Jülich: Steht der Zuschuss für die Stadtbücherei auf der Kippe?

Jülich: Steht der Zuschuss für die Stadtbücherei auf der Kippe?

Muss die Stadtbücherei Jülich bluten? Die Sorge um die Zukunft der Stadtbücherei nahm im Vorfeld der Haushaltsbeschlüsse des Stadtrates breiten Raum in der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Stadtbücherei ein. „Wenn die Politik so entscheidet, wie die Verwaltung vorgeschlagen hat, wird es nicht so schlimm kommen. Wenn nicht, können wir alles vergessen“, brachte der städtische Dezernent Günter Vogel die Lage drastisch auf den Punkt.

Der „Saldo-Zuschussbedarf“ der städtischen Einrichtung würde im Doppelhaushalt 2013/14 jeweils 266.000 Euro betragen, erst im Jahre 2023 würde die Summe auf 251.000 Euro sinken. „Das ist noch annehmbar“, so Vogel. Insgesamt ist der Förderverein (noch) gut aufgestellt, wie Kassierer Hermann Petri offenlegte. Das rückläufige Gesamtguthaben zeige, „dass wir viele Sachen ausgeben konnten“. Größter Kostenfaktor war der Sommerleseclub, der im Übrigen künftig mit dem Herbstschmökerteam zusammengelegt wird und „Junior Leseclub“ heißt.

Zweitgrößter Ausgabeposten war das bereits bezahlte und deshalb sichere Projekt „Open“. Hierbei handelt es sich um einen der Öffentlichkeit zugänglich gemachten, optisch ansprechenden Online-Katalog mit mobiler Version und fehlertoleranter Suche, der die Verfügbarkeit auf einen Blick anzeigt. Ein „ganz großes Projekt“ heißt laut Büchereileiterin Mirka Reef „Onleihe“, das ab 2014 für alle zugänglich sein soll. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt mit neun weiteren Bibliotheken im Umkreis, das zu 60 Prozent mit Landesmitteln gefördert und zu 20 Prozent vom Förderverein unterstützt wird.

Jeder Besitzer eines Bibliotheksausweises kann eBooks, Hörbücher, E-Zeitschriften oder Musik befristet herunterladen. Schon jetzt befindet sich ein Lesegerät mit Pocket-Book-Touch in der städtischen Einrichtung. Damit sei laut Reef ein neuer Kundenkreis zu gewinnen. Insgesamt will die Stadtbücherei im laufenden Jahr „den Fokus auf Qualität, nicht Quantität setzen“. Zu allen wichtigen Großevents wie „Welttag des Buches“ oder „Treffpunkt Bibliothek“ sind weiterhin Veranstaltungen geplant.

Zudem stehen Ferienspiele, der Treffpunkt Leserabe und das Projekt Kulturstrolch für Grundschüler auf dem Terminkalender. Insgesamt besuchten 2012 über 63.000 (im Vorjahr 70.000) „physische Besucher“ plus 41.000 virtuelle Gäste die Einrichtung. 108.000 Ausleihen kamen zustande (im Vorjahr 121.000). Insgesamt fanden 115 Veranstaltungen mit 3300 Teilnehmern statt. Dazu zählten zwei Märchen- und vier Literaturveranstaltungen, vier Events zur kulturellen Bildung und das Jubiläum 20 Jahre Kulturhaus.

Für ihren Etat von knapp 26.000 Euro schaffte die Stadtbücherei fast 3000 neue Medien an. Mäßig genutzt wurden lediglich die Bücherkisten für Senioren, die „oft durch die Familie abgedeckt sind“. Im Gegenzug stiegen aber die Nutzergruppen von 45 bis 60 Jahren und ab 60 Jahren zahlenmäßig an. Reef dankte für die „sehr gute Zusammenarbeit mit einem starken Förderverein“. Der Förderverein Stadtbücherei mit weit über 120 Mitgliedern feiert im Übrigen im Herbst sein 30-jähriges Jubiläum. Nach Bekunden seiner Vorsitzenden Elisabeth Viezke soll das gefeiert werden, genaues steht allerdings noch nicht fest.

(ptj)
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