Jülich: Statistenrolle im Gefangenenchor ein „Riesenerlebnis“

Jülich: Statistenrolle im Gefangenenchor ein „Riesenerlebnis“

Carola Heck und Katja Bäcker kamen der „Nabucco“-Aufführung ganz nah. Sie hatten zwei Plätze als Statisten gewonnen und blickten dadurch hinter die Kulissen im Brückenkopf-Park. „Ich habe vor geraumer Zeit die Oper schon in München gesehen“, sagte Katja Bäcker vor ihrem Auftritt, „aber heute ist das völlig anders, denn ich denke, dass man auf der Bühne die Szene noch ein Stück intensiver erlebt“.

Für Carola Heck stellte der Abend eine absolute Premiere dar: „Nabucco ist meine erste Oper. Ich denke es wird eine riesige Erfahrung und ein tolles Erlebnis.“ Und auf einer Bühne hatten beide bis zu diesem Abend noch nicht gestanden.

Schließlich der große Moment: In der Pause betreten Carola Heck und Katja Bäcker den Backstage-Bereich, wo sie von Olga Kokoschkova, Leiterin des Ensembles, empfangen werden. Zwischen dem regen Gewusel der Operndarsteller kramt Kokoschkova noch schnell zwei Kostüme für den Gefangenenchor des Stücks heraus und wirft diese den nun frisch gebackenen Statisten über.

Zum Ende der Pause ertönt der Gong, kurze Zeit später betreten Bäcker und Heck zusammen mit dem Gefangenenchor die Bühne des Kuppelzeltes, der „Va, pensiero“, ein Lied der Freiheit, erklingen lässt. „Es war unglaublich spannend, aber beim Warten hinter der Bühne waren wir richtig nervös“, erzählt Katja Bäcker. Carola Heck fügt hinzu: „Wir haben unsere letzten Instruktionen auf der Treppe zur Bühne erhalten. Es war wie erwartet ein Riesenerlebnis, und ich würde das auch wieder machen.“

Das Publikum hatte unterdessen unter der Zeltkuppel im Park Platz genommen und schien die Aufführung genossen zu haben — gemessen am Applaus. Im Vorfeld war die Verlegung der Veranstaltung von der Zitadelle in den Park viel diskutiert worden. „Ich bin richtig sauer, denn ich hätte den Renaissancegarten der Zitadelle als Veranstaltungsort viel besser gefunden und in dem Wissen, dass die Oper im Brückenkopf-Park stattfindet, wahrscheinlich keine Karten gekauft“, sagte Ingrid Dürke aus Jülich. Auch Jutta Loewenhaupt äußerte sich ähnlich: „Ich habe Anfang Mai Karten gekauft und teilweise verschenkt. Ich hätte sie für den Brückenkopf-Park nicht gekauft.“

Allerdings ist die Annahme, dass die Veranstaltung im Renaissancegarten stattfinden sollte, wohl ein großes Missverständnis. „Die Oper sollte nie in diesem Garten stattfinden, denn das dürfen wir gar nicht. Hätte die Oper an der Zitadelle ihren Platz gefunden, wäre der Veranstaltungsort die Pflastersteinfläche neben dem Gebäude des Gymnasiums gewesen. Dabei haben wir, wie ich persönlich finde, mit der Kulisse des Brückenkopf-Parks einen guten Fang gemacht“, sagte Silvia Geisler als Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit beim Veranstalter. „Hätten wir nicht im Brückenkopf-Park spielen können, hätten wir die Veranstaltung absagen müssen, was viel schlimmer gewesen wäre.“

Naturschutzbestimmungen, die zum Schutz der Fledermäuse greifen, müsse man sich als Veranstalter beugen. Ursache des Missverständnisses, dass die Oper im Renaissancegarten hätte stattfinden sollen, sei laut Geisler ein Foto des Gartens gewesen, das in Zusammenhang mit der Veranstaltung entstanden sei. Daraufhin habe sich diese falsche Vermutung wie ein Lauffeuer verbreitet.

Um Gäste, die sich verlaufen haben, zum Brückenkopf-Park weiterzuleiten, postierte sich der Leiter des Jülicher Kulturbüros, Christoph Klemens, vor dem Event zusammen mit zwei weiteren Personen rund um die Zitadelle. Er sagte: „Wir haben höchstens 20 Besucher zum Brückenkopf-Park weiterleiten müssen. Die meisten kamen von außerhalb, auch eine Opernbegeisterte aus der Schweiz.“