Jülich/Düren: „Spiel des Jahres“: Geschäftsstelle sitzt jetzt in Jülich

Jülich/Düren: „Spiel des Jahres“: Geschäftsstelle sitzt jetzt in Jülich

Der spielende Mensch, der Homo ludens, hat sich in Jülich niedergelassen. Vielleicht klingt das etwas übertrieben — falsch ist es nicht. Denn die Mitarbeiter und Juroren des Vereins „Spiel des Jahres“ blicken seit ein paar Wochen von ihren Räumen im Dachgeschoss über den Schwanenteich.

Sie sorgen für die gleichnamige Auszeichnung und geben der Spiele-Welt eine Orientierung samt Markenzeichen, das in der ganzen Welt geschätzt wird. „Pöppel“ heißen die kegelförmigen Spielfiguren mit dem runden Kopf, die es inzwischen in dreifacher Ausführung gibt. Um sie zu küren, müssen mehrere hundert Neuerscheinungen Jahr für Jahr getestet werden. Das bedeutet auch für die Geschäftsstelle eine logistische Herausforderung, denn die Paketzusteller sind hier Dauergast. Auf der Großen Rurstraße ist das nicht unproblematisch.

Davon weiß die Geschäftsführerin des Vereins, Sonja Assmann aus Titz, ein Lied zu singen, zumal nur drei der vier zu überwindenden Etagen mit dem Aufzug zu meistern sind. Trotz der dauerhaften „Knöllchengefährdung“ unten vor der Haustür am neuen Vereinssitz sind sowohl Sonja Assmann als auch Jurysprecher Tom Felber aus Zürich froh, dass es in Jülich passende Räume gegeben hat. Die Geschäftsstelle befand sich seit 2007 in Düren auf dem ehemaligen Glashüttengelände von Peill & Putzler. „Uns wurde wegen Eigenbedarfs gekündigt. Und weil unsere Geschäftsführerin aus der Region stammt, sind wir in der Region geblieben“, erklärte Tom Felber am Montag die Entscheidung für Jülich.

Begrüßt wurden Assmann, Felber und weitere Jurymitglieder am Montag von Bürgermeister Heinrich Stommel: „Wir sind froh, dass sie da sind!“ Dem Ersten Bürger ist das weltberühmte Logo durchaus ein Begriff, auch wenn die eigenen Spielenachmittage in der Familie schon ein Weilchen her sind. Apropos: Ist das denn heute überhaupt noch angesagt, wo doch viele Kinder, jede Menge Jugendliche und etliche Erwachsene inzwischen digital „zocken“? „Lustigerweise hat der digitale Spiele-Boom auch für ein Hoch bei den analogen Spielen gesorgt“, sagt Jury-Chef Tom Felber.

Gespielt wird immer und überall. Jury und Verein „Spiel des Jahres“ kümmern sich weiter um die analogen Spieler: Mehr „kriegen wir nicht hin“. So ein Juror hat nämlich über das Jahr eine Menge zu tun. Es handelt sich durch die Bank um Fachjournalisten, die in Medien Spiele bewerten. Sie müssen alle wichtigen Exemplare eines Jahrgangs kennen — das sind leicht einige Hundert. Dieses Know-how muss sein, denn die Preisvergabe ist ein Gütesiegel und entscheidet mit über Erfolg oder Misserfolg am Markt.

Das wissen die Verlage, die daher bei entsprechenden Erfolgen ihre Schachteln mit dem „Spiel des Jahres“-Logo versehen. Dafür müssen sie Lizenzabgaben entrichten. Mit diesen Einnahmen wiederum finanziert der Verein seine Geschäftsstelle, die allein mit der Verwaltung der Lizenzverträge gut zu tun hat, Veranstaltungen, seine Internetseite sowie Druckschriften. Außerdem werden Aktionen und Projekte, die das Kulturgut Spiel nach vorn bringen, finanziell unterstützt.

In den Genuss einer lokalen Förderung kamen am Montag alle Jülicher Grundschulen, die vom neuen „Bewohner“ der Stadt einen großen Spielestapel geschenkt bekommen haben. Es war auch für die Schulvertreter eine logistische Herausforderung, die jeweils rund 20 Spiele von der vierten Etage runter zum Parkplatz zu schaffen.