Titzer Jubiläumssitzung im Festzelt begeistert die Jecken

Karnevalistisches Treiben : Titzer Jubiläumssitzung lässt das Festzelt beben

Mit einem Riesenaufgebot der KG Rot Weiss Hürth-Gleuel zog der Elferrat der „Interessengemeinschaft Titzer Karneval“, getragen von einer Welle der Begeisterung der erwartungsfrohen Jecken im Festzelt, auf die anlässlich des 4 x 11-jährigen Bestehens der IG festlich geschmückte Bühne.

„Heute ist ein besonderer Abend. Mit großem Stolz blicken wir zurück auf das Jahr 1975“, begrüßte Sitzungspräsident Dieter Tambour die Jeckenschar. Zur besseren Orientierung gab er zu erkennen, dass man für die Festsitzung eine Mischung aus Festkommers und einem Programm vorbereitet hatte, das „hinten raus wieder lebendiger“ werde, da könne man „wieder so richtig die berühmte Sau raus lassen“.

Zunächst jedoch übernahm Heinz-Gert Sester vom Garde- und Offizierscorps der Rot-Weißen, besser bekannt als „dat Bärchen“, das Kommando auf der Bühne und machte den Gastgebern ein dickes Kompliment: „Es gibt viele Arten von Gesellschaften, zu manchen kommt man immer wieder gerne hin. He bei ösch in Titz worre mer ad führ 40 Johr dobei.“

Was die Truppe aus Hürth-Gleuel dann an Gardetanz, Mariechentanz und Bärchen-Singperformance bot, war Karnevalsvergnügen in Reinkultur. Dieter Tambours Festrede unter dem Sessions-Motto „44 Johr, Johr, Johr...“ gestaltete sich als kurzweilige Reise durch die Geschichte der IG – dem Anlass entsprechend besinnlich, informativ und erfreulich kurz.

„Die Marke ‚Karneval auf dem Land‘ hat es im medialen ‚Never Ending Fasteloovend‘ von Jahr zu Jahr schwerer, attraktiv zu bleiben“, stellte Tambour fest, verbunden mit dem Appell, den „karnevalistischen Geist des Miteinanders“ aufrecht zu erhalten. In zwei Altersgruppen zeigten die Allerkleinsten und die Kleinen der Titzer Funken ihre toll eingeübten Tanzbeiträge, die nicht nur niedlich anzuschauen waren, sondern auch ein Beleg dafür sind, das bei der IG hervorragende Kinder- und Jugendarbeit betrieben wird.

Mit Bürgermeister Jürgen Frantzen hatte die IG einen für dieses Amt nahezu prädestinierten Schirmherrn gewonnen. In Reimform würdigte der Ex-Karnevalsprinz (Opherten) das Engagement all der Menschen, die die Gemeinschaft aus der Taufe gehoben haben und sie seitdem zu einer Tradition im Brauchtum haben heranwachsen lassen.

Erinnert wurde an die IG-Gründerzeit, in denen man Hosen mit Schlag und die Haare lang trug, und in denen an World Wide Web, Facebook und Twitter noch nicht zu denken war. Eine Besonderheit der Titzer Narrentradition fand sich in den Versen wieder: „Nur wer sucht gar stolze Tollitäten, anderswo ja des Fasteleers Spezialitäten, der Titzer Karneval aber mag darauf verzichten, nie tat er Prinz, Bauer oder Jungfrau verpflichten.“

Auch Frantzen forderte dazu auf, sich für das Überleben des Brauchtums „ohne große Jammereien“ einzusetzen und in Vereinen aktiv mitzuwirken.

Ein Höhepunkt waren die Ehrungen von Gründungsmitgliedern und Aktiven, die sich über lange Jahre um die IG verdient gemacht haben. Herausragend aus der erfreulich großen Anzahl vereinsinterner Ehrungen war die Verleihung des „Verdienstordens des Verbandes der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise (VKAG) in Silber“ durch VKAG-Präsident Hans-Josef Bülles an Rolf Dohmen, Achim Flücken und Dieter Tambour.

Wie seine Vorredner richtete Bülles einen eindringlichen Appell an die Karnevalsfreunde im Zelt: „Der Karneval ist ein Kulturgut und hat im Brauchtum nur eine Chance, wenn Sie Ihre Kinder und Enkelkinder zum Mitmachen motivieren.“

Ein farbenprächtig fröhliches Bild boten anschließend die Ehrengäste und Gastgesellschaften, die ihre unbändige Freude am Karneval zum Ausdruck brachten, wie beispielsweise Ortsvorsteher Norbert Schiffer mit seinem Bekenntnis als Titzer Jong in Millowitsch-Manier.

Den Showtanz-Reigen eröffnete die Titzer Frauengemeinschaft „Dance For Fun“ mit einer äußerst attraktiven Afrika-Choreographie, einfach toll anzuschauen. Die „Titzer Katzen“ begeisterten auch in kleiner Besetzung durch eine perfekt inszenierte Demonstration tänzerischen Könnens. Dass die „Star Lights Jülich“ mit ihrer von Anfang bis Ende in sich schlüssigen Showtanz-Performance professionellen Ansprüchen genügen, bewiesen sie ein weiteres Mal. Was alles so leicht und traumhaft sicher aussah, ist das Ergebnis harter Trainingsarbeit.

Das Titzer Synonym für Männer-Showtanz heißt „Plomari‘s“, die Jungs ernten regelmäßig stürmischen Beifall und Kommentare wie „was für eine geile Show“. Als Titzer Duo „de Twee Beide“ wagten sich Marco von Wirth und Dennis de Haan an eine Rede, die besonders dann zu herzhaftem Lachen angetan war, wenn man sich im Text verhaspelte, den Einstieg verpasste und das Ganze dann herrlich unbefangen überspielte. Auch wenn es sich ein wenig in die Länge zog, war der Beitrag mit liebevoll fies gesetzten Spitzen prima jecke Unterhaltung.

Hastenraths Will hatte die Ausfahrt auf der A44 zum „touristischen Hotspot“ Titz erfreulicherweise ohne Probleme gefunden und sorgte als Festredner der ganz besonderen Art für unschlagbar herrlich-komische Pointen. Seine Selfkant-Stories sind ein Gewinn für jede Sitzung.

Inzwischen war die Zeit fortgeschritten, man war bei „hinten raus“ angekommen, die „Backesband“ rockte mit Vollpower los, endlich losgelassen jubelte die jecke Horde über das musikalische Feuerwerk mit besinnlichen Einschüben. Das Zelt bebte in seinen Grundfesten, als die „Mennekrather“ zum furiosen Abschluss die Meute zu später Stunde noch einmal so richtig zum Kochen brachte.

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