Quartiersentwicklung im Nordviertel: Sozialstruktur ist kräftig durchmischt

Quartiersentwicklung im Nordviertel : Sozialstruktur ist kräftig durchmischt

„Ja, es gab ein paar Probleme hier vor Jahren“, sagt Marlies Keil, „Aber das war im Wesentlichen eine Straße, die Sorgen machte.“ Mit „hier“ meint sie das Jülicher Nordviertel, wo sie seit vielen Jahren wohnt. „Durch den Zuzug einer Migrantengruppe gab es die Befürchtung, dass sich ein Ghetto bildet.“

Die seinerzeitigen Ängste reichten aber aus, dass im Nordviertel – in den späten 1960er Jahren groß geworden durch den Zuzug vieler Mitarbeiter der damaligen Kernforschungsanlage, denen hier Grundstücke angeboten worden waren – ein Stadtteilbüro eingerichtet wurde, um sich der vermeintlichen Problematik anzunehmen.

So nötig, wie es anfangs schien, war das Büro aber offensichtlich nicht, denn der „Brennpunkt“, von dem manche sprachen, war eher ein Flämmchen, das bald erlosch. Dazu beigetragen hat sicherlich auch der Zuzug weiterer Bevölkerungsgruppen, die die Sozialstruktur im Nordviertel gehörig durchmischte und statt für weitere Probleme eher für einen Ausgleich sorgte. Das bestätigt auch Sevdije Haxha, die bei der Stadt Jülich angestellt und vor Ort im Nordviertel tätig ist. Allerdings nicht mehr in dem Stadtteilbüro an alter Stelle, sondern in der ehemaligen Eisdiele an der Nordstraße. Dort liegt jetzt das „Stadtteilzentrum Nordviertel“, das aus dem Projekt „Altengerechte Quartiersentwicklung Jülich Nordviertel“ des Landes NRW hervorgegangen ist.

„Hier so etwas aufzubauen, war wichtig“, so Sevdije Haxha, die nach Abschlusses des Projektes die Arbeit fortführt sowie für das Jugendparlament der Stadt Jülich zuständig ist. „Denn der Anteil der Senioren ist im Nordviertel einer der höchsten, gleichzeitig sind hier viele Migranten, die sich hier niedergelassen haben.“

Zusammenleben wird gefördert

Damit ist die Aufgabe klar umrissen: Das Stadtteilzentrum soll zum Beispiel für Senioren mit vielen Angeboten – so Kaffeeklatsch, gemeinsamer Mittagstisch, offener Spieletreff, verschiedenste Beratungsangebote – ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung ermöglichen. Gleichzeitig sollen im Quartier lebendige Beziehungen zwischen den Generationen und Kulturen gefördert werden, um das Zusammenleben unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zu stärken.

So weit der theoretische Ansatz, das praktische Ergebnis war am vergangenen Samstag beim mittlerweile vierten Stadtteilfest begutachtet worden. Bürgermeister Axel Fuchs, der selbst ein „Kind des Nordviertels“ ist, wie er sagte, und auch dort wohnt, begrüßte bei strahlendem Sonnenschein die vielen Besucher, die sich rund um das Zentrum eingefunden hatten. Natürlich hätten viele dazu beigetragen, dass das Nordviertel so ist wie es jetzt ist, meinte er. Aber einen erwähnte er im Besonderen: Ortsvorsteher Peter Schmitz (CDU), der zwar beim Fest verhindert war, der aber in vielen Jahren mit großem Engagement zur Gestaltung „seines“ Viertels beigetragen habe.

Viele fleißige Hände von im wahrsten Sinne des Wortes unterschiedlicher Couleur – ältere, junge, weiße, farbige – hatten mitgeholfen, dass es an nichts mangelte: Kaffee, Kuchen, Grillwürstchen, Salate, kühle Getränke, alles war da, um für das leibliche Wohl zu sorgen. Die vielen Kinder nahmen die beiden Hüpfburgen in Beschlag, waren kreativ im aufgestellten „Malstudio“, belagerten abwechselnd die Popcorn-Maschine oder „Opa Clown“, der jedem Kind nach eigenen Wünschen und auf Zuruf aus Luftballons fantasievolle Tiere bastelte. Wie immer begleitete Akkordeonspieler Constantin mit schönsten Liedern die ohnehin lockere Stimmung auf den Sitzbänken.

Gutes Nachbarschaftsgefühl

Die Quartiersentwicklung, die durch das Projekt angestoßen worden ist und jetzt fortgeführt wird, scheint also nicht nur zu klappen, es klappt ganz offensichtlich gut, was im Nordviertel entwickelt wurde. Das bestätigen auch einige der Besucher, nach ihrem Eindruck befragt. Die Nachbarschaft sei gut, hieß es, es ginge ruhig und friedlich zu. Besonders gelobt wurden die zentral liegenden Geschäfte in der Nordstraße und vor allem der Bürgerbus, der es ermögliche, gerade für die Älteren eine unkomplizierte Anbindung an die Stadtmitte zu gewährleisten.

Utta Kuhn, Leiterin der „Spiel- und Lernstube Nord“ des SKF (Sozialdienst Katholischer Frauen) lobte ebenfalls die Vielfalt im Viertel, die Offenheit der Menschen und ihre Gastfreundschaft. Armin Kaleck, vielen noch aus seiner Zeit als Stadtverordneter bekannt, brachte es auf den Punkt: „Die Menschen hier haben gelernt, dass niemand irgendeinem etwas Böses will.“ Das sei der Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben und wie das Stadtteilfest auch zeigte, für ein entspanntes Miteinander.