Tag der offenen Tür am FH-Campus in Jülich am 6. April

Tag der offenen Tür am FH-Campus Jülich : Stabiles Stromnetz braucht punktgenaue Abstimmung

„Hier kann man toll studieren und wir wollen zeigen, welche Bandbreite wir anbieten“, sagt Jochen Goeser, Mitarbeiter im Marketing für den Jülicher FH-Campus.

Das geschieht am Tag der offenen Tür, den die Fachhochschule Aachen, Campus Jülich am Samstag, 6. April, anbietet. An diesem Tag können sich Besucher von 11 bis 16 Uhr ein Bild vom Studienangebot des Lehrortes machen.

Drei von zehn Fachbereichen der FH Aachen werden in der Herzogstadt angeboten: Chemie und Biotechnologie, Medizintechnik und Technomathematik sowie Energietechnik. Von ungefähr 14 000 Studenten der Fachhochschule streben 3 780 Studierende in elf Bachelor- und fünf Masterstudiengängen in Jülich nach ihrem Abschluss.

Dementsprechend groß ist der Campus und die Angebote am Tag der offenen Tür sind zahlreich. Darunter auch viele, an dem der Interessierte auch selbst teilhaben kann. Beispielsweise kündigt die Fachhochschule eine Hochspannungsshow an, bei der echte Blitze beobachtet werden können. Die ansässige Physiotherapie fordert dazu auf, die eigene Leistungsfähigkeit auf dem Laufband zu überprüfen. Daneben stellen sich auch die Freizeitangebote vor. Hier beispielsweise das hauseigene Quidditch-Team.

Sollte jemand ein Problem haben, in den verwinkelten Gängen der Einrichtung ein bestimmtes Angebot zu finden, hat „Indoor Navigation“ die Lösung. Bei dem Studierendenprojekt wurde eine App entwickelt, die mit sogenannten QR-Codes funktioniert. Diese werden gescannt und die App weist den richtigen Weg.

Während der Veranstaltung soll auch ein „Netzmodell“ präsentiert werden. „Für unsere Elektroingenieure eine ganz wichtige Sache“, sagte Prof. Dr. Stefan Bauschke, der im Fachbereich Energietechnik forscht und lehrt, und weiter: „Ein Stromnetz ist ein komplizierter Prozess, der oft unterschätzt wird.“

Wie durchdacht ein Stromnetz sein muss, zeigen auch die zahlreichen Verkabelungen, die durch zwei Räume laufen und die verschiedenen Stationen des Stromnetzes miteinander verbinden. Am Tag der offenen Tür können so vom Modell eines regulären Verbraucherhaushalts über den Kraftwerkgenerator bis hin zum Solarpanel alle bedeutenden Bestandteile eines realen Stromnetzes besichtigt werden. „Anhand unseres Nachbaus kann gelernt werden, auf welche Dinge für eine durchgehende Stromversorgung geachtet werden muss und welche Fehler passieren können.“ Ein solcher kann der Leistungsbilanzfehler sein. Denn „im Stromnetz muss jederzeit genauso viel Energie bereitgestellt werden wie verbraucht wird, sonst wird das Netz instabil und es droht ein großer Stromausfall.“ Teilweise wird das Gleichgewicht innerhalb des Stromnetzes durch Systeme innerhalb des Kreislaufs automatisch geregelt. Andererseits wird die Produktion der Energie durch Verbrauchsprognosen bestimmt.

Bezüglich der erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solar muss mit einer Prognose ermittelt werden, woher die Energie kommen soll, da die die regenerativen Energien nicht minutengenau liefern können. Dazu müsse auch darauf geachtet werden, wie viel die Sonne scheinen und wie windig es sein würde, so Bauschke. Denn ist es dunkel und windstill, wird durch Windkrafträder und Photovoltaikanlagen kein Strom mehr hergestellt. Trotzdem wollen alle Verbraucher ohne Einschränkung versorgt sein.

Würde man sich zu einhundert Prozent auf erneuerbare Energien verlassen und würde auf Energie aus Kohle- und Kernkraftwerken verzichten, wäre das nach dem heutigen Stand dann ein Problem.

„Die Energiewende funktioniert nur dann, wenn wir viel mehr regenerative Quellen und die notwendigen Speicher haben. Die haben wir aber nicht“, so Bauschke. Die Speicher müssten zudem unvorstellbar groß sein und damit entsprechend teuer. „Klar ist Kohle keine schöne Sache. Aber wenn wir zu schnell und unüberlegt aussteigen, dann wird das Risiko eines Stromausfalles größer und wir müssen Strom aus den Nachbarländern kaufen, die ihrerseits den Strom oft aus Kern- und Kohlekraftwerken gewonnen haben.“ Die Herausforderung der erneuerbaren Energien sei groß, aber der Weg für den Schutz der Umwelt richtig.

Am Tag der offenen Türe können sich „die Besucher der Hochschule gerne weiter über diese Fakten informieren.“

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