Taubenzüchter Johannes Steinbusch hängt das Hobby an den Nagel

Koslar: Ein Leben für den Taubensport

Nachdem er sich über 60 Jahre lang als Züchter und Funktionär mit Brieftauben beschäftigte, hat Johannes Steinbusch aus Koslar gerade sein Hobby an den Nagel gehängt. Seine Vögel hat er „einem guten Freund gegeben, der damit weiter züchtet“.

Der hat auch Teile des Taubenschlags übernommen, der Rest landete auf dem Sperrmüll. „Wir haben keine große Zukunft mehr“, bedauert der 76-Jährige die schier unaufhaltsame Entwicklung, die sich auch in Zahlen ausdrücken lässt: 1967 gab es allein in Aldenhoven noch 70 reisende Schläge, von denen gerade noch einer übrig ist — der des 88-jährigen Hans Büttgen. Auch Steinbusch hätte gerne noch weitergemacht, musste jedoch gesundheitlichen Einschränkungen Tribut zollen.

Auf dem Dachboden verwahrt Johannes Steinbusch einen Teil der Trophäen, die seine Tauben über Jahrzehnte gesammelt haben. Foto: Wolters

„Für die Tiere muss man jeden Tag da sein“, spricht der passionierte Züchter aus langer Erfahrung. Als Vorsitzender einer Reisevereinigung oder eines Vereines seien weitere, ebenfalls sehr zeitintensive Aufgaben dazugekommen. So dankt er Ehefrau Resi, die über die Jahrzehnte viel Geduld aufgebracht habe, und Enkel Felix Keppel (22), der dem Opa in den vergangenen Jahren bei der Versorgung der Tauben geholfen hat.

Der Kontakt zu den Tieren mache gerade die Faszination der Brieftaubenzucht aus, die Vögeln gelte, deren Treue zum heimischen Schlag fast sprichwörtlich ist. „Wenn man aus dem Dachfenster schaut und sieht, wie die eigenen Tauben von einem Wettflug heimkehren, ist das schon toll“, umschreibt er solche Momente persönlichen Züchterglücks.

Begonnen hat Johannes Steinbusch 1952 mit weißen sogenannten V-Tauben, die in der elterlichen Landwirtschaft in Koslar herumflatterten. „Mit denen wurde gekuddelt“, erinnert er sich. Wettflüge waren damit gar nicht möglich. 1955 erhielt er seine erste Brieftaube, schaffte indes die Vögel wieder ab, nachdem er 1964 geheiratet hatte. Steinbusch war damals Flötist des Trommler- und Pfeiferkorps Koslar und ließ sich von seinen Vereinskollegen überreden, die Taubenausstellung in Haus Blumenthal zu besuchen. Seinerzeit gab es noch zwei Taubenvereine im Dorf: Heimatliebe und Heimattreue Koslar, die sich spinnefeind waren.

Nach dem Besuch der Ausstellung war Steinbuschs Interesse für Tauben erneut geweckt, zumal die Freunde ihm das Material für einen Schlag vor die Tür stellten und diesen unters Dach zimmerten. Dort ist er erst am Wochenende endgültig abgerissen worden. Während die Heimatliebe Koslar der Reisevereinigung Jülich angehörte, wollte die Heimattreue 1967 zur RV Aldenhoven wechseln, um dem Erzrivalen aus dem Weg zu gehen.

Das wurde zunächst abgelehnt und erst im zweiten Anlauf gestattet. Als die Heimattreue 1977 zur RV Jülich zurückkehren wollte, machte Steinbusch diesen Schritt nicht mit, zumal er 1973 zum Vorsitzenden der RV Aldenhoven avanciert war. Er schloss sich nun dem Verein Blitz Dürboslar an, dem er von 1979 bis 81 und von 1985 bis heute vorgestanden hat.

„Rennpferde des kleinen Mannes“

Der Taubensport, also die Wettflüge der als „Rennpferde des kleinen Mannes“ apostrophierten Vögel, hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel erlebt, der sicherlich auch etliche Züchter zum Aufgeben bewogen hat, wie Johannes Steinbusch mutmaßt.

Ein Teil der Revolution, die sich hier abgespielt hat, ist die Umstellung auf das elektronische Konstatiersystem statt der mechanischen Uhren, die ehedem beim Eintreffen der Tauben gedreht wurden. Eine weitere Umstellung betrifft die Einführung von Computern bei der Auswertung der Flugergebnisse. Wo früher viel Handarbeit beim Eintragen von Ergebnissen in Listen und Berechnungen von Spezialisten mit eigens angeschafften Rechenmaschinen notwendig waren, wird die Erstellung der Ergebnisliste mittlerweile an ein Rechenzentrum delegiert.

Die zwischenzeitliche, nicht ganz billige Anschaffung von PC, Drucker und Modem hat sich längst überlebt. Auch das dürfte Mitglieder gekostet haben. Nicht zuletzt sieht Steinbusch im Wiederaufkommen der Greifvögel einen Grund: „Die haben sich immer die besten Jungtauben geschnappt“, da könne einem Züchter aufgrund von Verlusten der Geduldsfaden reißen.