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Jülich: Stüber lässt sich vor den Karren spannen

Jülich : Stüber lässt sich vor den Karren spannen

Der Jülicher an sich ist ein eher misstrauischer Zeitgenosse. Wenn ihm in der Kölnstraße ein nicht eindeutig zu bestimmendes Gefährt begegnet, wird er erst stutzig und geht dann stirnrunzelnd vorbei. Diese Erfahrung machten bei ihrer Auftaktrundfahrt zwischen Kulturbahnhof und Brückenkopf-Park mit der Fahrrad-Rikscha Initiator Werner Stüber und sein Kollege Volker Krause von „Velo Tours”.

Mit ihrer Hightech-Fahrrad-Kutsche wollen sie gegen ein Entgelt möglichst den ganzen Sommer lang Passagiere durch die City bis zum Park chauffieren. Jeweils samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr, wenn das Angebot gut ankommt auch wochentags. Die Sache dient einem guten Zweck: der Unterstützung von Wohnprojekten für Menschen mit Erkrankungen des Bewegungsapparates - hauptsächlich Parkinson, aber auch Schlaganfall oder Multiple Sklerose.

Quer durch Europa

Im Kreis Düren wird die Wohnanlage „Parki-Vita” in Langerwehe gefördert. Die Idee zum Spendensammeln mit dem Fahrrad entwickelte Werner Stüber vor zwei Jahren, als er dem Hersteller der modernen Kutsche begegnete. „Die Firma suchte jemanden, der das Material testet”, erzählt Stüber. Er habe sich gerne dazu bereit erklärt, fuhr quer durch Europa - aber nur unter der Bedingung, dass er dabei zu Gunsten von Parkinson-Kranken Spenden sammeln dürfe.

Seine Frau, die seit 17 Jahren an der Krankheit leidet, nahm er streckenweise mit auf die große Fahrt. Seitdem kurvt er in seiner Freizeit regelmäßig mit dem „Velo” durch den Kreis Düren, stets auf der Suche nach freundlichen Geldgebern. Einerseits sammelt er fleißig bei den Gästen seiner Fahrten, andererseits profitiert die Aktion von den Werbeaufdrucken auf den Gefährten. Dabei sehen weder Stüber noch Krause ihr Tun als Zumutung oder Anstrengung. „Das Fahren macht Spaß, ja, es ist herrlich”, schwärmt Werner Stüber vom fahrbaren Untersatz.

Kein Sklavendienst

Viele Leute hätten eine Hemmschwelle, sich von einem anderen per Muskelkraft kutschieren zu lassen. „Die denken das ist ein Sklavendienst”, kennt er die Bedenken der Leute. Nicht zuletzt, weil viele wissen, dass in Indien und anderen Ländern das Rikschafahrer tatsächlich nur mit einem Hungerlohn entlohnt werden und davon ihre ganze Familie ernähren müssen. Doch bei Werner Stüber liegt der Fall ganz anders als in den Entwicklungsländern.