1. Lokales
  2. Jülich

Jülich: Tauchturm ist die Attraktion am Freibad

Jülich : Tauchturm ist die Attraktion am Freibad

Landrat Wolfgang Spelthahn hat zur Steigerung und Sicherung des Standortes Freibad Jülich mit Partnern ein komplettes Paket geschnürt.

„Es gilt, die Vorteile des einmaligen Geländes und des Umfeldes sowie der wunderschönen Anlage zu nutzen”, lautet seine Zielrichtung. Wie berichtet, hat er in Verhandlungen mit dem Landesschwimmverband die Voraussetzungen für die Einrichtung eines Leistungszentrums geklärt.

Neuer Aspekt ist, dass das marode Nichtschwimmerbecken des Freibades komplett entfernt wird. An dieser Stelle soll ein Sportbecken mit 50-Meter-Bahnen entstehen, das ständig überdacht sein wird und den Sportlern der Region bis nach Köln und weit darüber hinaus als Trainingsstätte dient.

Zweites Standbein des von Spelthahn erarbeiteten Konzeptes ist ein Tauchturm, der insgesamt 25 Meter tief bzw. hoch ist. Davon reichen zehn Meter in den Boden, 15 Meter ragen empor. Der Bereich ermöglicht Tauchen mit Klarsicht in beleuchteter Wasserlandschaft.

„Rund 4,5 Millionen Menschen in Deutschland tauchen”, hat Spelthahn in Erfahrung gebracht. Auch im engeren Umfeld gebe es etliche Vereine (allein rund 20 im Kreis Düren) und Tauchschulen auch von der Rheinschiene, die gerne einen Tauchturm - natürlich gegen Entgelt - nutzen würden. „Das ist ein Riesen-Markt”, ist er sicher. Selbst mit dem Club Méditerranée stehe man in Verhandlungen.

Dritter Aspekt: Das Freibad insgesamt wird „aufgefrischt”. Dazu gehört auch der Umbau der Umkleide. Der Komplex soll von einer Transparenzkuppel überzogen sein. Der Zugangsbereich der Freizeitstätte soll komplett neu gestaltet werden.

Das große Schwimmerbecken mit den 50-Meter-Bahnen wird nach Vorstellungen der von Spelthahn gewonnenen Planer umgestaltet. Es handelt sich um die Firma FORM.TL, Ingenieure für Trag- und Leichtbau GmbH, Radolfzell.

Zwei bis drei Bahnen bleiben erhalten, das restliche Becken wird umgestaltet und „aufgelockert”. Der Bereich des öffentlichen Schwimmens wird mit einem beweglichen Dach versehen, so die Überlegungen das Landrates. „Damit ist es möglich, die Energiekosten im erheblichen Umfang zu senken und zum Beispiel abends das Dach zu schließen.”

Energiekonzept

Daneben entsteht ein neuer Nichtschwimmer-Bereich. „Die Liegewiese wird davon aber nicht tangiert”, versichert der CDU-Politiker. „Mit einem innovativen Energiekonzept werden die Betriebskosten in engen Grenzen gehalten”, ist er zuversichtlich. Es habe bereits Kontakt mit den Stadtwerken Jülich gegeben.

Spelthahn sieht in seinen Vorschlägen „ein sehr modernes Konzept, das sicherlich hohen Zuspruch erfahren kann und sowohl dem Kreis Düren als auch Jülich gut tut”. Er stehe in Kontakt mit dem Förderverein Freibad und hoffte auf dessen Unterstützung. Zudem sei der Verein zur Unterstützung des eigentlichen öffentlichen Schwimmens im Sommer weiterhin außerordentlich wichtig.

„Sollten die Planungen in Jülich auf Zustimmung treffen, bedeutet dies den Erhalt des Freibades.” Ohne Geld geht aber nichts, weiß auch der Jurist. Spelthahn schwebt hier ein einheitliches Betreiber- und Personalkonzept für das Gesamtareal vor.

Durch Überschüsse, die der Tauchsportbereich erwirtschafte, könnte das öffentliche Schwimmen finanziell gestützt werden, so dass die Stadt Jülich weniger aufwenden müsste. Das Leistungszentrum für Schwimmer trage sich durch gesicherte Zuschüsse und die Vermarktung von Trainingszeiten.

Hinzu komme eine ganzjährige angebotene Gastronomie. Wenn Leistungsschwimmer bereits am frühen Morgen mit dem Training beginnen und im Wechsel bis zum Abend das Wasser „durchpflügt” werde, könne dies nicht ohne adäquate Versorgung geschehen. Die hierfür eingerichtete Gastronomie könnten auch andere Gäste nutzen. Erste Sondierungsgespräche liefen.

„Damit steigen die Chancen auf Bau eines Hotels in Jülich. Dies stellt einen wichtigen Aspekt der Wirtschaftsförderung dar. Das bringt viel Geld in den Nordkreis.”

Die Vision des Landrates, sollten seine Vorschläge in Jülich auf Gegenliebe stoßen: „Innerhalb von drei Jahren, gerechnet ab 2005, könnte alles fertig sein.”

Ganz wichtig ist ihm die Klarstellung „Ich will mit dem Freibad-Konzept nicht das Hallenbad platt machen, sondern in ein gemeinsames Betreiberkonzept einbeziehen.”

Der Landrat wird das Konzept heute Abend im Rahmen des Bürgerforums - unterstützt per Computeranimation und Zeichnungen - vorstellen.

Matthias Dovermann, Podiumsteilnehmer des offenen Bürgerforums zur Bäderfrage in Jülich, bezieht als Geschäftsführer des Freizeitbades Aquana in Würselen (Kreis Aachen) klar Stellung: „Ich kann nicht verstehen, dass es in unmittelbarer Nähe zu Würselen noch ein Spaßbad geben soll.”

Das Einzugsgebiet von Düvelstadt und Herzogstadt überschneide sich zu 40 Prozent. Die Folge aus Dovermanns Sicht: „Wir hier in Würselen haben noch ein bisschen mehr Probleme, und Jülich wird nicht genug zum Leben haben.” Weiteres folgt am Dienstag in der Diskussion.

Die Podiumsdiskussion „Gehen die Bäder baden? - Zur Lösung der Bäderfrage in Jülich” beginnt am heutigen Dienstag, 8. Juni, um 19 Uhr im Pädagogischen Zentrum des Gymnasiums Zitadelle. Veranstalter ist die „Initiative zur Erhaltung der Jülicher Bäder” in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung dauert rund zwei Stunden.

Teilnehmer des Podiums sind der Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn, der Bürgermeister der Stadt Jülich, Heinrich Stommel, der Geschäftsführer des Freizeitbades Aquana in Würselen, Matthias Dovermann, sowie der Sprecher der Bäderinitiative Jülich, Claus Maas. Die Veranstaltung wird von unserem Redakteur Karl Stüber moderiert.
Eingeladen, „in der ersten Reihe sitzend” für Fragen zur Verfügung zu stehen, sind Vertreter der Fraktionen im Stadtrat, der Stadtwerke Jülich, der Beschäftigungsgesellschaft Low-tec, des Fördervereins Freibad, des Brückenkopf-Parks, des Jugendparlaments, des Wassersportvereins, des Stadtsportverbandes und einer Reihe anderer relevanter Kräfte.

Interessierte und engagierte Bürger sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion rege zu beteiligen.