1. Lokales
  2. Jülich

Steigende Energiepreise: Sorgen der Jülicher sind den Stadtwerken bewusst

Steigende Energiepreise : Sorgen der Jülicher sind den Stadtwerken bewusst

Die Krise auf dem Energiemarkt könnte länger dauern. Das befürchtet man bei den Jülicher Stadtwerken und weiß, was das für die Kunden bedeutet.

Es ist nicht so, dass Ivan Ardines den Glauben an die Zukunft verloren hat. Aber der Leiter Vertrieb und Marketing der Stadtwerke Jülich (SWJ) spricht trotzdem einen Satz aus, den man als Kunde nicht unbedingt hören möchte: „Dass morgen wieder alles gut ist, glauben wir nicht.“ Die Krise auf dem Energiemarkt wird die Kunden weit über den Winter hinaus beschäftigen. Und die Energieversorger auch.

Ja, Energiesparen macht nach wie vor Sinn – obwohl die Preise in Regionen vorstoßen, die viele Menschen und auch Betriebe an ihre finanziellen Grenzen führen werden. „Die nicht verbrauchte Kilowattstunde ist nach wie vor die günstigste“, betont Ardines, auch wenn er warnt, dass durch Einsparen der Kostenanstieg nicht kompensiert werden könne. „Wenn sich die Preise verdoppeln, müsste ich ja schon die Hälfte der Energie einsparen“, erklärt er.

In Teilen reden wir aber inzwischen eher über eine Versechsfachung oder zehn Mal höhere Preise. „Natürlich trifft die aktuelle Situation jeden sehr unterschiedlich. Es gibt Haushalte, die sagen, mein Problem ist nicht, ob die Energie im Winter kommt, sondern ob ich sie überhaupt bezahlen kann“, macht Ardines deutlich, womit sich auch die Stadtwerke in der Kommunikation mit ihren Kunden auseinandersetzen müssen. „Was möglich ist, wollen wir tun“, verspricht der Vertriebsleiter und verweist darauf, dass man auch im engen Gespräch mit dem Sozialdezernat der Stadt sei.

Wie ernst die Situation ist, weil schon jetzt Kunden nach den jüngsten Abschlagserhöhungen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, ist den Stadtwerken mehr als bewusst. Ardines beschreibt in dem Zusammenhang den Fall einer Kundin, die mit ihrem Rentenbescheid kam und sagte, dass ihr nach Abzug von Miete und Stadtwerkeabschlag gerade mal 150 Euro im Monat übrigbleiben würden. „Als sehr bedrückend“ beschreibt Ardines diese Erfahrung und es ist mit ein Grund für die Aussage, dass man alles, was möglich sei, tun werde, um in solchen Situationen zu helfen.

Dazu werden auch Maßnahmen gehören, die man als Kunde selbst unbedingt gar nicht spüren wird. So hatte SWJ-Geschäftsführer Ulf Kamburg schon Mitte des Jahres bei der Präsentation des Jahresergebnisses darauf verwiesen, dass das Unternehmen einen Teil der Kostensteigerung nicht an die Kunden weitergereicht habe. Er sprach damals von einer Summe zwischen 200.000 und 300.000 Euro. „Wir haben schon subventioniert und werden auch weiter subventionieren“, kündigt Ardines an und sagt deutlich: „Unsere Strategie ist mit Sicherheit nicht, das beste Ergebnis aller Zeiten einzufahren. In dieser Situation geht es uns nicht um Gewinnmaximierung.“

Aber: Verluste würden den Kunden langfristig auch nicht helfen. Das würde nämlich zu Lasten notwendiger Investitionen gehen. In dem Punkt haben die Stadtwerke schon Prioritäten gesetzt, um Geld zu sparen. Wie bekannt ist der geplante Umzug in den Brainergy-Park vorerst auf Eis gelegt. Beim Glasfaser-Ausbau wird man nun die Gebiete weiter erschließen, in denen man schon tätig ist, aber vorerst keine neuen Bereiche in Angriff nehmen. Ardines: „Wir müssen abwägen, was wir uns noch leisten können und was wir lassen sollten. Ansonsten könnten auch wir als Energieversorger in Bedrängnis geraten.“

Und weil Ivan Ardines nun doch nicht ganz so zukunftsskeptisch ist, sagt er dann doch, dass es nach dem Winter, im Laufe des kommenden Jahres, vielleicht zu einer Entspannung auf dem Energiemarkt kommen könnte. Und es folgt der Satz, der für einen Mann, der Strom und Gas verkaufen soll, nicht unbedingt der typischste ist: „Dann wird jeder überlegen müssen, ob man mit Blick auf den Klimawandel vielleicht besser sein Verhalten beibehält“ – sprich auch künftig eher Energie spart, als in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.