Jülich/Aachen: Telemedizin: Bundesgesundheitsminister blickt live nach Jülich

Jülich/Aachen: Telemedizin: Bundesgesundheitsminister blickt live nach Jülich

Die Telemedizin erzielte in den letzten Jahren bahnbrechende Erfolge. Eine gewisse Vorreiterrolle erarbeitete sich die Uniklinik der RWTH Aachen. Sie setzte viele Projekte in die Praxis um, von der Telematik in der Intensivmedizin bis hin zum Telenotarzt.

Was als Projekt „TIM“ (Telematik in der Intensivmedizin) der Uniklinik Aachen mit dem Franziskushospital Aachen und dem Elisabeth-Krankenhaus in Jülich begann, läuft in der Jülicher Einrichtung nun seit über drei Jahren im „Echtbetrieb“. „Per Live-Schaltung beschaffen wir uns jeden Tag nach Absprache in der Uniklinik Aachen eine Zweitmeinung— für jeden Patienten auf der Intensivstation. Das geht auf diesem Weg total schnell“, sagt Chefarzt Dr. Rudolf Jegen.

„Es geht um den kollegialen Dialog im Sinne des Patienten, nicht darum, dass sie uns auf die Finger gucken“, erklärt er und fügt hinzu: „So eine Live-Schaltung hat im Akutfall schon Leben gerettet.“ Dieser Telekontakt war ganz nebenbei demonstrativer Art: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe besuchte das Telemedizinzentrum „Telemed.AC“ des Klinikums Aachen, um sich ein Bild von Entwicklungen und Innovationen zu machen.

Er fasste zusammen: „Telemedizin birgt ganz handfeste Möglichkeiten, die medizinische Versorgung weiter zu verbessern. Wir wollen deshalb, dass die Vorteile möglichst schnell bei den Patienten ankommen. Mit dem E-Health-Gesetz (Gesetz für die sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen) machen wir Tempo. Ärzte, Kassen und Industrie stehen jetzt in der Pflicht, die gesetzlichen Vorgaben im Sinne der Patienten zügig umzusetzen.“

Wie sieht so eine Live-Schaltung aus? Im Patientenzimmer dient ein großer Monitor mit Kameras dazu, für beide Seiten Sichtkontakt herzustellen. Der Patient wird samt Krankheitsverlauf und medizinischer Behandlung vorgestellt. In einem Fall ging es um die Behandlung einer Fremdkörperaspiration, also wenn Fremdkörper in die Atemwege gelangen. In einem zweiten um die chronische Lungenerkrankung COPD.

Per Fernbedienung entscheidet das interdisziplinäre Team, ob Vitalfunktionen oder andere Unterlagen des Patienten zugeschaltet werden. Ist er dazu in der Verfassung, kann der Patient am Gespräch teilnehmen, der natürlich mit der Telediagnose einverstanden sein muss. Behandelt wurden die Fragen „Reichen unsere Strukturen aus? Was kann man noch tun? Muss man verlegen?“

„In der Regel behalten wir den Patienten hier“, ist Jegens Erfahrung. Sei aber Eile geboten, „finden wir ganz schnell ein Bett in Aachen, was sonst ja schwierig ist“. Wie die Live-Schaltung zeigte, waren die Kollegen mit den medizinischen Entscheidungen des interdisziplinären Jegen-Teams durchaus einverstanden. Zusatztipps nahm der Jülicher Chefarzt gerne auf.

(ptj)