Inden und Titz: Aachener Studenten zeigen Entwürfe zu Besucherzentrum

Gebäude am Tagebau : Studierende zeigen ihre Ideen für neue Besucherzentren

Wie können neue Besucherzentren aussehen? Diese Frage versuchen Studierende der RWTH zu beantworten und stellen ihre Ideen im Rathaus Titz aus. Gleichzeitig zeigen Architekturstudenten der FH Aachen ihre Vorstellungen und Arbeiten in Inden.

Wie der Zufall oft spielt: Zeitgleich sind in den Rathäusern der Tagebau-Anrainerkommunen Titz und Inden Ausstellungen mit Entwürfen für Besucherzentren zu sehen. Während in der Landgemeinde Bachelor-Arbeiten von Studierenden der Fachrichtung Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen zu sehen sind, stellen Studierende der Fakultät für Architektur der Fachhochschule Aachen ihre Ideen für ein Besucherzentrum am Indemann vor.

„Arthur, du kriegst einen Turm.“ So begrüßte der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen (CDU) den Jackerather Ortsvorsteher Artur Faulhammer (SPD) zur Eröffnung der Ausstellung im Rathaus. Der Turm steht im Eingangsbereich direkt links und ist die Idee von Alicia Heinrichs aus Heinsberg, wie am Rand des Tagebaus Garzweiler in der Nähe von Jackerath ein Besucherzentrum eingerichtet werden kann. Heinrichs Idee ist keine wilde Spinnerei, sondern eine von neun Bachelor-Arbeiten von Studierenden der RWTH Aachen der Fachrichtung Landschaftsarchitektur.

Die Gemeinde Titz und der Tagebau-Zweckverband für Garzweiler LandFolge hatten in Zusammenarbeit mit der RWTH dazu aufgerufen, Entwürfe anzufertigen, wie eine Art Besucherzentrum an der Tagebaukante aussehen könnte. Also eine Art Indemann für den nördlichsten der drei Tagebau im Rheinischen Revier.

Der Turm ist 30 Meter hoch

Der Entwurf von Alicia Heinrichs sticht dabei schon aufgrund seiner Größe ins Auge. 30 Meter hoch soll der Turm sein und mehrstöckig. Die Außenhülle ist auf verschiedenen Etagen in unterschiedliche Richtungen geöffnet. Die Öffnungen wirken so, als sei die Hülle beschädigt. Auf einer Etage soll der See, der später im Tagebauloch entstehen soll, das Thema sein. Entsprechend ist der Ausblick Richtung See offen. „Jackerath ist der höchste Punkt am Tagebau, der Turm soll eine Orientierung bieten“, erklärte Heinrichs.

Eine Frage mussten sich die Studierenden nicht stellen: Was soll das Besucherzentrum kosten? Die Aufgabe bestand darin, der Kreativität freien Lauf zu lassen. „Es kommt vielleicht nicht so, dass wir eine dieser Ideen 1:1 umsetzen“, erklärte Volker Milchen von LandFolge. „Aber wir werden damit arbeiten.“

Ebenfalls für Jackerath entschieden hatte sich Niclas Lersch aus Eschweiler, ebenfalls aufgrund der exponierten Lage. Auch er will in die Höhe bauen, allerdings mit einem mehrteiligen Vorhaben. Der Turm soll als reine Aussichtsplattform dienen, ein kleines Gebäude Platz bieten für ein Museum. Neben Jackerath hatten sich einige der Studierenden für Holzweiler als Standort des Besucherzentrums entschieden. Tina Gettmann hat wie alle Kommilitonen die Schutzwälle rund um das Loch in ihr Konzept mit eingearbeitet. Sie lässt zudem eine nach Norden führende Straße im Tagebauloch verschwinden, als Erinnerung daran, wie radikal der Braunkohleabbau Landschaftsstrukturen abgeschnitten hat.

Ausstellung im Indener Rathaus: Geschäftsführer Jens Bröker (v.l.) und Ricarda Springer von der Entwicklungsgesellschaft Indeland und Christiane Wüst von der Gemeinde präsentieren einen der beiden Siegerentwürfe. Foto: Wolters

Andere Vorschläge sehen für Holzweiler den Bau von Sportanlagen vor, die heute in der Ortschaft fehlen. Silvia Beretta vom Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur erklärte, dass das Besucherzentrum am Tagebaurand Garzweiler eine gerne gewählte Aufgabe für die Abschlussarbeit gewesen sei.

„Wir wollen uns weit mehr über den Rand definieren als über das Loch“, sagte Frantzen und machte mit einem Lächeln auf den Lippen klar, dass es für ihn nur einen Standort geben kann: Jackerath. Holzweiler liegt schließlich nicht im Titzer Gemeindegebiet. Für Frantzen steht fest: Jackerath erhält einen Turm. Denkbar ist das. Das zeigen die Abschlussarbeiten der Studierenden. Ob es machbar ist, steht auf einem anderen Blatt, das wohl erst in vielen Jahren beschrieben wird. Die insgesamt neun Arbeiten sind zu den Öffnungszeiten des Titzer Rathauses zu besichtigen.

Faktor X-Philosophie

Vorgaben zum Kostenrahmen hat es auch nicht für das Besucherzentrum am Indemann gegeben, sondern lediglich zur ressourcenschonenden Materialwahl im Sinne der Faktor♦X-Philosophie, wie sie auch in einem Indener Baugebiet gelebt wird. Für die Ausstellung „coming destination: indesee“, die bereits in Aachen und im Dürener Kreishaus zu sehen war, sind im Vorfeld die Bachelor-Arbeiten bereits von einer Jury bewertet und mit Preisgeldern prämiert worden, der Vertreter der Fachhochschule, der Entwicklungsgesellschaft Indeland und der Gemeinde Inden angehörten. Vergeben wurden zwei erste Preise, ein dritter Preis sowie zwei Anerkennungen.

Ausgestellt in der ersten Etage des Indener Rathauses sind die Modelle von insgesamt sieben Arbeiten mit zugehörigen Informationstafeln. Ziel der Ausschreibung war die Entwicklung eines Gebäudes, in dem die Entwicklungsprozesse rund um den Tagebau Inden und späteren Indesee dokumentiert und kommuniziert werden können. Zugleich sollte in dem Gebäude in direkter Nachbarschaft zum Indemann eine zentrale Informationsstelle für die touristischen Angebote der Region entstehen.

Darüber hinaus sollten im Masterstudiengang Architektur Ideen für eine Kombination aus Strandgastronomie und Ferienwohnungen am künftigen „Indesee“ entwickelt werden. Auch diese Arbeiten werden bei der Ausstellung gezeigt.

Wie die Chancen stehen, dass die Entwürfe früher oder später realisiert werden, vermag Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland, momentan nicht zu sagen. Für die Entwicklungsgesellschaft, die aus sieben Kommunen und dem Kreis Düren besteht, wäre die Umsetzung nach seiner Ansicht wohl eine Nummer zu groß.

Doch sei das Indeland gleichzeitig die Eintrittskarte ins Rheinische Revier, die als „spannendste Region in Europa“ gerade vor einem tiefgreifenden Strukturwandel steht. Da böten die Pläne der Studenten willkommene Anregungen. Zudem berichtete Bröker, dass das Land NRW als weiteren Revierknoten eine Internationale Bau- und Technologieausstellung plane, bei der die Planungen in einem größeren Rahmen vorgestellt werden könnten.

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