Körrenzig: „Talkin‘ about Barbara“ in der Alten Kirche

Körrenzig : „Talkin‘ about Barbara“ in der Alten Kirche

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Kultur Alte Kirche“, die im Programm des „Linnicher Kultursommers“ fest verankert ist, trumpfte der Verein „Rettet die Alte Kirche“ mit einer musikalischen „Gesprächsrunde“ auf. Das Ensemble „Il Giratempo“ lud mit seinem kontrastreichen Konzerttitel „ Talkin‘ about Barbara-17th Century Jazz“ zu einem melodischen Austausch der besonderen Art.

Das Trio, dessen Name mit „Zeitenwandler“ ins Deutsche übersetzt werden kann, interpretiert die Werke von berühmten und weniger bekannten Komponisten der Barockmusik. Der Epoche stilgerecht, werden die musikalischen Stücke von Vanessa Heinisch auf der Theorbe und Barockgitarre neben Max Volbers auf dem Cembalo und der Blockflöte sowie Dávid Budai auf der Viola da Gamba aufgeführt.

Trotz des kunstvollen und imposanten Anblicks der historischen Instrumente und der unbestrittenen Virtuosität der Musiker wäre das Konzert in der Alten Kirche zwar als sehr schön, doch inhaltlich nicht unbedingt außergewöhnlich in der Erinnerung der Zuschauer geblieben.

Wäre es. Doch das, was dem zahlreichen Publikum vom „Il Giratempo“ geboten wurde, war alles andere als gewöhnlich. In das barocke Repertoire fügten sich verblüffend harmonisch die themenbezogenen Improvisationen des preisgekrönten Jazz-Saxofonisten Magnus Mehl, zudem verzauberte die international gefeierte Mezzosopranistin Laila Salome Fischer die Zuhörer in Körrenzig mit ihrem großen Stimmumfang ebenso wie das Publikum bei ihren Auftritten in der Berliner Oper oder bei der Summer Opera Tel Aviv.

Das ungewöhnliche Ensemble „diskutierte musikalisch“ über die gebürtige Venezianerin Barbara Strozzi. Diese italienische Komponistin und Sängerin, zu deren Lehrern der Opernkomponist Francesco Cavalli gehörte, schrieb ihre Stücke für den Eigenbedarf. Sie arrangierte die musikalischen Werke für ihre Sopranstimme und meist zwei Melodieinstrumente, untermalt durch den für die barocke Musik obligatorischen Basso continuo (Generalbass).

Saxofon in Ithaka

Bei dem musikalischen „Talk“ waren solch anerkannte Größen präsent wie Giovanni Batista Fontana, Giulio Caccini, Bernardo Storace und Cyprien de Rore. Selbst Maestro Claudio Monteverdi mischte sich mit den bekannten Opernarien und seinem „Laudate dominum in sanctus eius“ in die erhabene Plauderstunde ein. In einer vorzüglichen Gesellschaftsrunde gehört das Reden über Abwesende nicht zum „guten Ton“, auch nicht den musikalischen. So wurde Barbara eine Stimme durch die erlesene Auswahl ihrer Kompositionen erteilt.

Zu Beginn besang Laila Salome Fischer mit ihrem vollklingenden Mezzosopran die Geschichte des verliebten Heraklits, welche Strozzi mit dem Titel „L´Eraclito amoroso“ vor Jahrhunderten musikalisch umsetzte. Das Drama und die Schönheit einer unglücklichen Liebe wurden hier von der Opernsängerin, einem improvisierten Saxofonsolo und den im Generalbass vereinten Cembalo, Viola da Gamba und Theorbe grandios dargeboten.

Den Themen Liebe und Leidenschaft widmete sich auch Claudio Monteverdi in seinen Opern. In der Arie „Illustratevi, o cieli“ aus „Il ritorno d´Ulisse in patria“ („Die Heimkehr des Odysseus“), brillierten die Sopranistin in der Partie der Penelope und Magnus Mehl, dessen Saxofon die Stimme des Odysseus ersetzte. In der als beste von Monteverdis Opern geltenden „L´incoronazione di Poppea“ („Die Krönung der Poppea“) beklagt die von Nero betrogene und schließlich aus Rom verbannte Ottavia ihr tragisches Los. Die Arie der verlassenen Gattin, „Addio, Roma“, führte die Mezzosopranistin gleichermaßen energievoll wie einfühlsam auf.

Ganz die selbstbewusste Frau, ergriff im Verlauf des Konzerts die Komponistin Barbara Strozzi wieder das musikalische Wort mit ihrem „Cosi non la voglio“ („Also will ich nicht“). In diesem schnellen mit vielen Viertelnoten bestückten Stück, die das „Mitkommen“ des Saxofons sehr schwierig gestalten, brillierte Mehl mit einem virtuosen Solo.

Nicht weniger virtuos klangen die Paradestücke von Max Volbers auf der Blockflöte in „Sonata seconda“ von Giovanni Batista Fontana und von Dávid Budai auf seiner Viola da Gamba in der Interpretation von „Amarilli, mia bella“ nach Gullio Caccini. Andächtig fügte sich die a cappella gesungene Hymne „Veni creator spiritus“ aus dem 9. Jahrhundert in die mehr als 1000 Jahre alten Mauern des Sakralbaus ein.

Der Höhepunkt des Konzerts und das letzte Wort in diesem einmaligen musikalischen Diskurs gehörten gleichermaßen den anwesenden Musikern sowie Barbara Strozzi. In „Lagrime mie“ („Meine Träne“) lieferten die Solopartien jedes einzelnen der fünf Interpreten ein Erlebnis der musikalischen Superlative, nur um die Begeisterung der Zuhörer in den zusammengespielten Parts noch weiter zu steigern.

Der andauernde Applaus und die zweifache Zugabe mit „Amor dormiglione“ von Strozzi und Henry Purcell‘s „Musick for a while“ bestätigten die Musiker in ihrer Wahl des nicht alltäglichen musikalischen Weges.

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