Senioren Union spricht über den Tagebau

Lambert Schmitz hält Vortrag : Senioren Union spricht über den Tagebau

Die Senioren Union Jülich war jetzt zusammen gekommen, um mit Lambert Schmitz über das Thema „Tagebau Hambach – jetzt und in Zukunft“ zu sprechen.

„Ich bin Stadtverordneter in der CDU-Fraktion in Jülich, Mitarbeiter seit fast 40 Jahren bei RWE (Rheinbraun) und Gewerkschaftsmitglied – seit einigen Jahren auch im Betriebsrat“, so stellte Schmitz sich nach der Begrüßung durch den Vorsitzender Wolfgang Gunia selbst vor und machte deutlich, dass er keine einseitige Darstellung geben werden.

Fast eineinhalb Stunden lauschten die 35 Teilnehmer gespannt seinen Ausführungen, denn was sie zu hören bekamen, war interessant und keineswegs nur erfreulich. Mit dem anstehenden „Deal“ RWE und EON werden Geschäftsfelder neu sortiert. RWE wird bei den Erneuerbaren Energien Nummer 5 weltweit und Nummer 3 in Europa. Dabei sind jährliche Investitionen von 1,5 Milliarden Euro bei den Erneuerbaren geplant. Die Gewinne für RWE werden zukünftig wohl aus diesem Bereich kommen und nicht mehr, wie bisher gewohnt, aus der Braunkohle.

Die Förderung im Tagebau Hambach wird in den nächsten Jahren von 40 auf zunächst 20 Millionen Tonnen zurück gefahren – eine Folge des Rodungsstopps. Schmitz bedauert, dass trotz dieser Vereinbarung im Hambacher Forst keineswegs Ruhe eingekehrt sei und die Tagebaugegner weiterhin ihre Baumhäuser besetzt hielten.

Sehr anschaulich schilderte er und dokumentierte auch mit Filmen, welchen Anfeindungen und Bedrohungen in Wort und Tat die Mitarbeiter ausgesetzt seien. Das gehe an den Bergleuten nicht spurlos vorüber, viele litten darunter, aber das „schweißt auch zusammen“.

Er beklagte die aus seiner Sicht teilweise verharmlosende Berichterstattung auch in den Medien.

Nach der Braunkohle sind für private Haushalte und die Industrie Sorgen angebracht hinsichtlich der Versorgung mit Strom und der künftigen Strompreise. Deutschland leiste sich eine mehr als doppelt so hohe installierte Leistung zur Stromerzeugung wie notwendig. Es gebe Tage an denen Sonne und Wind nahezu den kompletten Bedarf abdecken, aber auch Tage und Wochen an denen Sonne und Wind keinen signifikanten Beitrag leisten würden und die Stromerzeugung fast ausschließlich an konventionellen Kraftwerken hänge.

Sorge müsse man sich auch machen wegen der Infrastruktur. Es dauere einfach zu lange, ehe neue Stromtrassen gebaut würden und der Strom dahin käme, wo er gebraucht werden.

Anlass zur Sorge mache auch der künftig steigende Strompreis. Wenn in den USA die Kilowattstunde 5,82 Cent koste und in Deutschland 14,9 (Quelle IGBCE) sei das ein erheblicher Wettbewerbsmachteil für Industrie mit hohem Energiebedarf.

Schmitz bedauerte auch, dass Menschen, die sich auf die Umsiedlung eingestellt hätten nun plötzlich durch die Umweltverbände verunsichert würden. Der Kompromiss der Kohlekommission mit dem vorzeitigen Ende der Kohletagebaue und den Entschädigungen für die betroffenen Regionen und die Tagebautreibenden werde den Steuerzahler teuer zu stehen kommen.

Nach einer lebhaften Diskussion kündigte Gunia für Montag, 15. April, um 16 Uhr als Referentin Frau Dopper, die Leiterin der Verbraucherberatungsstelle Düren an, die unter anderem über die zahlreichen Tricks, mit denen Senioren „abgezockt“ würden, berichten wird.

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