Innovatives Gewerbegebiet als Nachfolge des Tagebaus Garzweiler

Großer Bruder des Brainergy-Parks : Innovatives Gewerbegebiet als Nachfolge des Tagebaus Garzweiler

Die Arbeiten am Brainergy-Park beginnen in diesem Jahr. Das Gewerbegebiet auf der Merscher Höhe gilt als Vorzeige-Projekt. Es kann auch als Beispiel für die Nachfolge des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler dienen. Vier Kreise und die Stadt Mönchengladbach arbeiten an einem entsprechenden Projekt.

Der Brainergy-Park gilt als eines der großen Leuchtturm-Projekte im Strukturwandel. Das Gewerbegebiet auf der Merscher Höhe in Jülich soll nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angelegt werden, beispielsweise was die Versorgung mit Energie und Wasser angeht.

Für den Park machen Jülich und die Gemeinden Niederzier und Titz gemeinsame Sache. Die Landgemeinde Titz bringt 23 Prozent der Fläche mit ein, weil sie auf eigenem Gebiet entsprechende Ausgleichsflächen für die Natur schafft, die auf der Merscher Höhe überplant wird. Mit einem Satz macht der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen (CDU) deutlich, dass es nicht reicht, im Strukturwandel mit einem Leuchtturm-Projekt vorne mit dabei zu sein. „Wir müssten hier zehn Brainergy-Parks bauen, wenn wir die Arbeitsplätze auffangen wollen, die uns mit dem Ausstieg aus der Braunkohle verloren gehen.“

Deswegen hat man in Titz angefangen, über Grenzen hinweg zu denken. Kreis-Grenzen, um genau zu sein. Der Tagebau Garzweiler berührt derer nämlich fünf: die der Kreise Heinsberg und Düren, des Rhein-Neuss-Kreises, des Rhein-Erft-Kreises und der  Kreisstadt Mönchengladbach.  „Innovation Valley“ lautet der Arbeitstitel eines Projekts, das sich die Umfeldinitiative des Tagebaus Garzweiler vorgenommen hat, den Zusammenschluss der Städte Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen und der Gemeinde Titz. Die Ideen sind raumgreifend, denn irgendwann, wenn bis spätestens 2038 Schluss ist mit dem Braunkohleabbau, gibt alleine der Tagebau 50 Quadratkilometer Platz frei.

„Im Moment haben wir keine konkreten Zeichnungen, aber erste  Ideen“, sagt Frantzen. Und die ähneln zumindest teilweise denen des Brainergy-Parks. Teil der Ideen ist ein sogenanntes Reallabor, im dem beispielsweise ähnlich innovative Energieversorgungskonzepte wie auf der Merscher Höhe ausprobiert werden – in einer größeren Dimension. „Da ist sehr viel mehr Platz“, sagt Frantzen über die Fläche zwischen Jackerath und Jüchen.

Bis zu einer Endausbaustufe der Tagebaufolgelandschaft Garzweiler werden Jahrzehnte vergehen. Genau so lange wird das Entstehen neuer Arbeitsplätze dauern in einem Landstrich, der jetzt entweder landwirtschaftlich genutzt wird, brach liegt oder den es des Tagebaus halber noch gar nicht gibt. Allerdings stünde bereits jetzt ein erster Abschnitt zur Verfügung. „Man könnte da in drei bis fünf Jahren starten“, sagt Frantzen. Dann liegen mutmaßlich schon erste Erkenntnisse vor, wie der Brainergy-Park funktioniert. Da sollen die ersten vorbereitenden Baumaßnahmen nämlich in diesem Jahr starten. „Es war unser Glück, dass wir mit der Idee Brainergy-Park schon am Markt waren, bevor in der aktuellen Intensität über den Kohleausstieg gesprochen worden ist“, merkt Frantzen an, dass Jülich, Niederzier und Titz mutmaßlich mit ihrer Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

Die Ideen für die Merscher Höhe könnten also eine Art Blaupause für die Garzweiler Folgelandschaft werden. Die ersten Ideen bestehen aus einem See im westlichen Bereich, dem „Innovation-Valley“ als grünem Herzen in der Mitte, das auch Platz bietet für Wohn- und Gewerbegebiete, und dem Reallabor im Osten, in dem der Brainergy-Park im größeren Stil nachempfunden werden könnte.

Was für Jülich gilt, gilt für die Fläche am Autobahndreieck Jackerath erst recht: die Lage ist äußerst günstig. „Bis nach Aachen braucht man 25 Minuten, bis nach Düsseldorf auch. Bis nach Köln sind es 35 Minuten“, spielt Frantzen auf Stadtgebiete an, die schon längst so dicht besiedelt sind, dass es kaum noch Platz für Neuansiedlungen gibt. Weder für Wohnraum, noch für Gewerbe- oder Industrieflächen. Davon wird es mit den Jahren satt und genug geben auf den knapp 50 Quadratkilometern des Tagebaus Garzweiler.

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