Neue Baugebiete: Platz schaffen für das Titzer Wachstum

Supermarkt auf dem Rödinger Aschenplatz? : Platz schaffen für das Titzer Wachstum

Ungewöhnlich: Der Gemeinderat tritt am Montagabend während der Sommerferien für eine Sitzung zusammen. Die Verwaltung der Landgemeinde will so die Möglichkeit nutzen, schnellstmöglich neue Baugebiete auf den Weg zu bringen.

Dass der Rat einer Kommune dann zusammentritt, wenn eigentlich die Zeit des politischen Tiefschlafs ist – in den Sommerferien – zeigt, dass etwas Ungewöhnliches im Gange ist. Das gilt auch für die für Sitzung des Titzer Gemeinderates am Montagabend: Zuerst tagt ab 19 Uhr der Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt öffentlich im Rathaus, um 19.15 Uhr folgt eine Ratssitzung. Die knapp bemessene Zeit von 15 Minuten für den Ausschuss zeigt aber, dass die Verwaltung keine großartige Diskussion erwartet. Die Gemeinde braucht Platz, um zu bauen. Das ist bekannt. Und den so schnell wie möglich. Deswegen eine Sitzung im eigentlich sitzungsfreien Zeitraum Sommerferien. Von Leidensdruck sprach Bürgermeister Jürgen Frantzen (CDU) angesichts des ungewöhnlichen Termins aber nicht. „Wir dürfen etwas planen, weil wir etwas auf den Weg bringen wollen“, wählte Frantzen eine positive Formulierung.

3,7 Prozent Zuwachs? Mehr?

Zu recht: Das Landesamt für Statistik zählt Titz zu dem einen Drittel an Kommunen in NRW, die bis 2030 mit einem Bevölkerungswachstum rechnen können. 3,7 Prozent mehr Titzer soll es geben. Aus 8300 sollen 8600 werden. „Ich rechne aber mit noch mehr“, machte Frantzen eine eigene Rechnung auf. Er sagte, dass das Landesamt die bisherige Entwicklung berücksichtige. Dass Titz aber beispielsweise mit dem Primus-Quartier bereits kräftig dabei ist, neuen Platz für neue Titzer zu schaffen und dass die Landgemeinde als Überschwapp-Gebiet für den Düsseldorfer und Neusser Raum attraktiv ist, berücksichtige die Statistik nicht.

Die Planer der Gemeinde aber sehr wohl. Und möglichst zügig. Deswegen die Ferien-Sitzung. In der soll beschlossen werden, dass auf dem Aschenplatz in Rödingen ein Discounter plus Café entstehen soll. Dreiviertel der Fläche des Aschenplatzes wird so verbraucht. Der unmittelbar angrenzende Rasenplatz ist erneuert und am Wochenende frisch eingeweiht worden.

Lösung 1 B greift

Das Überplanen der Sportanlage ist eine Art Lösung 1 B. Ursprünglich sei geplant gewesen, den Discounter an der Straße Landwehr entstehen zu lassen. Allerdings sei es laut Frantzen nicht gelungen, sich mit den Grundstückseigentümern über einen Verkauf zu einigen. Jetzt sollen die Ampeln für den Aschenplatz auf Grün gestellt werden. Und die sogenannte Veränderungssperre soll aufgehoben werden, die die Gemeinde auf die Landwehr gelegt hatte, falls Lösung 1 B nicht funktioniert hätte und noch einmal über 1 A hätte diskutiert werden müssen.

Der Bedarf, auf Titzer Gebiet weitere Supermärkte anzusiedeln, hatte sich aus einer Untersuchung der Kaufkraft ergeben. Demnach decken lediglich 62,7 Prozent der Titzer ihren Bedarf an Nahversorgung innerhalb der Gemeinde ab.

Das zweite große Bauprojekt, das am Montagabend eine Sondersitzung nötig macht, befindet sich auf dem ehemaligen Zuckerfabrik-Gelände zwischen Ameln und Titz. Die Fläche gehört heute einem Beton-Produzenten, der seine Werksfläche erweitern will. Die Verwaltung trägt die Pläne mit. „Einerseits stellt das sicher, dass das Unternehmen bei uns bleibt. Andererseits könnten neue Arbeitsplätze entstehen“, erklärte Frantzen.

Noch keine Anfragen

Nicht nur beim aktuellen Grundstückseigentümer. Der brauche die Fläche möglicherweise nicht komplett, Platz für neue Unternehmen könnten entstehen. „Es gibt zwar noch keine konkreten Anfrage. Aber solche Flächen sind generell interessant“, schilderte Frantzen. Das Gelände könne nämlich nicht nur für gewerbliche, sondern auch für industrielle Nutzung bebaut werden.

Der Fachausschuss und der Rat beschäftigen sich auch damit, was mit den sogenannten Hochpoldern geschehen soll, die von der Zuckerfabrik früher mit aus den Rüben ausgespültem, fruchtbarem Boden aufgeschüttet worden sind. Die müssen eingeebnet werden. Weil die Natur sich mittlerweile auf den fruchtbaren Hochpolder-Böden breitgemacht hat, muss eine Ausgleichsfläche geschaffen werden für den Fall der Einebnung.

Erstes grünes Licht

Erstes grünes Licht kann Frantzen am Montag auch für das Rödinger Baugebiet Höllerfeldchen mitteilen. „Wir sehen, dass wir für Rödingen ein Baugebiet für Wohnbebauung brauchen. Wir hatten einige gute erste Gespräche mit einem Teil der Besitzer der Flächen am Höllerfeldchen“, sagte Frantzen. 80 Grundstücke könnten dort perspektivisch entstehen. Zuerst solle die Fläche erschlossen und abschnittsweise vermarktet werden.

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