Jülich: Seniorenbeirat macht sich für die Teilhabe von Senioren stark

Jülich: Seniorenbeirat macht sich für die Teilhabe von Senioren stark

Ältere Menschen können im Alter vereinsamen, wenn ihre Mobilität nachlässt. Schon leichte Gehunsicherheiten und die Angst vor einem Sturz binden sie dann ans Haus oder die Wohnung.

Senioren ziehen sich häufig auch dann zurück, wenn die finanzielle Situation eine Teilhabe nicht mehr zulässt. Dritte wiederum sind noch mobil, stehen aber in der Öffentlichkeit plötzlich vor Barrieren, die sie kaum noch meistern können.

Marlies Keil und Gisela Booz vom Jülicher Seniorenbeirat haben diese Probleme im Blick. Sie machen sich für die Teilhabe von Senioren stark. So setzten sie sich erfolgreich für einen Handlauf an der Treppe zum Neuen Rathaus ein. Denn: Eine große Freitreppe ohne Möglichkeiten zum Festhalten ist für gangunsichere Menschen eine Gefahrenstelle. Der Seniorenbeirat sorgte auch für Handläufe an beiden Rurbrücken, das Aufstellen von Ruhebänken und für einen Taxistand an der Kleinen Kö. Der Weg von der Stadt bis zum Wallramplatz ist einfach zu weit, erklärt Vorsitzende Marlies Keil, die mit Tatkraft die Interessen der Jülicher Senioren vertritt.

Um auf die Belange betagter Personen hinzuweisen und durchzusetzen, stellt der Seniorenbeirat Anträge in den entsprechenden Ausschüssen des Stadtrates. Dort werden die Anliegen vorgetragen, anschließend genehmigt oder abgelehnt.

Die Zusammenarbeit klappe gut, oft könnten Verbesserungen erreicht werden — Hand in Hand mit den Verantwortlichen der Kommune. Manchmal klappt es aber auch nicht: Die Senioren wünschten sich etwa eine veränderte Ampelschaltung. Konkret eine Verlängerung der Rot-Phase. „Ältere Herrschaften sind nicht so fix auf der Straße“, erklärt Keil, um dann mit Bedauern festzustellen: „Da haben wir aber keinen Erfolg gehabt“.

Der Seniorenbeirat ist ein Gremium in der Stadt Jülich, die Mitglieder sind Vertreter von Institutionen und Einrichtungen, die sich für Senioren engagieren. Auch die politischen Parteien entsenden Vertreter. Auf die Frage an die beiden Vorsitzenden, was für sie Inklusion bedeute, antwortet Keil: „Zugehörigkeit. Das man dazugehört und alle Möglichkeiten dazu bekommt.“ Und Gisela Booz ergänzt: „Für mich bedeutet Inklusion, alten Menschen zu helfen, die Schwierigkeiten des Alltags zu meistern“.

Dieses Ziel verfolgt auch der jüngste Antrag an den Bauausschuss. Die Senioren stören sich an Pflastersteinen auf Gehwegen. Rein optisch markieren diese den Beginn oder das Ende eines verkehrsberuhigten Bereichs. Das hat durchaus seinen Sinn, doch behindern die Pflastersteine Fußgänger mit eingeschränkter Gehfähigkeit. Marlies Keil spricht von Holpersteinen: „Fußgänger mit Rollator oder Rollstuhlfahrer kommen kaum über diese Hürde.“ Vertreter des Seniorenbeirats haben inzwischen den Bauausschuss auf die Barrieren aufmerksam gemacht, gebeten zukünftig keine „Holpersteine“ mehr zu verlegen.

Der Seniorenbeirat existiert seit fast zehn Jahren. In dieser Zeit setzten die Mitglieder viele Ideen um. Sie gründeten ein Netzwerk gegen Einsamkeit und Armut im Alter in Kooperation mit sozialen Einrichtungen in Jülich. Sie organisierten einen Einkaufsdienst, der in zwei Jahren über 1000 Einkäufe für behinderte und kranke Menschen übernahm. Der Seniorenbeirat veranstaltet einen regelmäßigen Singkreis, internationales Kochen, einen Kulturaustausch zwischen Senioren und Studierenden wie die Akademie 60+ „Altern mit Kultur“, Informationsveranstaltungen und den jährlichen Seniorentag.

Auch wenn die Inhalte der Veranstaltungen vollkommen unterschiedlich sein mögen, haben sie doch ein großes gemeinsames Ziel: die soziale, gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe von Senioren am gesellschaftlichen Leben.

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