Linnich: Stefen Palm stimmt mit Linnicher Barockorgel auf den Advent ein

Linnich: Stefen Palm stimmt mit Linnicher Barockorgel auf den Advent ein

Das Abschlusskonzert zum 250. Geburtstag der Barockorgel in der evangelischen Kirche in Linnich wurde in die Hände von Stefan Palm gelegt. Im vollbesetzten Kirchenschiff lauschten über 120 Menschen dem Programm, das Palm geschickt zusammengestellt, mit musikalischen Raritäten bestückt und auf das Volumen der Orgel zugeschnitten hatte.

Es überrascht immer wieder wie der Jülicher Stefan Palm versiert, aber nie routiniert musiziert. Für ihn ist die Konzertkultur lebendig, sein Vortrag immer zwar persönlich geprägt, aber dem Gedanken des Komponisten folgend angepasst und authentisch.

Sehr sensibel spielte Stefan Palm zu Beginn das Präludium und Fuge Es-Dur von Johann Sebastian Bach. Diese strahlend festliche Musik versinnbildlicht das Abbild der Heiligen Dreifaltigkeit und ist formal in drei Themen gefasst und fugiert verarbeitet. Stefan Palm gelang es, die originalen piano- und forte-Angaben deutlich heraus zu arbeiten und dem Werk in Treue zum Original gerecht zu werden. Die thematische Prägnanz, die kombinatorische Vielfalt und die hohe musikalische Aussagekraft des Werkes wurden von ihm hervorragend in den Mittelpunkt gestellt.

Stimmungsvoll und berührend erklangen die „Pastorellen für die Weihnachtszeit“ von Valentin Rathgeber, einem Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts, der zu Unrecht nur wenig bekannt ist.

Als Pater des Benediktinerordens erschienen von ihm viele kirchenmusikalische Werke, in denen sich die Gewissheit des Glaubens und damit eine große Lebensbejahung und Fröhlichkeit spiegeln. So sind auch seine Pastorellen zu sehen. Sie vermitteln musikalisch die Erwartung der Adventszeit und die Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Spielerisch heiter, weihnachtlich fröhlich, wechselnd in Instrumentalklangfarben schwelgend und klare Gesangsstimmen jubelnd erschallen lassen,- das gab Stefan Palm eine große Bühne, um die Möglichkeiten der Orgel zu nutzen und seine Spielkunst in individueller Form aus zu leben. Dem Zuhörer gelang durch die Nutzung orchestraler Mittel eine Assoziation zu Kindern, die in Vorfreude auf das Fest durch die Straßen ziehen.

Johann Gottfried Walther war Freund und Schüler von Johann Sebastian Bach. Sein Werk „Concerto del Signor. Tomaso Albinoni, approbiato all´Organo F-Dur“, ist als konzertantes, festliches Werk besonders für kleinere Orgeln geeignet. Im ersten Satz folgen aber bald besinnlich elegische und lebhaft fröhliche Elemente. Es deckt die gesamte Gefühlspalette der Weihnachtsstimmung ab. Zwar temporeich

Den Werken von Felix Mendessohn Bartholdy war der Ausklang des Konzertes gewidmet. Sie sind das Bindeglied zwischen Barock und Romantik. Variationen über den Choral „Vater unser im Himmelreich“ prägen die Variationen. Die vorangestellte Melodie wird verändert und findet in dem Cantus firmus für Sopran einen drei- und einstimmigen Part, im Tenor einen vierstimmigen, einen figurierten Satz mit Cantus firmus auf Pedal und Manuale verteilt und eine Fuge, die aus dem Choralbeginn erwächst.

Stefan Palm gelang in seiner Interpretation des Werkes ein inniges Gebet, das neben der Strenge und Ausdruckskraft des Chorals durch die Variationen Gefühlswelten erfahren lässt.

Die Möglichkeit eines weiteren Höhepunktes war durch „Präludium und Fuge in d-Moll“ möglich. Der rezitativische Beginn, der an ein Wiegenlied erinnerte, bereitete das Hauptthema vor, das fugenartig beantwortet wird. Bewegt und gefühlvoll musizierte Stefan Palm und begeisterte sein Publikum, das mit großem Applaus für einen wunderbaren Konzertabend am ersten Advent dankte.