Jülich: Städtepartnerschaft: Taicang und Jülich sagen Ja

Jülich : Städtepartnerschaft: Taicang und Jülich sagen Ja

Nach drei Monaten intensiver Vorbereitungszeit wurde in dieser Woche der Grundstein für eine neue Jülicher Städtepartnerschaft gelegt. Das teilte die Jülicher Stadtverwaltung mit. Bei der Industrie - und Handelskammer Düsseldorf unterschrieben Jianguo Wang, Bürgermeister des chinesischen Taicang, und Jülichs erster Bürger Axel Fuchs die Absichtserklärung.

Bereits am Vortag war eine Delegation aus Taicang zu Gast in Jülich. Herzlich war der Empfang der chinesischen Delegation aus Taicang und der Vize-Generalkonsulin Lili Tao aus Düsseldorf im Palmengarten des Technologiezentrums durch den Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs sowie zahlreiche Gäste. Nach einer kurzen visuellen Präsentation der Stadt Jülich machte sich die Gruppe auf den Weg, um gemeinsam einige wichtige „Aushängeschilder“ der Stadt Jülich vorzustellen.

Der ersten Station Technologiezentrum folgten Stippvisiten im Forschungszentrum, an der „künstlichen Sonne“ der Firma Synlight, der Fachhochschule, des Gewerbegebietes „Brainergy“ und der Zitadelle, wo nach einer Präsentation der Historie Geschenke ausgetauscht und der Tag bei einem gemeinsamen Essen in der Schlosskapelle endete.

Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung erreichten die zu Jahresbeginn gestarteten Bemühungen um eine Städtepartnerschaft ein wichtiges Etappenziel. Der chinesische Kulturverein und der Verband der chinesischen Wissenschaftler und Studenten haben im Januar anlässlich des chinesischen Frühlingsfestes der Stadt Jülich die Stadt Taicang für eine Städtepartnerschaft vorgeschlagen — die Heimatstadt einiger chinesischer Studenten in Jülich. Mit Bürgermeister Axel Fuchs und Anne Gatzen vom Amt für Stadtmarketing und Kultur wurden erste Gespräche geführt, die auf offene Ohren stießen.

Die Stadt Taicang bemüht sich seit Jahren um eine passende Partnerstadt, um gemeinsame Bildungsprojekte, wirtschaftliche, kulturelle und sportliche Kooperationen zu ermöglichen. Mit über 700.000 Einwohnern ist die moderne Hafenstadt zwar deutlich größer als die Herzogstadt Jülich, für chinesische Verhältnisse jedoch immer noch eine Kleinstadt in der Nähe von Shanghai. Sie liegt in der Provinz Jiangsu, die auch Partnerprovinz des Landes Nordrhein-Westfalen ist.

In Taicang leben etwa 1000 Deutsche, ebenso viele chinesische Bürger leben in Jülich. Die Stadt beherbergt ebenfalls einen Nobelpreisträger der Physik, genau wie Jülich. In Taicang gibt es die größte deutsche Community, in Jülich die wohl größte chinesische. Und ebenso wie Jülich ist Taicang etwa 2000 Jahre alt.

Im Jahr 1993 eröffnete dort das erste deutsche Unternehmen eine Produktionsstätte, seitdem haben sich bis heute mit politischer Unterstützung 260 deutsche, vorwiegend mittelständische Unternehmen aus Bereichen der Automobilindustrie und Maschinenbau, aber auch aus der Lebensmittel-, Bekleidungs-, Elektronik- und Energiebranche angesiedelt. Für Industrie und Wirtschaft ist Taicang zu einem attraktiven Standort geworden. Die Stadt hat zahlreiche nationale Auszeichnungen bekommen, u.a. für Sauberkeit, industrielle Ansiedlung, als grüne Stadt und Touristenzentrum.

Nach einem Ergebnis einer nationalen Umfrage mit über 11 Millionen Teilnehmern über Zufriedenheit in Bezug auf Verbesserungen in ihren jeweiligen Städten zählte Taicang im Jahr 2016 zu Chinas glücklichsten Bezirksstädten. Dieser Erfolg wird einerseits der starken Bewertung der Sozialversicherung von Taicang zugeschrieben, andererseits dem angenehmen Lebens- und Wohnumfeld und der Konzentration auf Gesundheits- und Wellnessthemen.

Dass auch Jülich eine lebens- und liebenswerte Stadt ist, zeigte nicht nur eine Rundfahrt. Im Technologiezentrum, Forschungszentrum, in der Fachhochschule, im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und Museum präsentierten Institutsleiter, Geschäftsführer, Studierende und Museumsleiter ein Bild von Jülich als historische Festungs- und moderne Forschungsstadt, das die chinesische Delegation begeistern konnte. In den einzelnen Einrichtungen hatten sich die Referenten auf die Delegation vorbereitet und mögliche Kooperationen aufgezeigt.

Besonders beeindruckt zeigte sich Bürgermeister Jianguo Wang von der „größten künstlichen Sonne der Welt“ und viele Nachfragen auf dem noch zu erschließenden Gewerbegebiet „Brainergy“ ließen schlussfolgern, dass dem Interesse vielleicht konkrete Kooperationen folgen werden.

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