Lich-Steinstraß: Sportliche Talfahrt trübt Weihnachtsfeier des FC-Fanclubs Lich-Steinstraß

Lich-Steinstraß : Sportliche Talfahrt trübt Weihnachtsfeier des FC-Fanclubs Lich-Steinstraß

Auch wenn die Fans des 1. FC Köln zurzeit wenig Anlass zum Feiern haben, war die Stimmung bei der Weihnachtsfeier des Lich-Steinstraßer FC-Fanclubs ähnlich gut wie in der halben Stunde vor Anpfiff eines Heimspiels im Rhein-Energie Stadion. Dass man auch in schlechten Zeiten zu seinem Verein stehen sollte, bewies Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs.

„Es ist für mich eine Ehre, Mitglied eines der ältesten Fanclubs des FC werden zu dürfen“, kommentierte er das Angebot des Vorsitzenden Herbert Hüpgen, sich dem Club als offizielles Mitglied anzuschließen.

Fuchs war ebenso überrascht, wie alle anderen Mitglieder im Saal, als Hüpgen den Stargast des Abends ankündigte: Unter den Klängen der FC-Hymne betrat Torwart-Legende und Vorstandsmitglied Toni Schumacher, begleitet von Fanclub-Betreuer Thorsten Friedrich, die Bürgerhalle. Entgegen Meldungen in diversen Medien, die dem Vorstand vorwerfen abzutauchen, nahm Schumacher die Diskussion erfreulich offen, offensiv und auch selbstkritisch an.

Freilich wurde zunächst der miserable Saisonstart thematisiert. „Wir sind alle überrascht und total enttäuscht von dem, was gerade abgeht beim 1. FC Köln“, bekannte der „Dürener Jung“ und gab einen Einblick in sein Seelenleben. „Es ist für mich ganz furchtbar, was wir gerade mitmachen.“ Die unfassbar lange Verletztenliste, mit „Videobeweis-Entscheidungen nicht gerade bevorteilt worden zu sein“ und auch die Belastung im Europapokal, den „wir eigentlich gar nicht hätten spielen dürfen“, wurden als Gründe angegeben. Dass man selbst auch Schuld an der Misere hat, verschwieg Schumacher keinesfalls und gab offen zu: „Fairerweise muss man sagen, dass wir auch drei oder vier Spiele richtig schlecht gespielt haben.“ Die Fragen der Fans nach dem Abgang von Manager Jörg Schmadtke und der kürzlich erfolgten Trennung vom bei den meisten Fans extrem beliebten Trainer Peter Stöger beantwortete der an den Entscheidungen direkt Beteiligte mit interessanten Hinweisen auf interne Abläufe, wie zum Beispiel, dass es vor Schmadtkes Abgang „leider Gottes keine Kommunikation mehr zwischen den Beiden gegeben“ habe.

Ans Mini-Podium hinzu geholt, griff Axel Fuchs Schumachers Hinweis bezüglich der Bilanz von FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle — „Wir stehen finanziell sensationell da“ — auf. Um Jülichs Finanzprobleme in den Griff zu bekommen, bat er: „Leih‘ mir mal den Schwaben für ein Jahr aus.“ Beifall und lautes Lachen durfte der Bürgermeister als 100-prozentige Zustimmung verstehen.

Er sei ständig von Pressevertretern mit der Frage bedrängt worden, ob er mit Stöger in die Zweite Liga gehe, erzählte Schumacher. Seine temperamentvoll vorgetragene Ansage hieß: „Ich will nicht in die Zweite Liga. Wir haben jetzt Freiburg, wir haben Wolfsburg, das sind zwei Spiele, die müssen wir gewinnen. Mit neun Punkten greifen wir dann an.“ Weniger erfreulich war die in drastischer Klarheit drohende Situation, wenn diese Punkte nicht geholt würden: „Dann sterben wir einen langen Tod, nämlich genau ein halbes Jahr lang wissen wir, dass wir absteigen!“ Das aus dem progmostizierten Punktgewinn gegen Freiburg eine 3:4-Niederlage werden würde, ahnten weder Schumacher noch die hoffnungsvollen Lich-Steinstraßer. Die Fans und Schumacher, der zusagte zu einer Lesung seines neuen Buchs gerne wieder nach Lich-Steinstraß zu kommen, bestätigten an diesem Abend erneut ihre unumstößliche emotionale Einstellung: „Mir geht’s um unseren FC Köln — der steht über allem.“

(jago)
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