Susanne Duwe spielt im Rahmen der Schlosskonzerte in Jülich

Im Rahmen der Jülicher Schlosskonzerte : Facetten der Liebe in Lied und Brief

Das erste Konzert der Reihe der Schlosskonzerte war ganz dem Thema Liebe gewidmet. In Liedern aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert erklangen Liebeslieder verschiedenster Komponisten. Liebesbriefe verschiedenster Verfasser wurden zwischen den Musikbeiträgen vorgetragen.

Inhaltlich waren alle Programmpunkte dem Thema Liebe gewidmet, berührten aber die unterschiedlichsten Emotionen und Befindlichkeiten des Menschen in diesem elementaren Thema, das wohl jeden Menschen berührt. Diese Programmzusammenstellung von Susanne Duwe bedurfte einer guten Portion Wagemut.

Die geborene Jülicherin und Sopranistin stellte das Publikum vor die schwere Aufgabe, sich auf jedes Lied, auf jeden Text gesondert einzustellen. Wie bei einer guten Bilderausstellung war es die Aufgabe der Zuhörer, jedes musikalische und literarische Werk einzeln zu betrachten, seine Besonderheit zu erkennen und zu genießen. Die bekennend experimentierfreudigen Jülicher ließen sich auf dieses Wagnis ein und genossen jeden einzelnen Beitrag.

Susanne Duwe faszinierte bei jedem Liedbeitrag sowohl mit ihrer strahlend klaren, weichen Stimme, wie auch mit ihrer persönlichen Ausstrahlung bei der Interpretation der Lieder von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Richard Strauß, Erich Korngold und Kurt Weill. Mit Gestik und Mimik wurden die Texte schauspielerisch unterstrichen, mit Engagement, aber auch großer Leichtigkeit vorgetragen und für die Zuhörer erlebbar. Ihre kompetente, elegant und flexibel agierende Begleiterin am Flügel war die spanische Pianistin Aiona Padron.

Auch die Briefe, die Schauspieler Franco Melis engagiert und mit gut verständlicher, angenehmer Stimme vorlas, hatten unterschiedlichste Verfasser. Napoleon Bonaparte, Bert Brecht, Loriot, Heinrich von Kleist, William Shakespeare, Mary Woolstonecraft, Marilyn Monroe und Anton Tschechov wurden zitiert.

Lieder und Briefe berührten die elementaren Themen der Liebe in allen Schattierungen: Verliebtheit, Schwärmerei, tiefe Gefühle, Enttäuschung, Liebeskummer, Betrug und Trennung.

Die geballte Aufmerksamkeit des Publikums war der Reaktion und dem Applaus nach den einzelnen Beiträgen zu entnehmen. Dem bezaubernden Beitrag des Schubertliedes „Gretchen am Spinnrad“ folgte ein Moment des Innehaltens, ehe sich der herzliche und begeisterte Applaus entfaltete. Bei Loriots amüsanten Briefen gab es durchaus Szenenlacher oder hörbare Reaktionen auf die Zeilen eines Abschiedsbriefes an den „Lustmörder“.

Der Abschluss des Konzertes mit „Abschiedsbrief“ von Kurt Weill und der Zugabe des französischen Liedes „Chemins d´amour“ begeisterten das Publikum und zeigten noch einmal deutlich, wie flexibel Susanne Duwe ihre wunderbare Stimme einsetzt und wie flexibel sie unterschiedlichste Genres bedienen kann. Großer Applaus für ein großartiges Konzert.

(hivi)
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