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Das Strukturwandel-Projekt der Landgemeinde: Titz zielt auf eine Marktlücke

Das Strukturwandel-Projekt der Landgemeinde : Titz zielt auf eine Marktlücke

Für knapp fünf Millionen möchte die Gemeinde Titz ein Gebäude errichten, in dem Büros und Besprechungsräume gemietet werden können. Der sogenannte Co-Working-Space soll mit Geld für den Strukturwandel bezahlt werden.

Ein sogenannter Co-Working-Space ist das Strukturwandel-Projekt, das die Gemeinde Titz umsetzen möchte. Ein Gebäude also, in dem sich Firmen, Angestellte und Selbstständige Büros und Besprechungsräume mieten können. Sei es für ein paar Stunden, oder dauerhaft. „Noch gibt es in Ihrer Region eine Marktlücke. Sie sollten schnell sein, um die zu besetzen“, sagte der Aachener Stadtplaner Peter Jahnen jetzt den Mitgliedern des Titzer Gemeinderates.

Bisher gebe solche mietbaren Büros auf dem Land kaum, sagte Jahnen. 30 Kilometer weiter müsse man im Moment von Titz aus fahren, um die ersten Angebote zu finden. Nicht nur deswegen sei die in der Titzer Verwaltung entstandene Idee sinnvoll, sich als Ausgleichsmaßnahme für das Ende der Tagebaue einen solchen Co-Working-Space zu wünschen. Jede der 20 Städte und Gemeinden im Rheinischen Braunkohlerevier, die unmittelbar an einem Tagebau liegen oder ein Kohlekraftwerk auf ihrem Gebiet haben, darf sich ein Projekt wünschen. In Jülich ist das ein Kongresszentrum, in Aldenhoven ein neues Schul- und Sportzentrum. Titz stellt sich mietbare Arbeitsräume vor.

Das sei sinnvoll, wie Jahnen vortrug. Nicht nur wegen der Marktlücke, sondern auch, weil die Quote der Menschen, deren Arbeitsplatz in einer anderen Stadt oder Gemeinde liegt, nirgends im Kreis Düren so hoch ist wie in Titz. 95 Prozent der Berufstätigen seien sogenannte Auspendler. Ein Co-Working-Space kann dafür sorgen, dass sich der Weg zur Arbeit für einige von ihnen verkürzt.

Der Ort sei sinnvoll, an dem die Gemeinde Titz den Neubau mit den mietbaren Büros plant. Er soll im Primus-Quartier entstehen, dem Neubaugebiet, das bald rund um die Primus-Schule wächst.

Berufstätige, die eine solche Einrichtungen nutzen, seien oft jünger. Das Primus-Quartier soll unter anderem attraktiv sein für junge Familien. „Hier gibt es eine Kita, eine Schule und die Möglichkeit, Sport zu machen“, zählte Jahnen sogenannte weiche Standortfaktoren auf, die für junge Berufstätige attraktiv seien. Der Planer verwies zudem auf eine Voruntersuchung der Aachener Arbeitsgemeinschaft Co-Working, die Titz als Standort mit gut bis sehr gut bewertet habe. Negativ bewertet worden sei die Verkehrsanbindung. „Aber da könnte die Revierbahn eine deutliche Verbesserung sein“, spielte er auf ein anderes Strukturwandel-Projekt an. Die sogenannte Revierbahn soll von Jülich über Titz eine Schienenanbindung in Richtung Köln und Düsseldorf herstellen. Der Haltepunkt im Titzer Zentralort könnte sich im Primus-Quartier befinden.

Die Voruntersuchung habe zudem einen Bedarf an 26 bis 28 Arbeitsplätzen ergeben. „Wir reden nicht von 26 bis 28 Personen, die Interesse bekundet haben. Sondern von einem konkreten Bedarf. Und die Erhebung ist noch nicht abgeschlossen“, erklärte Jahnen. Die Gemeinde könne das Projekt laut Jahnen in modularer Bauweise angehen und konservativ-vorsichtig mit einem Kern-Gebäude starten. Als Bauweise schlug Jahnen eine „nutzungsneutrale Struktur vor, in der man arbeiten oder auch wohnen kann“.

Der Baubeginn könnte im Frühjahr 2023 sein, vorausgesetzt, das Projekt wird als förderwürdiges Strukturwandel-Projekt eingestuft. 4,8 Millionen Euro sind laut Titzer Verwaltung in den Haushalten der kommenden Jahre eingeplant. Das Geld soll nicht aus der Gemeindekasse kommen, sondern aus dem Fördertopf des Bundes für Strukturwandel-Projekte. Auf die Frage von Ratsfrau Dagmar Kalugin (W.I.R.), ob die Gemeinde das Projekt auch ohne Förderzusage vorantreiben wolle, antwortete Bürgermeister Jürgen Frantzen (CDU) kurz und aussagekräftig: „Nein.“