Titz: Titzer Anwohner: Schwerlasttransporter stören mächtig

Titz: Titzer Anwohner: Schwerlasttransporter stören mächtig

Die Proteste gegen die vielen 40-Tonner, die den Titzer Wirtschaftsweg „Zur Düppelsmühle“ befahren, werden immer lauter. Zwar suchen die Behörden, aber bisher gibt es keine Lösung für das Problem, dass der Schwerlastverkehr in Richtung einer Lagerhalle für Kartoffeln und Zwiebeln der Firma DeMoTa über die „Düppelsmühle“ läuft und die Anwohner offenbar massiv stört.

„Morgens um 5 Uhr geht es los, da scheppert bei mir das Porzellan, und das passiert dann bis zu 30 Mal am Tag“, sagt Monika Lardicroix-Boss. Sie wohnt an dem gepflasterten Wirtschaftsweg und erlebt mit ihren Nachbarn zum zweiten Mal die Abfahrt-Saison der Kartoffel- und Zwiebellaster zwischen März und Juni. Der Lärm sei nicht das einzige Problem. Schließlich werde der Weg viel und oft von Hundehaltern, Spaziergängern, Radfahrern oder Müttern mir ihren Kinderwagen benutzt. „Und dann wird es manchmal lebensgefährlich, denn langsam fahren die Lkws nicht“, sagt Helen Mühlfarth, die mit Birgit Muno den unmittelbar angrenzenden Pferdestall betreibt.

„Ich verstehe die Sorgen, ich suche nach einer Lösung, aber mir sind in gewisser Weise auch die Hände gebunden“, sagt Christian Canzler, Beigeordneter der Gemeinde Titz. Mit dem Straßenverkehrsamt Düren, der Polizei und dem Ordnungsamt der Gemeinde Titz sucht Canzler seit geraumer Zeit nach einer Lösung.

Probleme gibt es den Anwohnern nach genügend. „Die Zahl der Transporter hat stetig zugenommen“, sind die Pferdehof-Betreiberinnen Susanne Lorscheid und Ilona Witz überzeugt. Beide sind nicht gut auf die DeMoTa zu sprechen. Das ist eine GbR, die von drei Landwirten aus der Gemeinde Titz betrieben wird. Den Vorwurf der Anwohner, dahinter „verbirgt sich ein als Landwirtschaft getaner Gewerbebetrieb“ lässt Canzler nicht gelten. „Die von ihnen selbst produzierten Feldfrüchte werden eingelagert, später verkauft, damit erfüllt die GbR die gesetzlichen Auflagen, ist somit absolut nicht als Gewerbebetrieb einzuordnen“, sagt der Verwaltungsfachmann.

Weiterhin betont die Gemeinde, dass die beiden Lagerhallen — von einer dritten, die nach Aussage der Anwohner gebaut werden soll, weiß Canzler nichts — rechtens zwischen Titz und Jackerath im Feld errichtet wurden. Bei einem behördlichen Anhörungstermin, beim dem auch Anwohner „zugelassen“ waren, wurde laut angefertigtem Protokoll nach einer „für alle Seiten verträglichen Lösung“ gesucht.

„Verdichtete Schotterschicht“

Die sieht wohl so aus: Zwischen den großflächigen Weiden und dem Reitplatz verläuft ein vier Meter breiter Wirtschaftsweg, der bisher ohne Einschränkung von Autos, Landwirtschaft oder auch Fußgängern benutzt werden darf. Hinter dem Hof trifft er auf den asphaltierten Wirtschaftsweg, der zu den Lagerhallen führt. Über den noch unbefestigten rund 600 Meter langen Feldweg soll dann zur nächsten „Lkw-Saison“ die Zu- und Abfahrt zur DeMoTa erfolgen.

Denn, so sieht es die Planung vor, soll der südlich des Nahversorgungszentrums von der Landstraße 12 in östlicher Richtung abzweigende Weg in Richtung der Pferdestallungen Wirtz bautechnisch ertüchtigt werden. „Angedacht ist eine verdichtete Schotterschicht“, sagt Canzler, hebt hervor, dass extra auf einen Bauzustand, der mit Anliegerbeiträgen verbunden wäre, verzichtet wird. Beim Bau, so berichtet das Protokoll, hat die DeMoTa zugesagt, der Gemeinde „Gerät und Leute“ zur Verfügung zu stellen.

Wie hoch der Betrag ist, den der Kämmerer der Gemeinde Titz locker machen muss, darüber gab es keine Auskunft. „Im Rahmen unseres Haushaltsplan bezüglich der Unterhaltung von Wirtschaftswegen ist der Betrag abgedeckt, muss auch nicht durch den Rat genehmigt werden“, lässt der Beigeordnete allerdings keinen Zweifel daran, dass „die Politik bisher umfassend informiert wurde“.

„Damit sind wir nicht einverstanden, unser Betrieb wird dadurch nachhaltig gestört, er ist in seiner Existenz bedroht“, sagen die Pferdehof-Betreiberinnen Lorscheid und Wirtz. Was insbesondere die „Einstaller“ vor Ort untermauern. „Wenn der bekannt gewordene Plan umgesetzt wird, werde ich mein Pferd irgendwo anderes unterstellen“, sagt Julia Kohler. Sie ergänzt, „dass ich mich mit meinen zwei Kindern nicht mehr sicher fühle, wenn wir unser Pferd aus dem Stall zur Weide oder zum Reitplatz bringen und ich mich dann zwischen den Lkws bewegen muss.“

Auch für Annika Brendt ist es ein „Unding, dass mit solchen Planungen der Freizeitwert hier vor Ort kaputt gemacht wird.“ Vorschläge, den Verkehr über Feldwege in Richtung L 258 nach Ameln oder der Kölner Straße in Titz zu lenken, erteilte das Straßenverkehrsamt Düren eine klare Absage. Schon aus Gründen der größeren Entfernung - was das Verwaltungsgerichte in NRW schon mehrfach nach Klagen für betroffene Unternehmen als nicht hinnehmbar bezeichneten - und der Tatsache, dass dann einige Hundert Anwohner durch den Schwerlastverkehr betroffen seien.

Vorfahrt für Pferde

Nach Fertigstellung der neuen Zufahrtregelung wird ausdrücklich per Schilder darauf hingewiesen, dass die Spediteure im Bereich des Reitstalls nicht schneller als 10 Stundenkilometer fahren dürfen, Pferde und Fußgänger „Vorfahrt“ haben, auf Sichtkontakt zum jeweiligen Wegende gefahren werden muss, um Begegnungsverkehr zu vermeiden. Und wenn alle diese Vorschriften nicht fruchten? „Dann werden wir beim Kreis Düren beantragen, für die Benutzung des Wirtschaftsweges eine Tonnagebegrenzung zu erlassen, oder sogar die Sperrung des Weges für Lkw zu veranlassen“, sei es dann, so Christian Canzler „Sache der Lagerhallen-Betreiber, entsprechend der erlassenen Vorschriften auf ihre Spediteure einzuwirken.“

(hfs.)