Skulpturenweg an der Rur steht Besuchern seit heute wieder offen

Skulpturenweg Linnich : Künstler spielen mit der Natur

Der Linnicher Skulpturenweg ist seit Jahren einer der Höhepunkte des Kultursommers. In diesem Jahr präsentiert er unter anderem verrückte Vögel und analoge Welten und setzt sich inhaltlich mit dem Thema Natur auseinander.

Der Skulpturenweg in den Linnicher Rurauen ist seit heute unter dem Motto „Das Spiel mit der Natur“ wiedereröffnet. In einer Ära der globalen Klimaveränderung und angesichts der weltweiten „Fridays for Future“- Bewegung könnte das Thema nicht passender ausgewählt werden. Behutsam, mit größter Achtung und Wertschätzung der Umgebung fügen sich zwölf fantasievolle Kunstobjekte in die gut 700 Meter lange, naturbelassene Strecke entlang des Rur-Ufers. Die Freilichtausstellung ist seit 2009 zu einem der Aushängeschilder des Linnicher Kultursommers gereift. Das freischaffende Künstlerduo aus Rurdorf, Bina Placzek-Theisen und Winfried Theisen, sind die geistigen „Eltern“ des Projektes.

Alles in Eigenregie

„Dieses wunderschöne Fleckchen freier Natur wurde von den Bewohnern früher höchstens als Hundewiese wahrgenommen“, erinnert sich Placzek-Theisen. Die Idee zum Kunstmuseum unter freiem Himmel war geboren. „Die Anfänge waren nicht einfach“, berichtet Wilfried Theisen, „zunächst wusste niemand, wem dieses Stück Ufer gehört und die damaligen Gesprächspartner konnten sich unter unserer Idee nicht wirklich viel vorstellen“. Der schließlich als Eigentümer enttarnte Wasserverband Eifel-Rur war von dem Vorhaben angetan. Von der Auswahl der teilnehmenden Künstler über die Entwürfe von Plakaten und Flyern bis hin zum Rasenmähen auf den „Kunst-Pfaden“ werden die Aufgaben in Eigenregie bewältigt. Mittlerweile kann das Rurdorfer Künstlerpaar auch mit einer kleinen finanziellen Unterstützung des Stadtmarketingvereins „Wir in Linnich“ für die Öffentlichkeitsarbeit rechnen. Sehr erfreulich stimmt auch die langangestrebte und seit kurzem verwirklichte Zusammenarbeit mit dem Deutschen Glasmalerei-Museum. Auf die Frage, warum man überhaupt eine solche Mammutaufgabe auf sich nimmt, reagieren beide zunächst mit verwundertem Schweigen. „Wir versuchen einfach Appetit auf Kunst zu wecken“, erklärt Wilfried Theisen. Bina Placzek-Theisen spricht in diesem Zusammenhang von der Selbstverwirklichung eines Künstler Daseins. „Natürlich hat man auch gerne positives Feedback“, sagt sie, „jeder Beruf sollte Spaß machen und das, was hier entsteht, tut mir einfach gut.“

Bina Placzek-Theisen und Wilfried Theisen möchten den Genuss von Kunst und Natur mit vielen Besuchern teilen. Foto: Marzena Vomberg

Die Treppe von der Rurallee in Höhe der Einmündung zur Trumpgenstraße führt die Natur- und Kunstliebhaber auf eine kleine Lichtung, wo sie zuerst von einer anmutigen Birke und kristallenem Klang der Windspiele in Empfang genommen werden. Die kleinen Kunstwerke entwarfen Kinder und Jugendliche im Glasmalerei-Museum. Hinter der Weggabelung führen die pittoresken Pfade nach rechts und links zu jeweils sechs Kunstinstallationen, die allesamt honorarfrei von 16 Künstlern aus Deutschland und den Niederlanden ausgestellt werden. „Das Spiel mit der Natur“ entfaltete auf ungeahnte Weise die Kreativität der Erschaffer. So werden die Wanderer von ausgesprochen niedlich anmutenden Riesen-Motten überrascht und begegnen ganz „verrückten Vögeln“ und gut getarnten Insekten. Unter den vielen Kunstobjekten finden sie erlesene Bildmalereien und man kann auf einem roten Holzstuhl vor einem besonderen „Bildschirm“ Platz nehmen. Das Wunder der Natur in einer analogen Begegnung kann hier wahrgenommen werden.

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