Jülich: Solarturm Jülich: Ein blendendes Beispiel für den Fortschritt

Jülich: Solarturm Jülich: Ein blendendes Beispiel für den Fortschritt

Der Solarturm Jülich ist ein blendendes Beispiel für die Weiterentwicklung regenerativer Energien. In den 90er Jahren war Professor Bernhard Hoffschmidt nach eigenen Aussagen der „einzige auf der ganzen Welt”, der auf dem Sektor der solarthermischen Energieerzeugung forschte und gelegentlich als „Spinner” belächelt wurde.

Heute lächelt Hoffschmidt, denn seine Arbeit hat sich ausgezahlt. Das solarthermische Demonstrations- und Versuchskraftwerk - im Volksmund: der Solarturm - in Jülich ist dafür der Beleg. Davon konnten sich am Samstag genau 15 Leser von Jülicher Zeitung und Jülicher Nachrichten überzeugen, die im Rahmen unserer Sommeraktion einen exklusiven Einblick erhielten. Ein Vielfaches mehr an Lesern wollte dabei sein, so dass die Teilnehmer per Los ermittelt wurden.

Am und im Solarturm geht es auch um Betriebsgeheimnisse, denn die Anlage ist zwar nur mit Steuergeldern zu realisieren gewesen, aber eben auch zu einem Gutteil durch Investitionen der Industrie. Nicht weniger als 15 Patente sind im Inneren buchstäblich „verbaut”. Und in einer Welt der Plagiate und unverfrorenen Abkupferei ist ein Pilotprojekt wie das in Jülich, das die Funktionstüchtigkeit einer Technologie nachgewiesen hat, ein schützenswertes Gut. Daher gibt es nur selten die Gelegenheit, das Gelände und vor allem den Turm zu erkunden.

Hoffschmidt selbst berichtete der interessierten Gruppe mit hohem Frauenanteil, wie schwierig es war, die Pilotanlage wirklich werden zu lassen. „Es geht ja vor allem darum, die Funktionstüchtigkeit zu beweisen.” Darum ist der Standort, der auf den ersten Blick natürlich gegenüber dem Süden Europas oder dem Norden Afrikas deutlich weniger Sonnenstunden zu bieten hat, gar nicht so wichtig. „Wenn hier die Sonne scheint, ist sie genauso stark wie in der Sahara.” Das zählt.

Die größte Schwierigkeit im Vorfeld war es, im Dickicht der verschiedenen Fördergeber - mit NRW und Bayern zwei Bundesländer plus der Bund - und unter Beteiligung der Industrie eine funktionsfähige Konstruktion zu finden. Das gelang nach zähen Verhandlungen, so Hoffschmidt. Doch ohne die Stadt Jülich, die Stadtwerke Jülich und die Fachhochschule hätte es nicht geklappt.

Inzwischen hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Trägerschaft übernommen. Die Großforschungseinrichtung will laut Hoffschmidt nun die Technologie weiter erforschen. Der Hybridantrieb stehe da an erster Stelle, und dafür sei der Solarturm auch ausgelegt. Er soll zum Beispiel nachts, wenn die Sonne nicht scheint, mit Gas betrieben werden. Das ist für rohstoffreiche Länder wie in Nordafrika besonders attraktiv. Tagsüber reflektieren Spiegel (Heliostate) das Sonnenlicht zur Turmspitze, wo die erhitzte Luft durch den Absorber eingesaugt wird. Der Dampf wird durch einen Kreislauf geschleust und treibt eine Turbine an.

Der Lesergruppe wurde deutlich, dass es in Jülich nicht darum geht, möglichst viel Strom zu erzeugen, sondern um Forschung. „Wir bauen um, probieren aus und denken nach. Und dann wieder von Neuem. So geht es immer weiter”, erklärte Hoffschmidt, der zuversichtlich ist, dass das DLR Jülich nicht nur als „Niederlassung”, sondern als „Standort betreiben wird.

Die Leser „löcherten” den DLR-Geschäftsführer über zwei Stunden mit Fragen. Hoffschmidt hatte auf alle eine Antwort.