Jülich: Stotterstart ins Rübenjahr 2016 rund um Jülich

Jülich: Stotterstart ins Rübenjahr 2016 rund um Jülich

Der April macht, was er will, und nicht nur die Rübenbauern beklagen „die in die Länge gezogene Saatperiode“, wie es Heinz Leipertz formuliert, Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung der Pfeifer & Langen KG, für die er auch und vor allem das Werk Jülich betreut.

Leipertz kann diesen Satz auch mit Zahlen unterfüttern. So habe die Aussaat zwar „deutlich vor Ostern“ etwa um den 11. März begonnen, als saatfähige Äcker mit ausreichender Bodenfeuchte zur Verfügung standen, die Temperaturen mit 2 bis 7 Grad aber noch recht niedrig waren. „Den meisten war es viel zu kalt“, kann sich der diplomierte Landwirt aus Broich in die Lage seiner Berufskollegen versetzen. So waren bis zum 20. März erst drei Prozent der Rübensaat ausgebracht.

„Mit angezogener Handbremse“

Auch in der Folgezeit sei die Aussaat „mit angezogener Handbremse“ erfolgt. Der Grund: Die Temperaturen kletterten zwar, Wettervorhersagen und Realitäten stimmten indes oft nicht überein. „Die Wetterberichte haben die Landwirte aus dem Feld gehalten“, konstatiert der Experte der Jülicher Zuckerfabrik, so dass bis Ostern die Aussaat-Quote um lediglich vier Prozentpunkte zulegte.

Auch nach Ostern ist die Handbremse nicht wirklich gelöst worden, denn seitdem hat sich die Quote um lediglich zehn weitere Prozentpunkte erhöht, weil viele Landwirte auf Nummer sicher gehen und einen späteren und vermeintlich sicheren Aussaattermin wählen. „Es traut sich keiner“, sind die vielen kurzen Schauer ein Problem, denn sie verwandeln den vorbereiteten Boden in eine kle­brige Schmierschicht und erschweren so das maschinelle Ausbringen der Saat. Zudem bergen höhere Niederschlagmengen die Gefahr, dass die Feldoberfläche verschlämmt, was das Aufgehen der Saat behindert.

Auf der anderen Seite brennt den Landwirten die Verschiebung zusehends auf den Nägeln, denn die biologische Uhr tickt, und es geht wertvolle Vegetationszeit verloren, in denen die Pflanzen längst wachsen und gedeihen könnten. Im Vorjahr stellte sich die Rübenaussaat so dar, dass etwa sieben Prozent vorab — also sehr früh — in den Boden kam, der Rest wurde bei stabiler Witterung innerhalb nur einer Woche ausgebracht.

Anbaufläche leicht ausgedehnt

Während die Rübenanbaufläche 2015 im Vertragsgebiet der Jülicher Zuckerfabrik rund 16.500 Hektar betrug, gibt es jetzt eine moderate Flächenausdehnung von knapp zehn Prozent auf 17.500 bis 18.000 Hektar. Bei der Auswahl des Saatgutes sind die Anbauberater der Jülicher Zuckerfabrik gefragt. „Die Sortenauswahl ist eine Wissenschaft für sich“, weiß Heinz Leipertz, der in Jülich als Anbauberater seine berufliche Laufbahn rund ums Thema Zuckerrüben begonnen hat. Auch bei der Auswahl des Saatgutes für den eigenen Betrieb setzt er auf Erkenntnisse der Anbauversuche und Leistungsprüfungen, die kontinuierlich von den Saatgutherstellern angestellt werden.

Die Zuckerfabrik nimmt hier eine besondere Position ein, denn die Landwirte bestellen im Werk ihr Saatgut, das von dem Unternehmen bei den Herstellern angefordert und am Ende auch ausgeliefert wird. Grund für dieses Vorgehen sind Vorgaben von Großkunden aus der Lebensmittelindustrie wie Coca-Cola oder Süßwarenhersteller, wonach der heimische Zuckerproduzent eine lückenlose Rückverfolgung der Erzeugung des pflanzlichen Rohstoffes und seines eigenen Produktionsprozesses bei dessen Weiterverarbeitung gewährleisten muss.

Ob und wenn ja wie sich der Stolperstart des Rübenjahres 2016 später auf Zucker- und Rübenertrag auswirken, ist aber noch völlig offen. Das Jahr ist ja noch sehr jung.