Hexen, Adelige und Heilige: Spannender Vormittag zum Thema „Frauen in Jülich“

Hexen, Adelige und Heilige : Spannender Vormittag zum Thema „Frauen in Jülich“

„Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug“, schrieb einst der deutsche Philosoph Georg Friedrich Hegel über das Attribut der römischen Göttin, die als Hüterin des Wissens in der Antike verehrt wurde.

Doch in Jülich wird sie manchmal bereits zur Frühstückszeit aktiv, wie bei der jüngsten gut besuchten Begegnung beim Kulturcafé im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

In Anlehnung an die Römerperiode begann Elisabeth Vietzke mit der Vorstellung dieser Göttin ihren anspruchsvollen Vortrag „Frauen in Jülich“ im Spiegel der mehr als  2000 Jahre umfassenden Geschichte der Herzogsstadt. Schon das erste auf die Leinwand projizierte Foto entlockte einen Kommentar aus den Publikumsreihen, „Ich habe mich schon immer gefragt was das ist“. Als „sas“ wurde die in der Werkstatt des Forschungszentrums gestaltete Skulptur gemeint, die auf dem Wall der Zitadelle steht und, einer Stadtgöttin gleich, über die Pasqualini-Brücke wacht. Mit Speer und Schutzschild wird sie als siegbringende Beschützerin im einzig „gerechten“, dem Verteidigungskrieg dargestellt.

Ungefähr 15 Jahrhunderte später wurde von den Anhängern einer anderen Glaubensrichtung Christina von Stommeln als Mystikerin, Trägerin der Wundmale Christi und Heilige verehrt. Die erst 1908 von Papst Pius X. offiziell selig gesprochene Frau ist zu Lebzeiten nie in Jülich gewesen. Infolge von Verwirrungen der Historie fand sie jedoch im 16. Jahrhundert die letzte Ruhestätte in der Jülicher Pfarrkirche (später Propsteikirche) und wurde bis in die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts von der Bevölkerung als Schutzheilige gegen Gicht und Lähmungen sowie gegen Kopf-und Zahnschmerzen angebetet.

Traurige Schicksale

Anhand der spannenden, , traurigen aber auch erbauenden Schicksale der über Jahrhunderte wirkenden Frauen bot die Referentin eine informative, bestens recherchierte Reise durch die Geschichte Jülichs. Dank der lebendigen Vortragsweise, gestützt von Anekdoten und Zitaten aus unzähligen Literaturquellen, gesellte sich für eine Weile die bildliche Vorstellung einer vermeintlichen Hexe, der unglücklich verliebten Adligen, weisen Lehrerin, Mutter eines berühmten Sohnes und der heroischen Trümmerfrau an die Tische der Zuhörer.

Mit ihrem Überraschungsgast spannte Elisabeth Vietzke einen Bogen über die Jahrhunderte zu jenen Frauen, die das neuzeitliche Geschehen der Stadt mitgestalten. Mit der Schilderung ihrer persönlichen Eindrücke und Erfahrungen als einstige SPD-Stadtverordnete und erste Stellvertretende Bürgermeisterin der Stadtgeschichte, erzählte Frederike Doose eine weitere spannende Geschichte zum Thema „Frauen in Jülich“.

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