mädchen zweimal vergewaltigt. Das sind Dinge, die sehr schwerwiegend sind.

Im letzten Jahr haben Sie in einem Interview öffentlich über die Vergewaltigungen gesprochen. Was hat Sie dazu bewogen?

Winkens: Es war Zeit, das auszusprechen, denn es war immer im Weg. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste es nur mein Lebenspartner, über all die Jahre habe ich mich nicht einmal meiner Familie anvertraut.

Würden Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen auch anderen Betroffenen raten, offen mit dem sexualisierten Missbrauch umzugehen?

Winkens: Absolut. Es ist das allerwichtigste und zwar hinsichtlich jeglichen Missbrauchs. Das ist nicht einfach. In der Zeit, in der ich das verarbeitet habe, war ich nicht in der Lage, darüber zu sprechen. Heute, 30 Jahre später, muss ich mich rechtfertigen und habe das Problem, dass man mir nicht glaubt. Doch wann ich darüber rede, bestimme ich.

Sie sind sich der aufkommenden Diskussionen bewusst und schreiben trotzdem ein autobiografisches Buch darüber. Warum?

Winkens: Weil es sein muss. Weil ich sehe, was für ein Mensch ich danach geworden bin und mich frage, warum es so lange gedauert hat. Heute weiß ich, dass man nicht nur über eine Vergewaltigung, sondern auch über andere ungute Situationen sofort sprechen muss. Man darf nicht warten, bis man seelisch verblutet ist.

Bereuen Sie etwas im Leben? Welche Rolle würden Sie unbedingt noch spielen wollen?

Winkens: Ich bereue nichts. Ich habe immer alles mit vollster Überzeugung getan. Auch, wenn ich den falschen Weg gegangen bin. Sollte ich das jetzt infrage stellen? Ich bin im privilegierten Teil der Welt geboren worden. Solange man nicht um seine Zukunft bangend in einem wackeligen Boot auf dem Mittelmeer driftet und nicht schwer krank ist, gibt es nichts zu jammern. Natürlich habe ich Träume. Ich würde sehr gerne die Rolle in „Der Tod und das Mädchen“ spielen.

Privat sind Sie seit Jahren glücklich liiert. Welche beruflichen Pläne verfolgen Sie aktuell?

Winkens: Ich möchte wieder mehr in Deutschland arbeiten. Das Schauspiel liegt mir einfach sehr, doch der Markt in Österreich ist klein und aufgrund meines Akzents komme ich für gewisse Rollen nicht infrage. Kabarett ist im Moment weniger mein Wunsch, doch in der Heimat, in meiner Geburtsstadt würde ich gerne mein Programm noch spielen. Es fehlen mir aber die Kontakte.

Da gibt es seit Jahren den Linnicher Kultursommer…

Winkens: Das wäre doch etwas für mich!

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