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„Thema Korruption schwingt immer mit”

„Thema Korruption schwingt immer mit”

Kreis Düren. ...und führe mich nicht in Versuchung...: „Das Thema Korruption schwingt in unserer täglichen Arbeit immer mit”, berichtet Walter Weinberger, seit 1993 Prüfgruppenleiter und seit 2002 Leiter des Rechnungsprüfungsamtes in der Kreisverwaltung.

Aber obwohl (oder vielleicht weil) Weinberger und seine sechs Mitarbeiter das böse K-Wort stets im Hinterkopf haben: „In den Jahren, in denen ich der Rechnungsprüfung nachgehe, hat es nie auch nur einen Verdachtsfall von Korruption gegeben.”

Arbeiten in der Kreisverwaltung also „bessere” Menschen als in Behörden, die in die Schlagzeilen geraten, weil Mitarbeiter in die eigene Tasche gewirtschaftet haben? Weinberger weist auf klare Regeln hin, die Versuchungen erst gar nicht entstehen lassen: „Wir haben in unseren Dienstanweisung detailliert vorgegeben, wie bei Auftragsvergaben Entscheidungen gefällt werden müssen.”

In diesen Tagen war Jürgen Stierle, ein auf Korruptionsprävention spezialisierter Dozent aus Recklinghausen in der Kreisverwaltung zu Gast, um der hausinternen Projektgruppe, die sich mit diesem Thema befasst, ein Analyseergebnis zu präsentieren.

Die Leitfrage lautete: Wie steht die Kreisverwaltung im Vergleich mit anderen Behörden da. Als Maßstab diente ein Regelwerk, das Stierle für den Emscher Verband erstellt hat. Das Fazit des Experten: Der Kreis Düren sorgt optimal vor.

„Wir sind sehr gut positioniert”, freut sich Weinberger über das externe Urteil. Ein Sonderlob habe es für das Sponsoring gegeben, das meist der Kultur und dem Schulsport zugute kommt.

Beim Sponsoring gebe es grundsätzlich schriftliche Verträge, die alle Leistungen und Gegenleistungen beschreiben. Was laut Stierle noch optimiert werden könne, sei die Zusammenfassung der vielen Einzelregelungen zu einem Handbuch. Weinberger: „Wir arbeiten daran.”

Zum guten Anti-Korruptionszeugnis hat sicher auch eine strukturelle Neuerung beigetragen. Seit September gibt es in der Kreisverwaltung eine zentrale Vergabestelle, die von Elke Baum-Teschner geleitet wird. Weinberger spricht hier von einer Funktionstrennung bei Ausschreibungen.

„Bei Anschaffungen erstellt das Fachamt den Leistungskatalog. Die Vergabestelle schreibt aus, sammelt die eingehenden Angebote, sichtet und wählt gemeinsam mit dem Fachamt schließlich das wirtschaftlichste aus.”

Bei einem Auftragswert über 40.000 Euro bedarf es der zusätzlichen Vorlage an das Rechnungsprüfungsamt, bevor der Zuschlag erteilt werden kann. Hoch- und Tiefbau sowie das Schulwesen sind die Fachbereiche, die am häufigsten größere Aufträge zu vergeben haben. Bei Bedarf steht der zentralen Vergabestelle beim Vergleich von Bauangeboten die technische Prüferin und ausgebildete Architektin Gabi Agethen beratend zur Seite.

Als Leiter des Rechnungsprüfungsamtes muss Weinberger den gesamt Kreis-Etat im Blick behalten, also rund 210 Millionen Euro pro Jahr. Er und sein Team prüfen vieles erst im Nachhinein auf Korrektheit. „Oft genug kommen Kollegen aber auch, um sich vor einer Entscheidung beraten zu lassen, weil sie sich absichern wollen”, berichtet Weinberger von „komplizierten Rechtsvorschriften und einem großen Problembewusstsein bei den handelnden Personen”.